Car of the Week: Retro-Avantgarde
Aktualisiert

Car of the WeekRetro-Avantgarde

125er-Motorräder waren etwas aus der Mode, jetzt kehrt der Trend zurück: Hondas Design-Studien CB 125 M und CB 125 X schlagen genau in diese Kerbe.

von
Michael Köckritz
Minimalistisch, super-slick und sowohl Retro als auch Avantgarde. Hondas CB 125 M ist ein Urban-Bike-Konzeptfahrzeug mit leichten Offroad-Anklängen. Die dynamische Keilform nach dem Stil der Vitpilen von Husqvarna haben die Designer in Hondas europäischem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rom ins Extreme getrieben.

Minimalistisch, super-slick und sowohl Retro als auch Avantgarde. Hondas CB 125 M ist ein Urban-Bike-Konzeptfahrzeug mit leichten Offroad-Anklängen. Die dynamische Keilform nach dem Stil der Vitpilen von Husqvarna haben die Designer in Hondas europäischem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rom ins Extreme getrieben.

Honda
Die CB 125 X ist hingegen eine Dakar im Handtaschenformat, neu interpretiert in einer Design-Studie, die vor Coolness nur so trieft. Futuristisch anmutende Kanten und der dominante SC-Projects-Auspuff machen aus der 125er eines der modernsten Mini-Bikes der ...

Die CB 125 X ist hingegen eine Dakar im Handtaschenformat, neu interpretiert in einer Design-Studie, die vor Coolness nur so trieft. Futuristisch anmutende Kanten und der dominante SC-Projects-Auspuff machen aus der 125er eines der modernsten Mini-Bikes der ...

Honda
... Gegenwart. Der dicke Hinterreifen kontrapunktiert das moderne Design mit deutlichem Retro-Feeling.

... Gegenwart. Der dicke Hinterreifen kontrapunktiert das moderne Design mit deutlichem Retro-Feeling.

Honda

Lange Zeit dümpelte die Achtelliterklasse im Motorrad-Markt etwas lustlos dahin. Das hat sich in den letzten zwei Jahren geändert: Auf der Mailänder Motorradmesse EICMA stellte Honda zwei 125er-Studien vor, die CB 125 M und die Neuerfindung des «Adventure-Bikes», die CB 125 X, welche die Rückkehr der 125er mit exzellentem Design bereichern sollen.

Die knallrote CB 125 M ist ein urban-orientiertes Lean-Machine-Bike, das mit seinem ultra-futuristischen High-Tail-Styling wie bei der Vitpilen von Husqvarna den grossen Naked Bikes die Butter vom Brot holt und dabei den Asphalt so cool dominiert wie die Figur der Harley Quinn in dem Film «Suicide Squad».

Eine Dakar im Handtaschenformat

Die schneeweisse CB 125 X, von Honda nicht umsonst «Adventure Bike» getauft, mag auf den ersten Blick eine Dakar im Handtaschenformat sein. Aber die Ausführung der X kommt so athletisch und dramatisch wie doppelt so mächtige Zweioder gar Viertöpfer rüber. Und sie hat selbst in der Hinterradgabel noch genug Sexappeal, um hartgesottenen Carabinieri eine Halswirbelquetschung zu verpassen.

Die steile Front aus Gabel und Scheibe mögen die italienischen Designer aus ihrem bewährten Transalp-Fundus übernommen haben, aber bei der CB 125 X geht das als Gesamtkunstwerk durch, weil die Proportionen stimmen. Der innovative Rahmen mit der schwebenden Hinterradaufhängung macht das vorwärtsgerichtete Design mit dem Einzylindermotor zu einem harmonischen Ganzen. Der futuristische Dreifachscheinwerfer erinnert an Christopher Nolans Sci-Fi-Filme. Die gekantete Linienführung entlang des Tanks mag bei grösseren Bikes aufdringlich wirken, mit dem eckigen Hi-Tech-Übergang in die minimalistische Sitzbank und dem SC-Project-Auspuff als i-Tüpfelchen führt die X jedoch die ewige Rangliste von Hondas Styling-Pieces an. «Aggressive Dynamism» wird das von Hondas PR-Team genannt, die damit riskiert, mit der Nomenklatura die erhoffte Kundschaft zu vergrätzen.

Beide Maschinen basieren auf Hondas langbewährter CB 125 R, mit dem drehfreudigen und bewährten flüssigkeitsgekühlten Achtelliter-Viertakter, zwei Ventilen, einer Spitzenleistung von knapp 10 kW (runden 14 PS) bei 10'000 Umdrehungen und einem Drehmoment von etwas über 10 Nm bei 8. Technisch gibt es also nichts Aufregendes zu verzeichnen. In diesem ganz speziellen Fall jedoch sind die Leistungsdaten nicht wirklich wichtig. Style is everything.

Von der Aschenputtel-Klasse zu einen Must-have-piece

Es ist bezeichnend – oder sorgt zumindest für einen Aha-Moment –, dass beide Konzepte von Hondas europäischem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rom realisiert wurden. Head-Designer Valerio Aiello und seinem Team könnte es gelingen, mit dem frischen Styling der CB 125 X und CB 125 M die ehemalige Aschenputtel-Klasse in ein Must-have-Territorium zu verwandeln.

Zugegebenermassen ist das nicht leicht. Trotz der wachsenden Zahlen ist der Markt der Kleinen noch immer übersichtlich, die angepeilten Stückzahlen Honda-mässig hoch und die zu erwartende Gewinnspanne leicht gequetscht. Es gehört also eine Menge Kühnheit dazu, soviel Pocket-Rocket in einem so gut aussehenden Paket auf den Markt zu bringen. Aber der Motorradmarkt sucht nach neuen Impulsen, auch und gerade nach abenteuerlichen. Und immerhin sieht das Asien-Doppel aus Rom gut genug aus, um bei den Millennials gut anzukommen, welche die Hauptkäufergruppe der Zukunft darstellen sollen.

Die ersten Anzeichen eines Wiederauflebens der Klasse will Honda in dem Moment ausgemacht haben, als die Mini-Bikes Grom und Monkey bei besagter Zielgruppe extrem gut ankamen und die Verkaufszahlen im Jahr 2018 um beachtliche 25 Prozent anstieg. Vielversprechende Aussichten also.

Noch hält sich Honda jedoch bedeckt, ob die modern konzipierten Mini-Bikes je auf den Markt kommen. Und wenn, ob in diesem Look. Aber nach der Reaktion von Zuschauern und Medien in Mailand zu schliessen, könnte Honda mit X und M ein grosser Wurf gelingen.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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