Touristiker warnen: «Ricklis Aussage ist fataler als die Euro-Krise»
Aktualisiert

Touristiker warnen«Ricklis Aussage ist fataler als die Euro-Krise»

Natalie Ricklis Kritik an den Deutschen hat drastische Folgen: Treue Feriengäste bleiben aus. Die Touristiker sind verzweifelt. Am Dienstag treffen sie sich zum Krisengipfel.

von
Roger Baur
Schreckt Touristen ab: Natalie Rickli (mit Christoph Mörgeli)

Schreckt Touristen ab: Natalie Rickli (mit Christoph Mörgeli)

«Es hat zu viele Deutsche.» Diese Aussage von Natalie Ricklihat bereits Ende April für rote Köpfe und erste Stornos bei den Hotels gesorgt. Unterdessen hat sich die Situation verschärft. Auch Philipp Frutiger, CEO der Giardino-Hotels, muss verärgerte Kunden beruhigen. «Das Ganze ist weitaus schlimmer als die Euro-Krise. Viele Gäste aus Deutschland hat diese Kritik persönlich verletzt.»

Nun schlagen die Touristiker zurück. Morgen Dienstag treffen sich alle regionalen Tourismusdirektoren in Luzern zur Krisensitzung. An ihrer Regionaldirektorenkonferenz wollen sie beraten, wie man den Schaden begrenzen könnte. Derweil hat der Dachverband der Hotels schon gehandelt. In einem Brief hat Hotelleriesuisse Natalie Rickli vor einem Imageschaden gewarnt. Und darauf hingeweisen, dass qualifizierte Arbeitskräfte in den Hotels Mangelware sind und man darum auf Zuwanderer angewiesen sei. Hotelleriesuisse-Sprecherin Susanne Daxelhoffer: «Bei uns sind kritische Rückmeldungen von Gästen und Hoteliers eingegangen. Politiker riskieren mit solchen Aussagen einen Knick im Ansehen der Schweiz.»

Verärgerte Touristen

Dieser Knick scheint schon eingetreten zu sein, wie man an der Basis hört: Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, hat in diesem Zusammenhang noch nie so viele Reaktionen erhalten. «Langjährige Stammkunden haben mir geschrieben, dass sie nicht mehr Lust hätten, bei uns Ferien zu machen.»

Auf das Image der Schweiz im Ausland müsse vermehrt geachtet werden, sagt Hotelchef Frutiger. «Wenn Roger Köppel jede zweite Woche in einer deutschen Talkshow sitzt, wirkt das nicht gerade belebend für den Schweizer Tourismus.»

An der Regionaldirektorenkonferenz vom Dienstag wird es darum um Rezepte zur Schadensbegrenzung gehen. «Das war regelrecht fremdenfeindlich. In diesem Stil darf es nicht mehr weitergehen», sagt Tourismusdirektor Zenhäusern. Und Philipp Frutiger fügt an: «Die Deutschen herzlich willkommen zu heissen, ist das beste Rezept, auch gegen die Euro-Krise.»

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