Gletscherschwund: Rettet Papst den Aletschgletscher?
Aktualisiert

GletscherschwundRettet Papst den Aletschgletscher?

Jahrhundertelang beteten die Fiescher um Gottes Hilfe gegen die Bedrohung durch den Aletschgletscher. Jetzt wollen sie dafür beten, dass er wieder wächst – doch das muss der Papst erst erlauben.

von
Marcel Urech

«Seit dem 17. Jahrhundert wurde unser Tal immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht», sagt Herbert Volken, Regierungsstatthalter des Walliser Bezirks Goms. Darum habe die Pfarrei Fiesch vor 331 Jahren ein «Katastrophen-Gelübde» abgelegt: Jedes Jahr beten die Gläubigen seither am 31. Juli in einer sechsstündigen Prozession gegen das Anwachsen des Aletschgletschers. «Heute ist er 3,5 Kilometer kürzer und 300 Meter dünner als bei seinem Höchststand.» Das sei mehr, als man sich je erhofft habe. «Wir haben wohl zu viel gebetet», so Volken.

Auch Dorfpfarrer Pascal Venetz zeigt sich beunruhigt über den viel zu starken göttlichen Beistand: «Ohne den Gletscher trocknen unsere Bäche aus. Dann gibt es kein Wasser mehr und ohne Wasser kein Leben.» Darum wolle man das jährliche Gelübde nun abändern und ab sofort für das Anwachsen des Gletschers beten. «Dazu brauchen wir das Einverständnis des Papstes», sagt Venetz.

Ein entsprechendes Gesuch ist in Bearbeitung: Es muss den Weg von der Ortspfarrei über das Bistum in Sitten, den Nuntius in Bern bis hin zum Vatikan finden. In Fiesch herrscht Zuversicht: «Der Heilige Vater hat an der Osterbotschaft vor dem Klimawandel gewarnt – jetzt kann er den Worten Taten folgen lassen», so Volken.

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