07.01.2020 04:48

Angst vor Online-ReservationRestaurant-Besitzer ärgern sich über Local.ch

Einige Gastrobetriebe fürchten sich vor ungewollten Buchungsmöglichkeiten bei Local.ch. Sie wollen nicht zum zweiten Rigozzi-Fall werden.

von
Dominic Benz
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Das Hotel Arkanum aus dem Walliser Dorf Salgesch ärgert sich über Local.ch.

Das Hotel Arkanum aus dem Walliser Dorf Salgesch ärgert sich über Local.ch.

Screenshot Local.ch.
Die Buchungsplattform hat ohne das Wissen des Hotels eine Schaltfläche für das Online-Buchen von Tischen auf der Website generiert.

Die Buchungsplattform hat ohne das Wissen des Hotels eine Schaltfläche für das Online-Buchen von Tischen auf der Website generiert.

Screenshot Local.ch.
Rita Moreillon, die Wirtin des Hotels, will aber nicht einen Shitstorm erleben, wie ihn Moderatorin Christa Rigozzi vor kurzem beim Restaurant Alpenrose in Leukerbad losgetreten hat. Daher will sie keinen Button für Reservationen bei ihrem Eintrag auf Local.ch: «Wir haben ja in den Medien gelesen, was mit dieser Online-Option passieren kann», sagt die Wirtin zu 20 Minuten.

Rita Moreillon, die Wirtin des Hotels, will aber nicht einen Shitstorm erleben, wie ihn Moderatorin Christa Rigozzi vor kurzem beim Restaurant Alpenrose in Leukerbad losgetreten hat. Daher will sie keinen Button für Reservationen bei ihrem Eintrag auf Local.ch: «Wir haben ja in den Medien gelesen, was mit dieser Online-Option passieren kann», sagt die Wirtin zu 20 Minuten.

Screenshot Local.ch.

Swisscom-Tochter Local.ch sorgt in der Gastroszene für Knatsch: Über die Buchungsplattform lassen sich Tische per Klick reservieren. Doch viele Restaurants wissen von diesem Reservationssystem nichts. Die Beizer macht das wütend: «Das hätte auch uns zur Zielscheibe von Leuten wie Christa Rigozzi machen können», sagt Rita Moreillon, Direktorin des Hotels Arkanum aus dem Walliser Dorf Salgesch, zu 20 Minuten.

Um den Jahreswechsel herum rief Rigozzi öffentlich zum Boykott des Restaurants Alpenrose in Leukerbad auf. Zuvor hatte die Moderatorin über Local.ch eine Reservation getätigt. Die Beiz hatte allerdings laut eigenen Angaben nie eine Buchungsanfrage erhalten, vom Reservierungstool auf Local.ch wusste die Wirtin nichts. Daraufhin rief Rigozzi zum Boykott auf. «Die Wirtin tut mir leid. Das hätte jedem von uns passieren können», sagt Rita Moreillon.

Intensive Werbung

Laut der Wirtin erhielt sie im Dezember einen Anruf von Local.ch. Das Unternehmen habe ihr ein Reservierungssystem für Restaurants verkaufen wollen. Sie habe aber abgelehnt, da man als kleiner Betrieb nur telefonisch Reservationen annehmen möchte. «Local.ch bewirbt das Tool intensiv», so Moreillon.

Trotz allem entdeckte die Wirtin nach dem Bekanntwerden von Rigozzis Boykottaufruf auch bei ihrem Restaurant-Eintrag auf Local.ch einen Button für Reservationen. «Ich bin erschrocken, weil ich doch gesagt hatte, dass ich das nicht wolle», sagt Moreillon.

Ungewollte Schaltfläche

Für Verwirrung sorgt das Vorgehen von Local.ch bei Restaurants, die das firmeneigene Buchungssystem namens Mylocalina nicht haben wollen, aber auf der Plattform eine Mail-Adresse angegeben haben. Ohne Wissen der Wirte generiert Local.ch dann auf der Website eine Schaltfläche, auf der Kunden per Klick einen Tisch buchen können.

Local.ch-Sprecher Harry Meier verteidigt das Vorgehen: «Mit der Adresse erstellen wir ein standardisiertes Reservationsformular. Eine Tischbuchung ist so auf strukturierte und einfache Weise per Mail möglich.» Die Restaurantbesitzer würden jeweils über

die Aktivierung des kostenlosen Online-Reservation per Mail informiert. Zudem handle es sich um Mail-Adressen, die die Betriebe bei Local.ch publiziert hätten, so Meier.

Kostenpflichtige Software

Der Sprecher bestätigt, dass Local.ch Ende Jahr die Buchungssoftware Mylocalina bei hiesigen Restaurants «aktiv» beworben hat. Das System gibt es in einer Gratisversion sowie für monatlich 33 und 120 Franken mit entsprechend zusätzlichen Funktionen. Auch bei diesem System erhalten die Restaurants bei ihrem Eintrag auf Local.ch einen Button für die Tischbuchung.

Laut Meier würden viele Schweizer Restaurants diese Art von kostenlosen Online-Reservationen schätzen. Das System sei im Interesse aller Beteiligten: «Die Restaurants wollen ihr Lokal voll haben, und die Gäste wollen online buchen können.» Gastronomen, die das nicht möchten, könnten Bescheid geben, und man entferne diese Buchungsmöglichkeit von Local.ch.

Button ist nun weg

Das hat auch Wirtin Rita Moreillon so gemacht: Sie will weder von einem automatischen Buchungsmail noch von einer Software etwas wissen und hat sich beschwert. Der Button für Reservationen ist nun weg. «Wir haben ja in den Medien gelesen, was mit dieser Online-Option passieren kann», sagt die Wirtin.

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