Schwyz: Richter verurteilt Ku-Klux-Klan-Fasnächtler zu Busse
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SchwyzRichter verurteilt Ku-Klux-Klan-Fasnächtler zu Busse

Ein Auftritt in Ku-Klux-Klan-Kutten an der Fasnacht in Schwyz hat aus strafrechtlicher Sicht gegen Sitten und Anstand verstossen. Ein Richter in Schwyz verurteilte deshalb einen 22-Jährigen wegen vorsätzlicher grober Belästigung zu einer Busse von 300 Franken.

von
Martin Messmer

Ein Video zeigt, wie eine Gruppe in KKK-Kutten im Frühling 2019 durch Schwyz marschiert. Damals wurde abgeklärt, ob es sich um Neonazis handeln könnte. (Archiv-Video 20 Minuten / Leser-Reporter)

Darum gehts

  • Im März 2019 zogen 12 Männer in Ku-Klux-Klan-Kutten an der Fasnacht durch Schwyz.

  • Dies sorgte für Empörung.

  • Nun wurde ein junger Mann erneut zu einer Busse verurteilt.

  • Vor Gericht sagte er, er habe nicht genau gewusst, was der KKK sei. Er habe geglaubt, das sei «irgendeine nicht ernst zu nehmende Sekte, die jammert».

Brennende Fackeln, weisse Kutten mit der Aufschrift «KKK» und einem Feuerkreuz sowie eine Flagge mit einem Keltenkreuz: Ein Video eines Leser-Reporters zeigte, wie die als Ku-Klux-Klan-Mitglieder verkleideten Fasnächtler im März 2019 durch Schwyz marschieren.

Dafür hatte sich am Dienstag nun ein 22-jährige Innerschwyzer vor dem Einzelrichter des Bezirks Schwyz zu verantworten. Er war einer von zwölf Personen, die mit den KKK-Kutten unterwegs waren.

Die jungen Männer wurden von der Staatsanwaltschaft Innerschwyz bereits für ihren Auftritt wegen grober Belästigung per Strafbefehl je zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Vier akzeptierten den Entscheid, sieben fochten den Strafbefehl wegen der Auferlegung der Verfahrenskosten an. Nur der 22-Jährige zog den Strafbefehl weiter, weshalb er vor dem Einzelrichter stand. Dies berichtet der Bote der Urschweiz am Mittwoch.

Er fand das KKK-Kleid «noch irgendwie lustig»

Im Artikel heisst es, der 22-Jährige habe nicht genau gewusst, was der KKK sei, als er und seine Kollegen beschlossen hätten, in diesen Kostümen an die Fasnacht zu gehen. «Irgendeine nicht ernst zu nehmende Sekte, die etwas herumjammert und gegen Reiche ist, dachte ich», wird er im Boten zitiert. Heute würde er nicht mehr so an die Fasnacht gehen. Doch: «Damals fand ich das Kleid mit seinem spitzen Kopf irgendwie noch lustig», sagte er dem Richter.

Sein Verteidiger forderte einen Freispruch. Er argumentierte laut dem Artikel, die Angelegenheit sei von «sich empörenden Gutmenschen und den Medien» aufgebauscht worden. Keiner der Mitbeteiligten habe sich unanständig verhalten, es seien keine Parolen gerufen worden, und niemand sei von den Beteiligten angepöbelt worden. Sein Mandant habe Sitte und Anstand nicht verletzt, man wolle nun ein Exempel statuieren, sagte der Verteidiger weiter.

Die Staatsanwältin sieht das anders: Dass der Mann nicht gewusst haben soll, was der KKK ist, sei bloss eine Schutzbehauptung. Im Gegenteil: Man habe sehr wohl gewusst, dass es sich um eine rassistische, Gewalt anwendende Vereinigung zur Sicherung der Vorherrschaft der weissen Rasse handle. «Und dieser Ku-Klux-Klan hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.»

Der 22-Jährige habe zudem zunächst in Abrede gestellt, sich im Ingenbohler Restaurant mit den anderen getroffen zu haben. «Ich glaube ihm kein Wort», so die Staatsanwältin. Sie forderte deshalb die Bestrafung mit einer Busse von 300 Franken sowie die Pflicht, 1500 Franken Verfahrenskosten tragen zu müssen..

Die Busse bestätigte der Einzelrichter. Dieser hat gemäss Boten im Gericht gesagt: «Provokation an der Fasnacht ist erlaubt. Dieser Auftritt sprengte aber das geduldete Mass.» Man habe bewusst provozieren und verängstigend wirken wollen und damit gegen Sitte und Anstand verstossen. Auch der Richter glaubte dem jungen Mann gemäss Artikel nicht, dass er von den Schrecken des Ku-Klux-Klans nichts gewusst habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Polizeieinsatz, Demo, Schlägerei

Schwyzer Ku-Klux-Klan sorgte landesweit für Aufsehen

Nach dem Auftritt der Schwyzer in den Ku-Klux-Klan Kutten an der Fasnacht 2019 sagte die Schwyzer Polizei, sie werde alle Mitglieder der Gruppe vorladen und befragen. Dies konnte sie auch tun; nach dem Aufmarsch des Ku-Klux-Klans an der Schwyzer Fasnacht hat die Polizei alle 12 Beteiligten vernommen. Sie seien nicht im Bereich Rechtsextremismus verzeichnet, hiess es damals im Frühling 2019.

Ku-Klux-Klan provoziert auch eine grosse Gegendemo. Mitte März 2019 zog die Gegendemo «Schwyz ist bunt – zusammen gegen Rassismus» durch die Strassen. Am Rande der Demo man es zu einer Schlägerei zwischen links- und rechtsextremen Personen. Ein gutes Dutzend Personen, die der rechtsextremen Szene zugeordnet werden, wurden aus dem Raum Schwyz weggewiesen. Hier gibts ein Video der wüsten Szenen:

Auch die Justiz befasste sich mit der KKK-Truppe: Sie erfüllten zwar den Straftatbestand der Rassendiskriminierung nicht, begingen aber eine grobe Belästigung; die Staatsanwaltschaft Innerschwyz erliess Strafbefehle gegen die zwölf Männer, wurde im November 2. Der öffentliche Auftritt als Ku-Klux-Klan habe die Grenzen der an der Fasnacht geltenden Narrenfreiheit überschritten und Sitte und Anstand grob verletzt.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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