Rettet Federer die Schweiz erneut?
Aktualisiert

Rettet Federer die Schweiz erneut?

Seit 1995 spielt die Schweiz in der Daviscup-Weltgruppe. An diesem Wochenende ist diese Zugehörigkeit in Tschechien in Gefahr. Obwohl Roger Federer für die Abstiegsbarrage erneut zur Verfügung steht, ist die Schweiz gegen Berdych, Stepanek und Co. nicht unbedingt favorisiert.

Zum dritten Mal in Folge muss die Schweiz die Zugehörigkeit zur Elite im Teamwettbewerb über die Barrage erlangen. In den letzten beiden Jahren wurde der Abstieg gegen Grossbritannien (5:0) und Serbien (4:1) in Genf jeweils klar verhindert. In Prag liegt die Latte jedoch weit höher. Da ist zum einen die grosse Sazka-Arena, die mit jeweils 14 800 tschechischen Fans dreimal ausverkauft sein wird. Und da ist zum anderen das Aufgebot der Osteuropäer, in dem ein Top-Ten-Spieler (Tomas Berdych/ATP 10), ein formstarker Routinier (Radek Stepanek/ATP 34) sowie drei vorzügliche Doppelspieler (Martin Damm, Lukas Dlouhy und Stepanek) figurieren.

«Vom Rahmen und der Besetzung her könnte dieses Abstiegsduell ein Halbfinal sein», sagte Teamcaptain Severin Lüthi zu Recht. Dass die Aufgabe äusserst schwierig sein wird, ist auch Roger Federer klar. «Wir sind uns bewusst, dass eine Niederlage möglich ist. Dies ist das schwerste Abstiegsspiel, seit ich die Nummer 1 bin.» Sie müssten auf höchstem Niveau spielen können, um eine Chance zu haben, so der 26-jährige Baselbieter, der wie schon 2005 und 2006 die Startrunde im Februar (2:3 gegen Spanien) ausgelassen hatte.

Federer: 21 Sätze in Folge siegreich

Jetzt ist er zurück, um die Schweiz vor der Relegation zu bewahren. Zwei Wochen nach dem zwölften Grand-Slam-Triumph beim US Open werden von Federer zwei Einzelsiege erwartet. 17 seiner 18 letzten Einzel hat er im Davis Cup erfolgreich bestritten. Seit der denkwürdigen Niederlage 2003 gegen Lleyton Hewitt gewann Federer im Davis Cup 21 Sätze in Folge. Am Freitag eröffnet er das Abstiegsduell gegen Tschechiens Nummer 2 Radek Stepanek. Die beiden sind sich im August im Halbfinal von Montreal gegenüber gestanden; Federer gewann 7:6, 6:2.

Anschliessend tritt Stanislas Wawrinka (ATP 44) gegen Tomas Berdych an. Der zweite Schweizer Einzelspieler ist ebenfalls mit breiter Brust nach Prag gereist. Stanislas Wawrinka hat beim US Open erstmals einen Major-Achtelfinal erreicht. «Die Niederlage dort gegen Juan Ignacio Chela konnte ich schnell vergessen. Die Freude über mein bestes Grand-Slam-Resultat überwiegt bei weitem. Und nach einigen freien Tagen sind meine Batterien wieder aufgeladen.»

Mit einem Sieg gegen Berdych könnte Wawrinka die Weichen früh auf einen Schweizer Sieg stellen. «Ich habe gut trainiert und fühle mich auf dem Indoorbelag wohl.» Der Taraflex-Court ist zwar nicht die bevorzugte Unterlage des Waadtländers, doch wird beispielsweise in Basel auf einem ähnlichen Belag gespielt; und dort hatte Wawrinka vor Jahresfrist die Halbfinals erreicht.

Tschechen hoffen auf Siege gegen Wawrinka

Wawrinkas Optimismus zum Trotz hoffen die Tschechen in erster Linie auf zwei Einzelsiege gegen ihn. Dann würde dem Doppel vom Samstag entscheidender Charakter zukommen. Überraschend haben die Gastgeber dafür das Duo Martin Damm/Lukas Dlouhy nominiert. Es war erwartet worden, dass Stepanek an der Seite von Damm agieren würde. «Wir werden sehen, ob das ein Bluff ist», sagte der Schweizer Doppelspezialist Yves Allegro. Bis eine Stunde vor einem Spiel können die Captains Änderungen bei der Nomination vornehmen.

So oder so ist das tschechische Doppel stark. Der 35-jährige Martin Damm hatte im letzten Jahr das US Open gewonnen (mit Leander Paes). Heuer stand Dlouhy in New York im Final (mit Pavel Vizner). Zusammen mit Stepanek hat Damm fünf Doppeltitel errungen. Doch auch Allegro/Federer haben durchaus schon bewiesen, dass sie den Spezialisten auf Augenhöhe begegnen können. In Montreal verloren sie vor einigen Wochen gegen das amerikanische Top-Duo Bryan/Bryan nur hauchdünn 6:7, 7:6, 7:10. Und im Davis Cup entschieden sie drei von vier Doppel für sich.

(si)

Programm

Davis Cup. Barrage. In Prag (Sazka-Arena/Taraflex, Indoor):

Tschechien - Schweiz.

Am Freitag (ab 14.00 Uhr):

Radek Stepanek- Roger Federer

Tomas Berdych - Stanislas Wawrinka.

Am Samstag (ab 14.00 Uhr):

Martin Damm/Lukas Dlouhy - Federer/Yves Allegro.

Am Sonntag (ab 13.00 Uhr):

Berdych - Federer

Stepanek - Wawrinka.

Die Teamcaptains können Änderungen für das erste Spiel des Tages bis eine Stunde vor Beginn vornehmen. Änderungen für das zweite Spiel des Tages müssen bis zehn Minuten nach dem Ende des ersten Spiels angekündigt sein.

Die weiteren Barrage-Spiele:

Serbien - Australien (in Belgrad/Sand), Österreich - Brasilien (in Innsbruck/Indoor), Peru - Weissrussland (in Lima/Sand), Israel - Chile (in Ramat Hasharon/Hart), Grossbritannien - Kroatien (in London/Wimbledon/Rasen), Japan - Rumänien (in Osaka/Indoor), Slowakei - Südkorea (in Bratislava/Sand).

Halbfinals: Russland - Deutschland (in Moskau/Sand), Schweden - USA (in Göteborg/Indoor).

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