Transgender-Debatte: «Richtige Frauen sind bartlos!»
Aktualisiert

Transgender-Debatte«Richtige Frauen sind bartlos!»

Die österreichische Jugendpartei RFJ sorgt mit einer Kampagne über die Landesgrenzen hinaus für Empörung. Mit Flyern warnt sie vor «Conchita-Wurst-Verschnitten».

von
Nadine Wozny

Eine blonde, junge Frau mit strahlend blauen Augen prangt auf dem Flyer. Sie ist nackt, mit den Händen verdeckt sie ihre Brüste, lächelt verhalten den Betrachter an. Darüber die Überschrift «Lass dich nicht linken - echte Frauen sehen so aus!» und «Ich brauche keinen Bart, um erfolgreich zu sein».

Dabei handelt es sich um eine Kampagne der österreichischen, rechtsorientierten Jugendpartei Ring Freiheitlicher Jugend, RFJ. Die Organisation will damit auf den «Gender-Wahnsinn» und auf das «neue, absurde Frauenbild» hinweisen.

«Immer absurdere Ausmasse»

Auslöser für die Kampagne waren der Auftritt von Travestiekünstler Tom Neuwirth alias Conchita Wurst am Eurovision Song Contest sowie ein Plakat des Life Balls in Wien, das ein Transgender-Model nackt zeigte (siehe Bildstrecke). «Wir sorgen uns um die Entwicklung der Gesellschaft. Was denken unsere Kinder, wenn Frauen Bärte tragen und mit einem Penis ausgestattet sind? Und was denken sich unsere Frauen und Mädchen? Müssen sie jetzt diesem neuen, absurden Weltbild entsprechen, um ?modern? zu sein?», fragt der RFJ auf seiner Website.

Haben die österreichischen Frauen nach Wursts ESC-Sieg etwa eine Identitätskrise, dass eine solche Kampagne nötig ist? «Nein, ich hoffe nicht», sagt Werner Wassicek, Landesobmann des RFJ Burgenland, zu 20 Minuten. «Der Inhalt der Kampagne bezieht sich nicht nur auf die Kunstfigur Conchita Wurst. In erster Linie handelt es sich um den Gender-Mainstream-Wahnsinn, der immer absurdere Ausmasse annimmt.» Wassiceks Partei kämpft auch gegen Frauenquoten und das Binnen-I (wie etwa in FussgängerInnen etc.).

«Richtige Frauen sind bartlos»

Wassicek will die Jugend aufklären: «Richtige Frauen sind bartlos! Wir brauchen keine neuen Weltbilder zu züchten, sondern müssen uns darauf verlassen, was wir seit tausenden Jahren kennen.» Diese Entwicklungen würden «immer mehr zur Abschaffung der traditionellen Familie beitragen».

Mit der Kampagne löste die Partei auf Facebook einen Shitstorm aus. «Was wir Frauen in der Hose oder im Gesicht tragen, geht euch nichts an», findet Facebook-Userin Ally A. Unterstützt wird sie von Teresa D.: «Echte Frauen lassen sich nicht von Männern sagen, was sie brauchen.» «Ich sehe nicht aus wie auf eurem Bild, bin ich deshalb keine echte Frau?», fragt sich Steffi S.

Conchita ist es offenbar wurst

Zwar sind die Kampagnen-Kritiker auf der Facebook-Seite in der Mehrheit. Es sind aber auch lobende Kommentare zu finden: «Ich finde die Aktion mutig und gut», schreibt etwa Thomas K. Laut Wassicek ist die Kampagne erfolgreich: «Prozentmässig würde ich sagen, dass wir 70 Prozent positive und 30 Prozent negative Rückmeldungen per E-Mail bekommen haben.»

Was Conchita Wurst von den Plakaten hält, ist nicht zu erfahren. Sie kommentiere die Kampagne nicht, liess ihr Sprecher ausrichten.

(YouTube/Eurovision Song Contest)

Wer ist der RFJ?

Der Ring Freiheitlicher Jugend Österreich ist eine Vorfeldorganisation der Freiheitlichen Partei Österreich, FPÖ, welche im Nationalrat und allen neun Landtagen vertreten ist. Die RFJ wird jedoch immer wieder mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht.

Die FPÖ Burgenland unterstützt gemäss RFJ die neue Kampagne. «Der RFJ hat wie man es von Jugendorganisationen erwartet - in pointierter Art und Weise auf gesellschaftspolitische Entwicklungen hingewiesen, die bei normal denkenden Menschen ohnehin nur noch Kopfschütteln auslösen», wird FPÖ-Landesparteiobmann Hans Tschürtz auf der RFJ-Seite zitiert.

Deine Meinung