Treffen nächste Woche: Rettet Testoffensive die Festivalsaison?

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Treffen nächste WocheRettet Testoffensive die Festivalsaison?

Bald sollen sich alle überall und jederzeit auf Corona testen lassen können. Festivalveranstalterinnen und -veranstalter fordern schon lange Planungssicherheit. Jetzt macht auch die Politik Druck.

von
Daniel Graf
Pascal Michel
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Die Organisatorinnen und Organisatoren von Festivals verlangen Planungssicherheit vom Bund.

Die Organisatorinnen und Organisatoren von Festivals verlangen Planungssicherheit vom Bund.

OskarMoyano
Mit der ausgeweiteten Teststrategie steigen die Hoffnungen, dass Festivals im Sommer wieder möglich sein werden.

Mit der ausgeweiteten Teststrategie steigen die Hoffnungen, dass Festivals im Sommer wieder möglich sein werden.

OskarMoyano
Auch die Politik fordert Planungssicherheit: FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt sagt, der Informationsgewinn aus den grossangelegten Tests müsste umgehend mit den Branchenverbänden geteilt werden.

Auch die Politik fordert Planungssicherheit: FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt sagt, der Informationsgewinn aus den grossangelegten Tests müsste umgehend mit den Branchenverbänden geteilt werden.

PARLAMENTSDIENSTE

Darum gehts

  • Der Bund weitet die Teststrategie massiv aus.

  • Das gibt der gebeutelten Veranstaltungsbranche Hoffnung: Kommende Woche findet ein Treffen statt.

  • Auch Politiker fordern, dass etwa die Veranstalterinnen und -veranstalter von Festivals jetzt rasch erfahren, was mit breitflächigen Tests im Sommer wieder möglich sein wird.

Der Bundesrat hat am Freitag beschlossen, die Teststrategie massiv auszuweiten. Er übernimmt die Kosten für sämtliche Corona-Tests. Sobald Selbsttests in ausreichender Qualität vorhanden sind, soll jede Schweizerin und jeder Schweizer fünf solcher Tests pro Monat gratis beziehen können. Das ermöglicht es, ohne Arzt, Apotheker oder Labor innerhalb von wenigen Minuten einigermassen zuverlässig festzustellen, ob jemand an Corona erkrankt ist.

Der Bundesrat will mit dieser Teststrategie die Öffnungsschritte begleiten. Auch bei Grossveranstaltern wird die Frage, welchen Einfluss breit verfügbare Selbsttests etwa auf die Durchführung von Festivals haben könnten, schon länger diskutiert. Veranstalter drängen jetzt darauf, endlich Antworten vom Bund zu bekommen.

«Mit angezogener Handbremse»

«Wir müssen wissen, unter welchen Rahmenbedingungen wir das Festival durchführen können und wann der Bundesrat diesbezüglich einen Entscheid fällt», sagt etwa Joachim Bodmer, Pressesprecher des Openair Frauenfeld. Auch Christoph Huber vom Openair St. Gallen sagt, die Testoffensive sei ein wichtiger Schritt in Richtung weiterer Öffnungen. Aber: «Wir brauchen weiterhin Antworten aus Bern, wie er die Situation betreffend Grossveranstaltungen im Sommer sieht.»

Wie dringend die Veranstalterinnen und -veranstalter einen Entscheid des Bundesrats brauchen, zeigt auch das Beispiel des Zürich Openair: «Wir sind mit angezogener Handbremse am Vorbereiten. Doch lange kann es so nicht weitergehen», sagt Michael Fasler. «Wir beziehen viel Material als Holland, wo es danach aussieht, dass Festivals diesen Sommer wieder möglich sein werden. Also drängen uns die Anbieter, die Verträge zu unterschreiben. Diese Verpflichtungen können und wollen wir noch nicht eingehen, solange wir nicht wissen, wie es im Sommer in der Schweiz aussehen wird.»

Teststrategie an Treffen traktandiert

Die Hoffnung ruht nun auf einem Treffen zwischen dem Branchenverband und den Bundesbehörden von nächster Woche: «Das Thema Teststrategie ist für dann traktandiert», sagt Stefan Breitenmoser vom Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter (SMPA). Mehr kann er derzeit noch nicht verraten.

Auch aus der Politik wird der Druck auf den Bundesrat grösser, Grossveranstaltungen wie Festivals diesen Sommer zu ermöglichen: «Ein Teil der zukünftigen Strategie muss ein kontrollierter, schrittweiser Weg zurück in Richtung Normalität sein. Das grossflächige Testen wird uns schnell sehr viele Informationen über die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung liefern», sagt FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt.

Zentral sei, dass die Bundesbehörden diese Erkenntnisse schnell in ihre Strategie einfliessen liessen: «Der Informationsgewinn muss mit den Branchenverbänden geteilt und es müssen, sofern es die epidemiologische Lage zulässt, klare Rahmenbedingungen für Grossveranstaltungen abgesteckt werden, damit die Veranstalter Planungssicherheit haben.»

Festivals im Ausland sollen teils stattfinden

Auch für den SVP-Nationalrat Mike Egger ist eine klare Strategie raus aus der Krise zentral – auch für grössere Veranstaltungen: «Gerade dort macht der Einsatz von Schnell- und Selbsttests Sinn. Sobald Selbsttests für alle zur Verfügung stehen, müssten eine lückenlose Öffnung der Wirtschaft und die Durchführung von Festivals und Events wieder möglich sein», sagt Egger.

In Grossbritannien kündigte Premier Boris Johnson an, alle Restriktionen Ende Juni aufzuheben. Grosse Festivals wie das Reading oder das Leeds Festival planen deshalb die Durchführung. Der Verband UK Music zeigte in einem Bericht auf, wie das gehen soll: Schnelltests an den Eingängen sollen dafür sorgen, dass nur negativ Getestete aufs Gelände gelangen. Der Verband verweist auf ein Pilotversuch in Barcelona, wo so tausend Personen ohne Masken feierten. Ansteckungen soll es dank des Testens keine gegeben haben.

Bund hat noch nicht entschieden

An der Pressekonferenz des Bundesrats vom Freitag wurde ebenfalls gefragt, was die grossflächigen Tests für die Kultur- und Veranstaltungsbranche bedeuten. Gemäss Gesundheitsminister Alain Berset ist das noch nicht klar. Der Bundesrat gehe etappenweise vor: Erst sei jetzt die Testoffensive beschlossen worden. In einem weiteren Schritt werde diskutiert, was das breit angelegte Testen für die Öffnung der Wirtschaft oder Veranstaltungen bedeuten könnte.

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