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Schlupfloch bei Corona-MassnahmenRestaurants können die Abstandsregel umgehen

Die Fallzahlen steigen rasant an, Massnahmen werden verschärft – aber in Restaurants und Beizen sitzen Gäste teils noch immer ohne Maske auf engstem Raum beisammen. Ist das rechtens?

von
Anna Meier
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Die Tische im Esssaal des Restaurants Schweizerheim in Ebikon LU stehen nur drei Zentimeter auseinander.

Die Tische im Esssaal des Restaurants Schweizerheim in Ebikon LU stehen nur drei Zentimeter auseinander.

Leserreporter
Schutzwände stehen zwischen den Tischen dieses Restaurants.

Schutzwände stehen zwischen den Tischen dieses Restaurants.

REUTERS
Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Schutzmassnahmen in Restaurants.

Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Schutzmassnahmen in Restaurants.

REUTERS

Darum gehts

  • Im Restaurant Schweizerheim in Ebikon LU wird der Mindestabstand der Tische unterschritten.

  • Die Gastgewerbe-Polizei schreitet nicht ein – das Restaurant handle den Vorgaben entsprechend.

  • Laut den Richtlinien des BAG sind mit dem Erheben der Kontaktdaten die nötigen Vorschriften eingehalten, wenn aus «wirtschaftlichen Gründen» der Abstand nicht eingehalten werden kann.

Drei Zentimeter Abstand statt der vorgeschriebenen 1,5 Meter: Beim Mittagessen im Restaurant Schweizerheim in Ebikon im Kanton Luzern wurde Leserreporter Christian Tiszberger aufgrund des mangelnden Sicherheitsabstandes ganz unwohl: «Um unseren Tisch verlassen zu können, mussten andere Gäste aufstehen», sagt er. «In einem Restaurant müsste man in der angespannten Covid-Situation die Einhaltung der Abstandsregelung erwarten können.»

Tiszberger verlässt das Ebikoner Schweizerheim und benachrichtigt die Gewerbepolizei des Kantons Luzern. Diese sieht aber keinen Handlungsbedarf: «Das Schweizerheim hat sich an die geltenden Bestimmungen gehalten, da die Kontaktdaten aufgenommen werden», gibt Urs Renggli, Chef der Gastgewerbe-Polizei Luzern, auf Anfrage bekannt. Derartige Meldungen würden sich aber in letzter Zeit häufen. Denn was vielen offenbar nicht bekannt ist: Die Abstandsvorschriften müssen nicht in jedem Restaurant eingehalten werden.

Schlupfloch für die Gastrobetriebe

Zwar sieht das Schutzkonzept des Gastronomieverbands Gastro Suisse den Mindestabstand von 1,5 Metern von Tischkante zu Tischkante vor. Ein Schlupfloch bietet aber die Verordnung zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie: «Können (...) wegen örtlicher Gegebenheiten oder aus betrieblichen oder wirtschaftlichen Gründen (...) weder der erforderliche Abstand eingehalten noch Schutzmassnahmen ergriffen werden, so muss die Erhebung von Kontaktdaten der anwesenden Personen (...) vorgesehen werden.»

Wirtschaftliche Gründe für die fehlende Distanz macht auch das Schweizerheim geltend: «Mit den Abstandsregeln reicht unser Platz nur für 60 Prozent der Sitzplätze», sagt Pius Suter, Gastgeber des Schweizerheims. «Das hiesse, dass wir neben Kurzarbeit auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen müssten

Epidemiologe rät zu Maskenpflicht

«Die Gäste müssen wissen, dass jeder Restaurantbesuch derzeit ein Risiko birgt», sagt Epidemiologe Christian Garzoni. Er kann das Schlupfloch, dass der Bund der Gastronomie bietet, nachvollziehen – so können kleine Restaurants trotzdem offen bleiben, und ein sicherer Betrieb sei in Kombination mit anderen Massnahmen trotzdem möglich.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bestätigt, dass Gastrobetriebe derzeit die Möglichkeit haben, auf die Abstände zu verzichten, wenn Kontaktdaten erhoben werden. «Das BAG beobachtet jedoch laufend die epidemiologische Entwicklung und wird gegebenenfalls weitere Massnahmen auf Bundesebene vorschlagen.»

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924 Kommentare
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Martial2

21.10.2020, 16:39

Diese strengen Massnahmen sollten für alle gelten: Clubs, Bars, Hotels, Restaurants. Wenn man Ausnahmen macht, dann gibt‘s nie einen End. Die Geschäfte die sich nicht daran halten mit 1‘500 Fr bussen. Das verlorene Geld tut immer weh!

Sehr unwissenschaftlich und einseitig

20.10.2020, 15:31

Man geht ja von rund 90% symptomlosen Positiven aus. Angenommen diese entwickeln nun z.B. wegen einem anderen Erkältungs- oder Grippevirus Symptome. Wenn sie dann zum Arzt gehen und man ja nur auf Covid19 testet werden all diese Fälle ja bezüglich Symptomen fälschlicherweise Corona zugeordnet. Das gibt ja ein krass verfälschtes Bild und im schlimmsten Fall sogar eine falsche Pflege. Zumal ja bekannt ist, dass öfters verschiedene Krankheitserreger im Spiel sind, sollte man entweder auf alle oder keinen testen.

Schämu

20.10.2020, 15:31

Immer das gleich, Diejenigen die Reklamieren oder unzufrieden sind müssen halt solche Lokale meiden. Aber nein, die Anderen sollen.