Vor dem Comeback: Rettet Tiger Woods den Golfsport?

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Vor dem ComebackRettet Tiger Woods den Golfsport?

Nach fast fünfmonatiger Absenz und Sexskandal greift Tiger Woods wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Die Golf-Fans freuts - und auch die Sponsoren und TV-Stationen. Schliesslich geht es um hunderte Millionen Dollar.

von
Monika Brand
Tiger Woods spielt während dem Training an seinem Handy herum. Da werden doch gleich böse Erinnerungen an seine Sex-SMS wach ...

Tiger Woods spielt während dem Training an seinem Handy herum. Da werden doch gleich böse Erinnerungen an seine Sex-SMS wach ...

Seit dem Masters in Kingston Mitte November hat Tiger Woods keinen Golf-Schläger mehr angerührt. Schlagzeilen gab es aber dennoch mehr, als es ihm lieb war: Sexskandal, Trennung und Wiederversöhnung von und mit Ehefrau Elin, Einlieferung in die Sexklinik - dies dominierte in den letzten Monaten das Leben des einstigen Saubermanns.

Schlagzeilen, die zwar Woods ohnehin schon hohen Bekanntheistgrad noch steigerten, dem Golfsport aber nicht gerade dienlich waren. Die TV-Einschaltquoten bei Turnieren sind mit der Absenz des 34-Jährigen um 40 Prozent eingebrochen. Das Interesse also nur noch gut halb so gross wie zuvor. Schlecht für die Turniere - und die Sponsoren. Die «New York Post» hatte unlängst ausgerechnet, dass ein Jahr ohne Woods auf der Tour bis zu 591 Millionen Dollar weniger Umsatz bringen könnte. Deshalb dürfte das Comeback des Amerikaners am Donnerstag beim US Masters nicht nur bei seinen Fans mit Wohlwollen aufgenommen werden. Nach Einschätzungen von US-TV-Sendern sollen die Einschaltquoten nämlich um rund 60 Prozent steigen - also noch höher als vor Woods Wettkampfpause.

Woods wie Obama

Die Rückkehr des «Tigers» verkommt zum Medienspektakel. «Das Comeback ist neben der Amtseinführung von Präsident Barack Obama das grösste Medienereignis der vergangenen fünfzehn Jahre», sagte denn auch Sean McManus, Sportchef des US-TV-Senders CBS, der sich die Rechte am US Masters mit ESPN teilt. Man könne das Interesse an Woods gar nicht überschätzen. «Seine Prominenz ist durch die Ereignisse der vergangenen Monate sogar eher noch gestiegen. Sein Comeback wird jeden interessieren.»

Freuen wird das mit Sicherheit Sporartikelhersteller Nike, der als einer der wenigen Sponsoren trotz Sexskandal zu Woods gehalten hat. Damit bei der Rückkehr medientechnisch auch alles glatt läuft, hat sich der Golfer die Dienste von Medienexperte und Ex-Sprecher des Weissen Hauses Ari Fleischer gesichert.

TV-Kommentatoren gefordert

Wieder auf den Golfsport konzentrieren wollen sich nun nebst Tiger Woods auch die TV-Stationen. «Ich denke nicht, dass wir alles bis ins Detail aufschlüsseln müssen», sagte ESPN-Vizepräsident Norby Williamson vor dem US Masters zur Nachrichtenagentur «AP». «Wenn wir den Anlass im Fernsehen zeigen, ist es unsere Pflicht, uns auf den Event zu konzentrieren - aber auch Kontext zu Tiger Woods bereitzustellen.»

Das sieht auch Fox-Sports-Präsident Ed Goren so. «Es wäre nicht ehrlich, zu sagen, dass es keine heikle Situation für einen Rechte-Inhaber ist», sagt er. «Allerdings muss man auch die Wünsche der Zuschauer berücksichtigen. Es ist ein Balance-Akt.» Man müsse deshalb zwischen Berichterstattung und Kommentar unterscheiden. «Wir sprechen nicht am Radio», so Goren weiter. «Radio ist kommentieren. Wenn wir über einen Anlass berichten, berichten wir grundsätzlich darüber, was gerade passiert. Und dort muss man die Balance finden.»

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