30.11.2017 19:34

Tesla-Fahrer vor Gericht

Richter lässt Autopilot-Ausrede nicht gelten

Ein Autofahrer ist im März 2016 mit seinem Tesla auf der Autobahn in ein stehendes Fahrzeug gekracht. Er gibt dem Autopiloten die Schuld. Der Richter sieht das anders.

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vro/sda
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Auch Fahrer von automatisierten Autos müssen die Hände am Steuer und die Aufmerksamkeit auf die Strasse gerichtet haben. Das musste nun ein Tesla-Fahrer lernen, der sich gegen einen Strafbefehl wehrte. Er war 2016 mit einem Anhänger kollidiert und gibt dem Autopiloten die Schuld. Das Strassenverkehrsgesetz ist jedoch eindeutig.

Auch Fahrer von automatisierten Autos müssen die Hände am Steuer und die Aufmerksamkeit auf die Strasse gerichtet haben. Das musste nun ein Tesla-Fahrer lernen, der sich gegen einen Strafbefehl wehrte. Er war 2016 mit einem Anhänger kollidiert und gibt dem Autopiloten die Schuld. Das Strassenverkehrsgesetz ist jedoch eindeutig.

Keystone/Gaetan Bally
Es ist nicht der einzige Unfall mit einem solchen Fahrzeug. Zwei Monate später kam es zu einem Zusammenstoss zwischen einem Tesla und einem Lieferwagen auf der Autobahn bei Winterthur.

Es ist nicht der einzige Unfall mit einem solchen Fahrzeug. Zwei Monate später kam es zu einem Zusammenstoss zwischen einem Tesla und einem Lieferwagen auf der Autobahn bei Winterthur.

Screenshot Youtube
Das Fahrzeug war glücklicherweise nicht schnell unterwegs, weshalb der Unfall glimpflich ausging.

Das Fahrzeug war glücklicherweise nicht schnell unterwegs, weshalb der Unfall glimpflich ausging.

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Vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau in Burgdorf BE stand am Donnerstag ein Freiburger Autofahrer, der sich gegen einen Strafbefehl wehrte. Er war im Juli 2016 wegen einfacher und grober Verkehrsregelverletzung zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden, weil er im März zuvor auf der A1 bei Kernenried einen Autounfall hatte: Sein Tesla war mit einem Anhänger eines Werkhoffahrzeugs zusammengeprallt, mit dem auf dem Überholstreifen Arbeiten ausgeführt wurden, wie die Kantonspolizei Bern damals schrieb.

Der Fahrer hatte dem Autopiloten vertraut und während der Fahrt eine Whatsapp-Nachricht verschickt. Die Warnschilder, die die Sperrung der linken Spur ankündigten, sah er offenbar nicht: Die aufgezeichneten Daten zeigten kurz vor dem Unfall keine Reaktion des Fahrers.

Richter bestätigt Urteil

Dieser gibt allerdings dem Autopiloten die Schuld. Den Strafbefehl focht er deshalb an. Er beharrte darauf, dass jeder andere Autofahrer in dieser Situation ebenfalls einen Unfall gebaut hätte. Wegen eines vorausfahrenden Autos habe er die Baustelle nicht gesehen. Weil viel Verkehr geherrscht habe, habe er nicht früher auf die andere Spur wechseln können. Er sei deshalb lediglich wegen der Handynutzung am Steuer mit einer Busse, nicht aber mit einer bedingten Geldstrafe zu büssen, fand seine Anwältin.

Der Richter sah das anders: Er bestätigte den Schuldspruch mit der Begründung, dass der Fahrer eines Tesla trotz der technischen Hilfsmittel immer noch Herrscher über das Fahrzeug sein müsse. Der Beschuldigte sei vor dem Unfall unaufmerksam gewesen, eine andere Erklärung für den Zusammenstoss gebe es nicht.

Komplett autonomes Fahren ist noch nicht erlaubt

Das Strassenverkehrsgesetz ist eindeutig: «Der Führer muss das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann», heisst es darin. Verkehrspsychologe Patrick Müller warnte bereits 2016 davor, das Tesla-Assistenzsystem als Fahrerersatz zu betrachten. «Es sind immer noch nur Assistenten», sagt Müller.

Beim Astra will man den Gerichtsfall selbst nicht kommentieren. Sprecher Guido Bielmann weist jedoch darauf hin, dass das Strassenverkehrsgesetz heute nach wie vor so gilt. «Die Hände müssen jederzeit am Steuerrad sein und die Aufmerksamkeit muss auf die Strasse gerichtet sein.» Gänzlich autonomes Fahren sei in der Schweiz noch nicht erlaubt.

«Die Zukunft kommt»

Das Astra verfolge und befürworte die Entwicklung der automatisierten Technologie, sagt Bielmann. So würden auch die autonomen Shuttlebusse, wie sie etwa in Sitten getestet werden, vom Astra bewilligt. Auch in diesem Fall muss eine Person im Fahrzeug sein, die allenfalls eingreifen kann. Doch im Gegensatz zu automatisierten Fahrzeugen fährt ein Shuttlebus immer auf einer vorgegebenen Route und ist mit lediglich rund zehn Stundenkilometern unterwegs.

Für alle Fahrzeuge gilt deshalb noch das gängige Strassenverkehrsgesetz – und zwar so lange, «bis die Technologie ausgereift ist», sagt Bielmann. Erst dann könne auch das Gesetz entsprechend angepasst werden. Das Astra arbeite aber bereits jetzt an einer Evaluation. «Die Zukunft kommt», sagt Bielmann. Wie sie aussehen wird und ab wann Fahrzeuge tatsächlich autonom fahren können, ist noch unklar.

Nicht der einzige Unfall mit einem Tesla

Bis dahin müssen auch Tesla-Fahrer genau auf den Verkehr achten. Denn der aktuelle Fall ist nicht der einzige, bei dem ein automatisiertes Auto verunfallte. Wenige Monate nach dem Vorfall in Kernenried prallte ein Tesla auf der Autobahn bei Winterthur in einen stehenden Lieferwagen. Der Unfall wurde aufgezeichnet und ging glücklicherweise glimpflich aus. Auch in diesem Fall gab der Fahrer dem System die Schuld.

Das Video des Unfalls in Winterthur:

Quelle: Youtube

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