Gastrosuisse-Umfrage: Restaurants machen trotz Lockerung grosse Verluste
Aktualisiert

Gastrosuisse-UmfrageRestaurants machen trotz Lockerung grosse Verluste

Eine Umfrage vom Gastroverband Gastro Suisse zeichnet ein düsteres Bild für die Rentabilität der Restaurantbetriebe: 90 Prozent der offenen Restaurants schreiben grosse Verluste. Wie lange sie noch offen bleiben können, ist unklar.

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Seit dem 11. Mai haben die meisten Restaurantbetriebe wieder geöffnet. Doch wie lange können sie das Geschäft unter den strengen Auflagen durchstehen?

Seit dem 11. Mai haben die meisten Restaurantbetriebe wieder geöffnet. Doch wie lange können sie das Geschäft unter den strengen Auflagen durchstehen?

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Laut einer Umfrage des Gastroverbands GastroSuisse schreiben neun von zehn Restaurants Verluste.

Laut einer Umfrage des Gastroverbands GastroSuisse schreiben neun von zehn Restaurants Verluste.

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Die Wirte rechnen mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 60 Prozent.

Die Wirte rechnen mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 60 Prozent.

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Darum gehts

  • Der Gastroverband Gastro Suisse hat eine Umfrage mit seinen Mitgliedern gemacht.
  • Die Wirte wurden dazu befragt, wie es ihrem Betrieb seit der Lockerung vom 11. Mai geht.
  • 90 Prozent erwarten einen Verlust.
  • Die Umsätze sind um die 60 Prozent eingebrochen.
  • Der Verband befürchtet, viele Betriebe könnten bereits im Juni wieder schliessen.

Die Mehrheit der gastronomischen Betriebe, die nach dem Lockerungsschritt vom 11. Mai 2020 unter strengen Corona-Schutzauflagen wieder öffnen durften, haben ihren Betrieb wieder aufgenommen. Für die Branche sei die Öffnung jedoch mit einschneidenden Beschränkungen, schmerzhaften Verlusten und grossen Unsicherheiten verbunden, wie der Branchenverband Gastro Suisse schreibt.

90 Prozent der Wirte erwarten einen Verlust

Eine Befragung von des Verbands zeigt: Dreiviertel der Befragten haben die Chance zum Restart genutzt, auch wenn der Betrieb wegen der behördlichen Auflagen nur limitiert möglich ist. «Neun von zehn der wieder geöffneten Betriebe gehen jedoch davon aus, dass sie einen Verlust erwirtschaften», präzisiert Gastro Suisse-Präsident Casimir Platzer. «In der ersten Woche nach der erlaubten ersten Öffnungsetappe liegen die Umsätze durchschnittlich 60 Prozent hinter den Vorjahreswerten», hält er fest.

Laut Gastro Suisse brauche es eine weitere Lockerung der Auflagen. Vor allem für all jene gastgewerblichen Betriebe, die aufgrund des behördlichen Verbots infolge der Coronakrise weiterhin geschlossen bleiben müssen.

Mindestabstände schränken Restaurants ein

Ursache für die Mindereinnahmen sind die strengen Auflagen. Das zeigen die Umfrageergebnisse deutlich. Besonders einschränkend sind die Tisch-Mindestabstände und die starke Beschränkung der Anzahl Personen je Gästegruppe auf vier Personen.

Die meisten Betriebe, die wieder öffneten, taten dies, um für die Stammkunden da zu sein, um die Bevölkerung, wenn auch mit Beschränkungen, wieder gastronomisch verwöhnen zu können und um den Mitarbeitenden eine Perspektive zu geben. Rund ein Drittel öffnete, um den Verlust im Vergleich zum Lockdown zu verringern oder um Marktanteile zu halten.

Die Gründe für den Verzicht auf eine Wiedereröffnung sind vielfältig. Am meisten genannt wurde jedoch die Feststellung, dass unter den geltenden sehr strengen Auflagen kein rentabler Betrieb möglich ist.

