Eishockey-Nati: Richard hätte ins Olympia-Team gehört
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Eishockey-NatiRichard hätte ins Olympia-Team gehört

Das Olympia-Aufgebot von Nati-Coach Patrick Fischer beinhaltet einige Überraschungen. Die grösste ist die Nicht-Nomination von Tanner Richard.

von
Marcel Allemann

Nach dem Spengler-Cup übte sich 20 Minuten im Kaffesatz-Lesen und nannte 25 Spielernamen, die es ins Olympia-Aufgebot schaffen werden. Im Vergleich zum effektiven Aufgebot von Patrick Fischer lagen wir lediglich bei drei Personalien falsch. Félicien Du Bois statt Joël Genazzi, Enzo Corvi statt Tanner Richard und Joël Vermin statt Chris Baltisberger.

So schlecht ist das ja nicht. Aber trotzdem sind wir überrascht. Nicht wegen Baltisberger, der zurzeit nicht mehr so gut spielt wie noch im Herbst. Aber durchaus wegen Genazzi. Der Lausanne-Spieler ist der produktivste Verteidiger in der National League – Ausländer inklusive. Und im Frühling hat er eine überragende erste WM gespielt.

Corvi und Almond statt Richard – das ist mutig

Der eigentliche Knaller ist aber die Nicht-Nomination von Richard. Einem valablen, körperlich starken und torgefährlichen Center, der zudem zu den besten Bullyspielern der Liga gehört. Alles Tugenden, die auf dem internationalen Parkett eigentlich gefragt sind – und in Fischers Olympia-Kader hat einzig Berns Gaëtan Haas in dieser Saison mehr Skorerpunkte produziert als der Stürmer von Servette. Richard hätte ins Olympia-Team gehört.

Statt auf Richard setzt Fischer auf Center wie Corvi, der zwar ein absolut überragender Spieler ist und viele Überraschungsmomente erzeugen kann, aber im Gegensatz zu Richard noch kein einziges richtig überzeugendes Länderspiel gezeigt hat. Und auf Cody Almond, der nach seiner langen Verletzungspause bislang in der Liga noch keine Akzente setzen konnte. Das ist mutig.

Kein Freundschaftsdienst an Brunner

Wir sind nur die Betrachter von aussen. In der Kabine, an den Teammeetings, im Speisesaal – da sind wir nicht dabei. Im Gegensatz zu Patrick Fischer und seinem Coachingstaff. Und vielleicht gibt es da etwas Wichtiges, das wir nicht wissen. Eigentlich können wir Fischer ja vertrauen. Einen Trainer, der sein Team – allein schon wegen seines jungen Alters – so gut spüren konnte, hatten wir seit Ralph Krueger nicht mehr.

Und wir wissen nun auch, dass es unter Fischer keine Freundschaftsdienste gibt. Zur Erklärung: Fischer und Damien Brunner sind Kumpels. Zu einem Olympia-Ticket verhalf dies dem verletzungsanfällig gewordenen ehemaligen NHL-Stürmer und Ligatopskorer jedoch auch nicht. Und das ist gut so. Unabhängig davon, ob Brunner der Nati in Pyeongchang hätte helfen können oder nicht.

Gespannt darf man auch sein, wie die Nati in der postolympischen Zeit aussehen wird. Bislang gelang es Fischer auf sensationelle Weise, selbst Absagen gegenüber den Spielern derart gut zu verkaufen, dass diese sich am Schluss dafür fast noch bei ihm bedankten.

Doch hat ein Routinier wie Brunner nun überhaupt noch Lust, eine WM zu spielen, wenn es ihn nochmals brauchen würde? Und wie reagieren die anderen nun schwer Enttäuschten wie Richard oder Genazzi, aber auch Grégory Hofmann oder Luca Cunti inskünftig auf unseren Nationalcoach?

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