Missglückte Anschläge: Reuiges Kaida-Mitglied verriet Bombenplan
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Missglückte AnschlägeReuiges Kaida-Mitglied verriet Bombenplan

Nur mit viel Glück konnten die Paketbomben-Anschläge auf zwei Flugzeuge vereitelt werden. Der entscheidende Tipp kam offenbar von einem ehemaligen Guantánamo-Häftling.

von
pbl

Es handelt sich dabei um Dschaber al Faifi, berichtet die BBC mit Berufung auf britische Regierungskreise. Nach seiner Rückkehr aus Guantánamo soll er ein Wiedereingliederungs-Programm in Saudi-Arabien durchlaufen haben, ehe er sich der Al Kaida im Jemen anschloss. Vor zwei Wochen jedoch habe er sich den saudischen Behörden gestellt, erklärte Mansur al Turki, ein Sprecher der Innenministeriums, gemäss der Nachrichtenagentur AFP.

Laut BBC lieferte Dschaber al Faifi den entscheidenden Hinweis, dank dem die geplanten Anschläge mit Paketbomben in praktisch letzter Minute verhindert werden konnten. Amerikanische Regierungsbeamten erklärten gegenüber dem «Guardian», dass ein Verlust von Menschenleben nur «dank einigem Glück» habe verhindert werden können.

Saudischer Drahtzieher

Als Drahtzieher haben US-Geheimdienste den saudischen Extremisten Ibrahim Hassan al Asiri identifiziert. Er soll auch hinter dem fehlgeschlagenen Attentatsversuch auf ein Passagierflugzeug in Detroit im Dezember 2009 gesteckt haben. Gemeinsam mit dem in den USA geborenen Prediger Anwar al Awlaki und aus Saudi-Arabien stammenden ehemaligen Häftlingen des Lagers Guantánamo soll Asiri die Führung der Al Kaida im Jemen bilden.

Analysen deuteten darauf hin, dass Asiri alle drei Sprengsätze gebaut hat – die in der Unterhose des Weihnachtsbombers und die in den zwei am Freitag abgefangenen Paketen, hiess es. Die Geheimdienstler gehen davon aus, dass Asiri Unterricht im Bombenbau erhalten hatte. Die britische Innenministerin Theresa May sagte, die sichergestellten Bomben wären stark genug gewesen, um ein Flugzeug zum Absturz zu bringen.

Luftfracht besser kontrollieren

Die amerikanischen und britischen Behörden gehen inzwischen davon aus, dass die an zwei Synagogen in Chicago adressierten Bomben bereits in der Luft explodieren sollten. Dies erklärte John Brennan, der oberste Antiterror-Berater von US-Präsident Barack Obama, am Sonntag in mehreren Fernsehauftritten. Die beiden Bomben mit 300 beziehungsweise 400 Gramm geruchslosem Sprengstoff PETN waren in handelsüblichen HP-Laserjet-Druckern versteckt und mit einem ausgeklügelten Zündmechanismus versehen. Sie seien «sehr raffiniert» konstruiert gewesen, meinte Brennan. Sie hätten mit Röntgenstrahlen oder Spürhunden nicht entdeckt werden können, teilten die Behörden des Emirats Katar mit.

Eine der beiden Paketbomben war von zwei Passagierflugzeugen der Gesellschaft Qatar Airways transportiert worden. Inzwischen wächst die Kritik an der mangelhaften Sicherheit im Luftfrachtverkehr, einem Rückgrat der Weltwirtschaft. So wird laut «New York Times» nur 65 Prozent der Luftfracht kontrolliert, die mit Passagierflugzeugen in die USA transportiert wird. Bei Frachtflugzeugen ist es noch weit weniger, da man bislang davon ausging, dass Terroristen es primär auf Menschenleben und damit auf Passagierflüge abgesehen haben.

Die Frachtindustrie und die Wirtschaft müssten «die Realität akzeptieren», forderte der demokratische Abgeordnete Ed Markey aus Massachusetts in einer Mitteilung. Frachtflugzeuge müssten besser gesichert werden, «damit sie nicht als Liefersystem für Bomben verwendet werden, die gegen unser Land gerichtet sind». (pbl/dapd)

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