Syrischer Aufstand: Revolution wird zum Kampf aller gegen alle
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Syrischer AufstandRevolution wird zum Kampf aller gegen alle

Der syrische Bürgerkrieg droht immer unübersichtlicher zu werden. Allein in den letzten 48 Stunden sollen bei Attentaten und Kämpfen über 350 Menschen getötet worden sein.

Während die Opposition um Einheit ringt, fallen an der Front in Syrien die letzten Hemmschwellen. An einem Kontrollpunkt der Regierungstruppen in der Provinz Hama riss ein Selbstmordattentäter am Montag nach Angaben von Aktivisten 50 Soldaten mit in den Tod.

Laut Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zündete der Selbstmordattentäter in einem Dorf im Bezirk Sahel al-Ghab eine Autobombe. Er soll der islamistischen Al- Nusra-Front angehört haben.

In einem von Alawiten bewohnten Armenviertel der Hauptstadt Damaskus detonierte eine weitere Autobombe. Bei dem Anschlag starben nach inoffiziellen Angaben fünf Menschen. 30 Menschen wurden verletzt.

Präsident Baschar al-Assad und zahlreiche Führungskräfte des Sicherheitsapparats gehören der Minderheit der alawitischen Muslime an. Die Mehrheit der Syrer sind Sunniten.

Die syrische Armee griff nach Darstellung der Regierungsgegner Stellungen der Aufständischen in der Provinz Idlib und der Hauptstadt Damaskus an. Bei dem Artilleriebeschuss und den Luftangriffen wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens 30 Menschen getötet.

Opposition ringt um einheitliche Führung

Die zersplitterte und zerstrittene Opposition bemühte sich in Katar weiter um die Bildung einer einheitlichen Führung. Diese soll sich mit den bewaffneten Rebellen vor Ort zusammenschliessen und Ansprechpartner ausländischer Regierungen sein.

Die wichtigste syrische Oppositionsgruppe, der Syrische Nationalrat (SNC), erweiterte am zweiten Tag des Gipfeltreffens das Oppositionsbündnis. Die Zahl der Delegierten wurde auf rund 420 nahezu verdoppelt. So können weitere Aktivisten und politische Gruppen in den Nationalrat aufgenommen werden.

Bislang bestand der SNC hauptsächlich aus Exil-Syrern und Akademikern. Kritiker warfen der Oppositionsgruppe daher vor, unzureichenden Kontakt zu jenen Syrern zu haben, die ihr Leben im Kampf gegen die Regierung von Präsident Assad riskierten.

Wenn bei dem Treffen in Doha alles nach Plan läuft, soll am kommenden Donnerstag ein neues Gremium von 50 Oppositionellen gebildet werden. Später soll daraus eine Übergangsregierung hervorgehen.

Kritik aus Russland

Gegen diese Pläne, die von der US-Regierung und vom Gastgeberland Katar unterstützt werden, sprach sich in Kairo der russische Aussenminister Sergej Lawrow aus. Er sagte, es sei falsch eine Opposition zu fördern, die nicht bereit sei, einen Dialog mit der syrischen Führung unter Präsident Assad zu führen.

An Einigkeit mangelt es allerdings nicht nur der Opposition, sondern auch den Kämpfern der Revolutionsbrigaden. Ein Regimegegner bestätigte am Montag Berichte über eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen zwei Rebelleneinheiten am syrisch- türkischen Grenzübergang Bab al-Salam. Dabei war am Sonntag ein Kämpfer einer Islamisten-Brigade getötet worden.

Insgesamt kamen in Syrien am Montag laut Aktivisten mehr als 140 Menschen ums Leben. Am Sonntag waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 220 Menschen getötet worden, darunter 62 Angehörige der Regierungstruppen.

Brahimi wirbt für Resolution

Der internationale Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi rief am Sonntag die Weltmächte auf, sich im UNO-Sicherheitsrat auf eine Resolution zu einigen. Grundlage dafür solle die Ende Juni getroffene Genfer Erklärung zum politischen Übergang in Syrien sein.

Erst durch eine Resolution würde die Erklärung zum politischen Projekt, sagte Brahimi in Kairo. In der Erklärung hatten die UNO-Vetomächte die Bildung einer Übergangsregierung der nationalen Einheit gefordert. Offen blieb aber, welche Rolle Präsident Assad in Zukunft spielen soll.

(sda)

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