Nachhaltige Öffnung in Frage gestellt

Die geltenden Auflagen sind derart einschränkend, dass rund 40 Prozent der befragten Betriebe nicht sicher sind, ob sie unter diesen Bedingungen offen bleiben können. «Die Antworten zeigen ein düsteres Bild», kommentiert Casimir Platzer. «Ohne weitere Lockerungen müssen viele Lokale bereits im Juni wieder schliessen, weil die Öffnung sehr unrentabel ist.»

Hoffnung und Erwartungen der befragten Wirte sind gross, dass insbesondere die Beschränkung der Anzahl Personen pro Gästegruppen aufgehoben wird. Laut ist zudem der Ruf nach geringeren Tischabständen. «Die meisten Betriebe haben aufgrund der Auflagen zwischen 35 und 65 Prozent an Sitzplatzkapazität eingebüsst», erklärt der GastroSuisse-Präsident. Viele Betriebe sind zudem darauf angewiesen, den Aussenbereich unbürokratisch erweitern zu können.

Preise nicht erhöht

Die Auflagen des Schutzkonzepts verursachen auch Mehrkosten. Wie die Umfrage zeigt, haben die meisten offenen Restaurationsbetriebe ihre Preise trotzdem nicht angepasst. Die Betriebe tragen den Mehraufwand vielfach selber.

Die Umfrage bestätigt, dass sich die Branche an das Schutzkonzept Covid-19 hält. In der ersten Woche nach dem Restart wurde bereits jeder vierte Betrieb kontrolliert. 90 Prozent der kontrollierten Betriebe setzen das Schutzkonzept tadellos um. Die meisten Beanstandungen konnten durch Anpassungen geregelt werden. In lediglich zwei Fällen oder 0,4 Prozent der Kontrollen musste geahndet werden.

Gastro Suisse fordert weitere Lockerungen

Gastro Suisse und die 26 Kantonalverbände werden sich im Interesse der 20'000 Mitgliederbetriebe für eine der epidemiologischen Lage entsprechende rasche weitere Lockerung einsetzen. Eine Perspektive brauchen zudem unbedingt auch jene gastgewerblichen Betriebe, die aufgrund des corona-bedingten behördlichen Verbots weiterhin geschlossen bleiben müssen. Eine Konkurswelle im Gastgewerbe mit seinen über 260'000 Mitarbeitenden hätte unabsehbare Folgen.

Die Online-Befragung fand während des Zeitraums vom 11. bis 18. Mai 2020 statt. Insgesamt 3172 Antworten sind eingegangen.

(SDA)

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168 Kommentare
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blume

25.05.2020, 10:31

ich gehe nicht mehr ins restaurant /bar / das personal trägt keine schutzmasken, spricht beim sevieren und kontaminiert so gedeck und speisen mit coronaviren / ich verstehe nicht warum die nicht die selben auflagen wie das coiffeurgewerbe haben / maskenpflicht, denn 2 meter abstand sind nicht möglich / wie immer, wenn gebote nicht eigehalten werden kommen verbote / das selbe wie in den öv's

Poca Hontas

25.05.2020, 08:17

Mir tun die Restaurants leid. Ich war selber 14 jahre in der Gastronomie und komme aus einer Gastronomen-Familie. Eine Branche die so wichtig ist für das soziale Wohlergehen der Bevölkerung und so wenig Anerkennung bekommt... und in so schwierigen Zeiten wie jetzt werden der Branche wieder neue Bickel zwischen die Beine geworfen... sehr schade! Aber wir merken erst was wir hatten wenn wir die Restaurants nicht mehr haben... einfach traurig!

Alain

25.05.2020, 07:46

Fritz Meier ging vor Corona jeden Abend auf dem Heimweg auf ein Bier an den Stammtisch ins Pöstli. Während Corona hat er sich angewöhnt das Bier am Bahnhof zu kaufen und im Zug zu trinken. Oder zu hause. Jetzt hat er sich schon so daran gewöhnt dass er das Pöstli fast schon vergessen hat...