Effizientere Geräte: Retten neue Kühlschränke die Energiewende?
Aktualisiert

Effizientere GeräteRetten neue Kühlschränke die Energiewende?

Elektrogeräte sind massiv effizienter geworden. Senkt das den Energieverbrauch genug, oder braucht es schmerzhafte «Zwangsmassnahmen»?

von
Nikolai Thelitz
1 / 7
1990 verbrauchte ein Kühlschrank noch 400 Kilowattstunden pro Jahr.

1990 verbrauchte ein Kühlschrank noch 400 Kilowattstunden pro Jahr.

Keystone/Gaetan Bally
27 Jahre später braucht ein Ökofrigo nur noch 150 Kilowattstunden.

27 Jahre später braucht ein Ökofrigo nur noch 150 Kilowattstunden.

Keystone/Martin Ruetschi
Eine Lampe hatte dann noch einen Energiebedarf von 100 Kilowattstunden. Mit modernen LED-Lampen ist es heute noch ein Zehntel.

Eine Lampe hatte dann noch einen Energiebedarf von 100 Kilowattstunden. Mit modernen LED-Lampen ist es heute noch ein Zehntel.

Keystone/Peter Wuermli

Bis 2035 sollen Schweizer gemäss der Energiestrategie pro Kopf massiv weniger Energie verbrauchen (siehe Box). Laut den Befürwortern der Vorlage ist das ohne spürbare Einschränkungen im Alltag möglich – auch dank effizienteren Geräten. «Wenn wir sehen, wie gross der Fortschritt bei der Energieeffizienz von Haushaltsgeräten in den letzten Jahren war, dann ist das sind die Richtwerte zur Verbrauchsreduktion sowohl beim Strom als auch bei der Energie insgesamt realistisch», sagt WWF-CEO Thomas Vellacott.

Um diese Aussage zu untermauern, hat der WWF mit dem Infoportal Topten.ch eine Auswertung zur Energieeffizienz von Haushaltsgeräten erstellt. Die Werte von 1990 und 2004 beziehen sich auf allgemeine Durchschnittswerte, 2017 auf eine Auswahl besonders umweltfreundlicher Geräte der neusten Generation.

Die Auswertung zeigt: In vielen Kategorien sind die potenziellen Effizienzgewinne massiv. Würde man nur die neusten Geräte verwenden, läge etwa der Stromverbrauch bei Kühlschränken 40 Prozent unter den Werten von 2004 oder 63 Prozent unter den Werten von 1990.

«Energiestrategie lässt sich ohne Einbussen umsetzen»

Eric Bush von Topten.ch glaubt, dass es so weitergeht: «Erst kürzlich hat ein Hersteller Wasch- und Spülmaschinen mit Wärmepumpen vorgestellt, bei denen der Energieverbrauch fürs Erhitzen des Wassers nur noch halb so gross ist wie vorher. Solche Durchbrüche und Innovationen gibt es immer wieder. Bei den LEDs etwa, die 90 Prozent weniger Strom verbrauchen als klassische Glühbirnen.»

Beim WWF freut man sich über die Zahlen. «Das zeigt, dass wir die Energiestrategie umsetzen können, ohne Einbussen im Alltag hinnehmen zu müssen, wie dies die Gegner behaupten», sagt Velacott.

«Durch E-Autos kommt es zur Stromlücke»

SVP-Nationalrat Toni Brunner führt das Nein-Komitee an. Er kritisiert die Erhebung. «Hier werden Durchschnittswerte von früher vermischt mit einigen besonders energiesparenden Geräten von heute. In der Realität haben nicht alle solche neuen Geräte.»

Brunner rechnet nicht damit, dass der Stromverbrauch durch die effizienteren Geräte sinken wird. «Denn trotz effizienteren Geräten ist der Stromverbrauch nicht gesunken. Die Menschen schaffen sich heute mehr digitale Geräte wie zum Beispiel Tablets oder grosse Fernseher an.» Gerade im Bereich der Personenwagen oder Wärmepumpen würde zudem in Zukunft wesentlich mehr Strom gebraucht. «Dann brauchen wir eine sichere Stomversorgung mit Bandenergie und nicht Flatterstrom aus Wind und Sonne, die nur Strom liefern, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint.»

Gibt es eine staatliche Stromkontrolle?

Dass die Reduktionsziele allein mit Stromsparen und effizienteren Geräten erreicht werden können, glaubt Brunner nicht. «Diese Ziele werden von den Befürwortern unterdessen ja selbst als zu ambitioniert bezeichnet, ich halte es für komplett illusorisch, die Ziele ohne staatliche Zwangsmassnahmen wie neuen Kontrollen, Verboten , Bevormundungen und höheren Energiepreisen zu erreichen.»

Für Vellacott vom WWF ist dies pure Angstmacherei. «Eine staatliche Stromkontrolle steht nicht zur Debatte, im Initiativtext steht kein Wort davon». Der Stromverbrauch pro Kopf habe unter dem Strich abgenommen, obwohl die Leute immer mehr elektrische Geräte benutzen würden. Öl und Benzin würden zudem vermehrt durch Strom ersetzt (Elektroauto, Wärmepumpe). «Die Reduktion unseres Energieverbrauchs ist also absolut machbar , dazu sparen wir Geld durch wegfallende Energiekosten, müssen weniger fossile Energieträger importieren und sind unabhängiger vom Ausland.»

Abstimmung Energiestrategie 2050

Am 21. Mai 2017 entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Energiestrategie 2050 des Bundesrats. Diese soll den Energieverbrauch senken, die Energieeffizienz erhöhen und die erneuerbaren Energien fördern. So die Abhängigkeit von importierten fossilen Energien reduziert werden. Ein wichtiger Faktor bei der Energieeffizienz ist der Stromverbrauch von Herr und Frau Schweizer. Bis 2020 soll er um 3 Prozent sinken, bis 2035 um 13 Prozent. Insgesamt soll der Energieverbauch bis 2035 um 43 Prozent sinken.

Deine Meinung