Rice erneut im Libanon
Aktualisiert

Rice erneut im Libanon

Die USA haben ihre diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Gewalt im Nahen Osten verstärkt. Aussenministerin Condoleezza Rice traf am Samstag in Jerusalem ein, um mit Vertretern Israels und Libanons zu sprechen.

Die USA und Grossbritannien hatten sich für eine rasche Entsendung multinationaler Truppen ausgesprochen. Bereits Anfang kommender Woche solle ein entsprechender Resolutionsentwurf mit dem Ziel einer Beendigung der Gewalt zwischen Israel und der Hisbollah in den UNO-Sicherheitsrat eingebracht werden, teilten Bush und der britische Premierminister Tony Blair in Washington mit.

Für Montag hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan eine Zusammenkunft potenzieller Teilnehmerländer für eine internationale Sicherheitstruppe anberaumt. Annan räumte am Freitagabend ein, dass die Gespräche nur grundsätzlichen Charakter hätten.

Die israelische Luftwaffe flog am Samstag neue Angriffe auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut. Insgesamt seien mehr als 70 Angriffe auf Ziele im Libanon geflogen worden, teilte die Armee am Mittag mit.

Nach israelischen Berichten wurden mehr als 20 Hisbollah-Kämpfer getötet. Libanesischen Sanitätern zufolge starben eine Frau und sechs Kinder. Die schiitische Hisbollah-Miliz feuerte am Samstag mindestens 16 Raketen auf israelisches Territorium.

Rückzug aus Bint Dschbeil

Die israelische Armee begann am Samstag ihren Rückzug aus der seit Tagen umkämpften Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil. Der Einsatz sei jedoch nicht beendet, betonte ein Militärvertreter in Tel Aviv.

Bei den Kämpfen hatte die Armee die bisher höchsten Verluste erlitten. Israelische Regierungspolitiker hatten danach gefordert, die Luftwaffe solle Hisbollah-Dörfer zunächst sturmreif schiessen, bevor Bodentruppen zum Einsatz kommen.

Israel: Korridore eingerichtet

Die israelische Regierung lehnte eine dreitägige Feuerpause umgehend ab, welche die UNO für humanitäre Hilfe gefordert hatte. Die Hisbollah-Miliz würde eine Kampfpause nutzen, um ihre Vorräte an Waffen und Munition zu erneuern, sagte ein Regierungssprecher.

Eine dreitägige humanitäre Kampfpause sei dringend notwendig, um Verwundete, Kinder und alte Menschen aus den umkämpften Gebieten zu holen, hatte dagegen UNO-Nothilfekoordinator Jan Egeland am Freitag vor dem Sicherheitsrat in New York erklärt. Darüber hinaus müssten Spitäler mit neuen Medikamenten und anderen Vorräten ausgestattet werden.

Weitere Hilfslieferungen

Unterdessen trafen drei Flugzeuge aus Jordanien, Ägypten und den Vereinten Arabischen Emiraten mit Lebensmitteln und Medikamenten in Beirut ein. Die Emirate lieferten 40 Tonnen humanitäre Hilfsgüter, Ägypten 14 Tonnen, wie die libanesischen Behörden mitteilten. Jordanien schickte seit Anfang der Woche bereits vier Flugzeuge mit Hilfsgütern für die libanesischen Flüchtlinge.

Am Samstag trafen erstmals auch Hilfslieferungen aus den USA über den Seeweg in Libanon ein.

Am Wochenende gab es in mehreren Ländern - darunter auch der Schweiz - wieder Proteste gegen die israelischen Angriffe. In Australien wurde Ministerpräsident John Howard wurde am Rande einer Kundgebung attackiert.

(sda)

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