Aktualisiert 04.05.2006 20:07

Rey-Bellet: Stadler setzte sich Kopfschuss mit Militärpistole

Gerold Stadler hat sich mit seiner Ordonanzwaffe, einer 9-Millimeter SIG P220, erschossen. Stadler war schon 36 Stunden tot, als er gefunden wurde. Wer gestern die vier Schüsse abgegeben hat, die den Grosseinsatz der Polizei ausgelöst haben, bleibt weiter unklar.

Die Einwirkung Dritter könne ausgeschlossen werden, sagte der Sprecher der Kantonspolizei Waadt, Jean-Christophe Sauterel, vor den Medien in Lausanne. Der Ehemann von Corinne Rey-Bellet habe sich mit seiner Ordonnanzpistole, einer 9-Millimeter SIG P220, eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen. Er sei sofort tot gewesen.

Im Magazin der neben dem Toten gefundenen Pistole seien noch acht Kugeln gewesen, eine weitere bereits im Lauf. Auch habe man eine Hülse gefunden. Ballistiker würden nun untersuchen, ob es sich um dieselbe Waffe handelt, mit der Corinne und Alain Rey-Bellet am Sonntagabend erschossen und deren Mutter angeschossen wurden. Letztere schwebt immer noch in Lebensgefahr.

Suizid vor Dienstagmittag

Die ersten Erkenntnisse der Gerichtsmediziner zeigten, dass der Tod mindestens 36 Stunden vor dem Auffinden der Leiche eingetreten sei. Stadler sei also mindestens seit Dienstagmittag tot. Genaueres werde man nach weiteren Untersuchungen wissen. Gefunden wurde die Leiche von einem Spaziergänger am Mittwochabend um 20.15 Uhr.

Der Fundort ist eine Waldlichtung oberhalb von Ollon VD. Sie liegt 700 Meter vom Weiler Huémoz entfernt, wo am frühen Morgen nach dem Drama bei den Rey-Bellets Stadlers Auto gefunden worden war.

Damit ist ausgeschlossen, dass Stadler etwas mit den Schüssen zu tun hat, die am Mittwochnachmittag die Medien und die Polizei in Aufregung versetzt hatten. Anwohner und auch ein Dorfpolizist hatten am Mittwoch um 15.10 Uhr im Weiler Panex VD vier Schüsse gehört.

Schüsse unbekannter Herkunft

Da Panex nur vier Kilometer Luftdistanz von Huémoz entfernt liegt, war ein Zusammenhang vermutet worden. Wer diese Schüsse abgegeben hat, sei nach wie vor unbekannt. Dazu laufe eine separate Untersuchung, sagte Sauterel.

Offen bleibt für die Polizei vorderhand auch die Frage, was der Banker aus dem st. gallischen Abtwil zwischen Sonntagabend und dem Suizid gemacht hat. Die Fahnder gehen davon aus, dass Stadler einige Zeit umhergeirrt ist, bevor er sich selbst richtete.

Erleichterung im Unterwallis

In Val d'Illiez VS und Les Crosets VS, wo die Familie Rey-Bellet wohnt, wurde das Auffinden der Leiche von Gerold Stadler mit Erleichterung aufgenommen. Die Angehörigen und die Polizei hatten befürchtet, Stadler könnte bei der Trauerfeier zu einer Gefahr für seinen zweieinhalbjährigen Sohn sowie seinen Schwiegervater werden.

«Jetzt können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, auf Corinne und Alain, und müssen nicht mehr an Stadler denken» sagte Gemeindepräsident Philippe Es-Borrat, ein Cousin der Abfahrts-Vize- Weltmeisterin.

Seit Mittwoch sind die beiden Toten in der Dorfkirche von Val d'Illiez aufgebahrt. Dort wird am Freitag um 15.30 Uhr auch die Abdankung stattfinden. Vor der Kirche wird die Predigt mit Lautsprechern übertragen, um allen Trauernden die Teilnahme zu ermöglichen.

Einschränkungen für Medien

Da die Familie Rey-Bellet einen grossen Medienrummel befürchtet, hat sie zur Feier in der Kirche nur das Westschweizer Fernsehen und die Fotoagentur Keystone zugelassen. Beide werden den anderen Medien Bilder zur Verfügung stellen.

(sda)

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