«Zum Handeln bereit»: Retten Teenager die Welt?
Aktualisiert

«Zum Handeln bereit»Retten Teenager die Welt?

Neue Technologien, altes Wissen und Engagement: Damit sollen die heutigen Jugendlichen die Umwelt schon bald langfristig schützen können.

von
S. Sigrist

Der norwegische Wirtschaftsphilosoph und Unternehmer Anders Indset sagt voraus, dass in diesem Jahrhundert tiefgreifende Veränderungen in mehreren Lebensbereichen stattfinden werden: «Wir werden in der Lage sein, Terrorismus zu bekämpfen, unsere Lebenserwartung kontinuierlich zu erhöhen und komplett auf fossile Brennstoffe zu verzichten», schreibt Indset auf seinem Blog.

Grosse Hoffnungen setzt der Norweger dabei in die Menschen, die kurz vor 2000 oder in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends geboren wurden. Vor allem das Thema Umweltschutz soll an Bedeutung gewinnen. Die nächste Generation werde bewusster mit natürlichen Ressourcen umgehen und Massnahmen ergreifen, um die Umwelt langfristig zu schützen. «Dies ist möglich, weil sie auf bestehendes Wissen und neue Technologien zurückgreifen kann und bereit ist, zu handeln», so der Wirtschaftsphilosoph.

Zwischen sozialer Verantwortung und Eigennützigkeit

Ivica Petrusic, Geschäftsführer der kantonalen Kinder- und Jugendförderung Zürich, bestätigt die Tendenz der Jugendlichen Richtung Nachhaltigkeit und verweist auf die Schweizer Jugendstudie Juvenir. Dabei kam unter anderem heraus, dass gut drei Viertel (78 Prozent) der Jugendlichen glauben, dass sie mit nachhaltigem Einkaufsverhalten die Produktionsbedingungen verbessern können. Bisher setzt allerdings nur jeder sechste Studienteilnehmer (17 Prozent) konsequent auf Fair-Trade-Waren. Demnach könne man sagen, dass das Thema bewusster Konsum und Nachhaltigkeit den Jugendlichen zwar wichtig sei, aber die wenigsten sich fair hergestellte Produkte leisten könnten beziehungsweise wollten. «Ihr Handeln pendelt zwischen dem Wunsch, soziale Verantwortung zu übernehmen einerseits und eigennütziger Umsetzung andererseits», erklärt Petrusic.

Die Schweizer Jugendlichen seien aber dennoch durchaus bereit, sich für die Umwelt einzusetzen. Das äussere sich heutzutage nicht mehr in einer grossen Jugendbewegung, sondern vielmehr in kleineren Projekten. «Das Engagement ist auf viele Themen verteilt, die von Umweltschutz bis hin zu Menschenrechten reichen», sagt Petrusi. «Wir haben es mit einer sehr aufgeklärten und nachhaltig denkenden Jugend zu tun», sagt der Jugendexperte.

Migrationsproblem momentan dringender

Lukas Golder, Jugendforscher und Geschäftsleitungsmitglied des Forschungsinstituts GFS Bern, sieht es ähnlich: Auch wenn den Schweizer Jugendlichen kurzfristig andere Punkte mehr am Herzen lägen, sei das Umweltbewusstsein in dieser Gruppe durchaus vorhanden, wie der CS-Jugendbarometer aufgezeigt habe. «Junge Schweizer wollen den nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt hinterlassen, sehen aber zurzeit dringendere Probleme, beispielsweise im Migrationsbereich», so Golder. Damit würden sie sich kaum von anderen Generationen unterscheiden. Im Gegensatz zu ihren älteren Mitbürgern seien Jugendliche aber offen für den technologischen Wandel. «Wenn mit Technologien die Umwelt gerettet werden kann, wird sich auch die Schweizer Jugend davon begeistern lassen», prophezeit der Forscher.

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