Affäre Polanski: Richter lehnen Polanskis Antrag ab
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Affäre PolanskiRichter lehnen Polanskis Antrag ab

Starregisseur Roman Polanski ist vor kalifornischen Berufungsrichtern in Abwesenheit abgeblitzt. Er wollte seine Auslieferung aus der Schweiz in die USA vermeiden.

Starregisseur Roman Polanski ist am Donnerstag vor einem kalifornischen Berufungsgericht mit dem Antrag auf eine Verurteilung in Abwesenheit gescheitert. Auch der Antrag seines damaligen Opfers auf Einstellung des Verfahrens wurde abgewiesen.

Polankis Anwälte hatten Berufung gegen einen Richterspruch vom Januar eingelegt, wonach der flüchtige Regisseur persönlich bei der US-Justiz vortraben muss. Sie machten geltend, das kalifornische Recht erlaube es ihrem Mandanten, dass er verurteilt werde, ohne persönlich nach Los Angeles zurückkehren zu müssen.

Der 76-Jährige wollte auf diese Weise einer Abschiebung aus der Schweiz entgehen. Doch der Richter wies den Antrag mit Rücksicht auf die Integrität des Justizsystems ab. Der stellvertretende Staatsanwalt argumentierte, der Angeklagte sei ein Flüchtling und es dürfe nicht sein, dass er dem Gericht die Bedingungen des Verfahrens diktiere.

Urteil bestätigt

Das Berufungsgericht bestätigte nun dieses Urteil. Polanski habe nicht aufzeigen können, dass es nicht im Ermessen des vorherigen Richters gelegen habe, den Antrag auf ein Urteil in Abwesenheit abzulehnen.

Ob Polanskis Anwälte den Fall an die nächsthöhere Instanz weiterziehen wollen, wurde nicht bekannt. Eine Sprecherin der Anwälte wollte keine Stellung dazu nehmen. Nach Einschätzung der kalifornischen Rechtsprofessorin Laurie Levenson wären die Chancen auf Erfolg jedoch sehr gering.

Lage neu beurteilen

Die Schweizer Behörden hatten im Februar angekündigt, nach dem Berufungsurteil die Lage neu zu beurteilen. Auch in der Schweiz könnte Polanski nach einem Auslieferungsentscheid des Bundesamts für Justiz rekurrieren - vor Bundesstrafgericht und dann vor Bundesgericht.

Der polnisch-französische Regisseur war am 26. September 2009 aufgrund eines US-Haftbefehls bei der Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Gegen Bezahlung einer Kaution und unter Einhaltung weiterer Auflagen wurde er Anfang Dezember mit einer Fussfessel versehen in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest gestellt.

Auch Opfer-Antrag abgewiesen

Der Oscar-Preisträger ist in den USA angeklagt, 1977 ein 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Polanski hatte damals ein Schuldbekenntnis abgelegt und sass 42 Tage in Haft, entzog sich 1978 aber der Fortsetzung des Verfahrens, indem er ins Ausland floh.

Die US-Staatsanwaltschaft besteht seither auf einer Auslieferung. Polanskis damaliges Opfer, Samantha Geimer, will nicht mehr gegen den Regisseur vorgehen. Doch auch ihr Antrag auf Einstellung des Verfahrens wurde am Donnerstag von dem kalifornischen Berufungsbericht abgelehnt.

Geimer sehe sich längst als Justizopfer, da ihr Fall gegen ihren Willen weiter verfolgt werde, schrieb ihr Anwalt Lawrence Silver im März an das Gericht. «Gerechtigkeit ist nicht aus diesem Stoff gemacht.»

Erst sei sie von Polanski zum Opfer gemacht worden, nun vom Justizsystem. Das Gericht antwortete darauf: Geimer sei nicht berechtigt, das Ergebnis eines Strafverfahrens zu diktieren.

(sda)

Bern wartet weitere Informationen aus den USA ab

Die Auslieferung Polanskis an die USA wird immer wahrscheinlicher. Vor einem Entscheid will Bern aber weitere Informationen seitens des US-amerikanischen Justizministeriums abwarten.

Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz, kann noch keinen Zeitplan nennen. «Bevor wir handeln können, brauchen wir weitere Informationen», sagte Galli am Freitag auf Anfrage.

Er erinnerte daran, dass Polanski einen Auslieferungsentscheid innert 30 Tagen beim Bundesstrafgericht in Bellinzona anfechten könnte. Dessen Entscheid könnte er anschliessend ans Bundesgericht weiterziehen - allerdings ohne grosse Erfolgsaussichten.

Auf Beschwerden gegen Auslieferungsbegehren trete das Bundesgericht in der Regel nämlich nicht ein, ausser bei den gesetzlich festgelegten Ausnahmen, sagte Galli. Ein kalifornisches Berufungsgericht hat am Donnerstag den Antrag des polnischen Regisseurs auf ein Verfahren in Abwesenheit abgelehnt. (sda)

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