Aktualisiert 12.12.2006 11:40

Rhäzüns: Vergewaltiger ins Heim gesteckt

Der Schulrat der Bündner Gemeinde Rhäzüns hat die beiden Schüler, die ein fünfjähriges Mädchen vergewaltigt hatten, verurteilt. Die 11- und 13-Jahre alten Täter haben alles gestanden.

Die Buben wurden der sexuellen Handlung mit Kindern sowie der Schändung schuldig gesprochen, wie der Schulrat der Gemeinde als Gerichtsinstanz und die Staatsanwaltschaft Graubünden, welche die Untersuchung geführt hatte, am Dienstag mitteilten. Der 13-Jährige wurde in ein Jugendheim eingewiesen, beim 11-Jährigen wurde eine Erziehungshilfe verfügt. Beide Täter müssen zudem in eine Therapie.

Der jüngere Primarschüler befinde sich in einem geeigneten Schulinternat, hiess es weiter. Beide Täter wurden von der Schule der 1300-Seelen-Gemeinde verbannt. Der Schulrat hat die nicht befristeten Massnahmen teilweise bereits Anfang Schuljahr 2006/07 angeordnet.

Therapie für das Opfer

Der fünfjährigen Schülerin, die vor den Sommerferien neben einem Parkplatz beim Rhäzünser Bahnhof sexuell schwer missbraucht worden ist, wird mit den Möglichkeiten des Opferhilfegesetzes sowie mit theratpeutischen Massnahmen geholfen.

Im Oktober wurde ein ähnlicher Fall in der Bündner Gemeinde Felsberg publik. Drei Buben im Alter von 12 und 13 Jahren hatten im Februar 2005 eine zwölfjährige Klassenkameradin vergewaltigt. Noch immer ein Thema sind die Missbrauchsfälle von Steffisburg in Kanton Bern sowie jene in Zürich- Seebach. In diesen Fällen sind noch keine Urteile ergangen.

Die am Dienstag veröffentlichten Entscheide aus dem Graubünden stützen sich auf die Untersuchungen und Empfehlungen der Jugendanwaltschaft Graubünden sowie auf Gutachten des kantonalen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes. Die Jugendanwaltschaft hatte die Untersuchungen auf Ersuchen des zuständigen Schulrates von Rhäzüns geführt.

Eltern informierten Öffentlichkeit

Ab Anfang nächsten Jahres tritt in Graubünden eine vom Kantonsparlament beschlossene Änderung der kantonalen Strafprozessordnung in Kraft. Straftaten von Jugendlichen werden direkt von der Jugendanwaltschaft untersucht und den Jugendgerichten geahndet.

Der Vergewaltigungsfall von Rhäzüns hatte Ende August landesweit für Aufsehen gesorgt, nachdem die Eltern des Opfers an die Öffentlichkeit getreten waren. Er stand am Anfang einer Reihe bekannt gewordener Fälle von sexuellen Missbräuchen, in die Minderjährige verwickelt waren. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.