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Kreisgericht St. Gallen«Bitte schafft mich aus» – Richter erfüllt Schläger seinen Wunsch

In St. Gallen stand vor einer Woche ein Mann (24) vor Gericht. Er hatte bei einem Streit vier Männer verprügelt. Bei einer späteren Schlägerei verletzte er zudem einen Mann schwer. Das Kreisgericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe und einem Landesverweis.

von
Seline Bietenhard
Jeremias Büchel
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Ein 24-Jähriger hatte 2019 mit einem Kollegen bei der Brühltor-Passage in St. Gallen eine Polterabendgruppe verprügelt.

Ein 24-Jähriger hatte 2019 mit einem Kollegen bei der Brühltor-Passage in St. Gallen eine Polterabendgruppe verprügelt.

20min/Seline Bietenhard
Zudem hatte er 2021 einen Mann bei einer weiteren Auseinandersetzung schwer verletzt.

Zudem hatte er 2021 einen Mann bei einer weiteren Auseinandersetzung schwer verletzt.

20min/leo
Das Kreisgericht sprach den Kosovaren schuldig. 

Das Kreisgericht sprach den Kosovaren schuldig. 

20min/Leo Butie

Darum gehts

  • Letzte Woche stand in St. Gallen ein 24-Jähriger vor Gericht.

  • Er hatte 2019 vier Männer verprügelt und bei einer weiteren Schlägerei 2021 einen Mann schwer verletzt.

  • Das Gericht verurteilte den Kosovaren nun zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren sowie einem Landesverweis von 15 Jahren. 

  • Zudem muss er Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen sowie Verfahrenskosten im sechsstelligen Bereich tragen. 

Vor einer Woche stand ein 24-jähriger Kosovare vor dem Kreisgericht St. Gallen. Er hatte bei einer Auseinandersetzung mit einem Kollegen zusammen am Brühltor in St. Gallen eine Polterabendgruppe verprügelt. Bei einer späteren Schlägerei hat er zudem einen Mann schwer verletzt. Alles zur Gerichtsverhandlung können Sie hier nachlesen.

Der Verteidiger forderte für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 37 Monaten sowie eine Busse von 400 Franken. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten, eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30 Franken, eine Busse von 400 Franken sowie einen Landesverweis von 15 Jahren. Der Beschuldigte bat beim Prozess den Richter darum, ihn des Landes zu verweisen, damit er im Kosovo einen Neuanfang starten könne. 

Keine stationäre Massnahme

Diesen Wunsch erfüllt ihm nun das Gericht. Kürzlich wurde der Entscheid des Gerichts schriftlich eröffnet. Der 24-Jährige wird wegen schwerer Körperverletzung, der mehrfach versuchten schweren Körperverletzung, des Angriffs, Tätlichkeiten und diverser weiterer Delikte schuldig gesprochen. Der Kosovare muss für sieben Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Danach wird er für 15 Jahre des Landes verwiesen und im Schengener Informationssystem (SIS) ausgeschrieben. Eine stationäre Massnahme, wie ursprünglich in der Anklageschrift von der Staatsanwaltschaft gefordert, wird nicht angeordnet. 

Der 24-Jährige muss zudem Schadenersatz und Genugtuung an eine Versicherung sowie gewisse Opfer in der Höhe von über 49’000 Franken bezahlen. Zudem werden ihm die Verfahrenskosten von fast 80’000 Franken auferlegt. Weitere Genugtuungs- und Schadenersatzzahlungen wurden auf den Zivilweg verwiesen. 

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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