«Keine grossen Beträge»: Ricola-Chef veruntreute über 100 000 Franken
Aktualisiert

«Keine grossen Beträge»Ricola-Chef veruntreute über 100 000 Franken

Nach dem Suizid des Ricola-CEO Adrian Kohler (†53) berichten Insider über ein fehlendes Kontrollsystem. Zudem ist klar: Kohler war vor seinem Freitod freigestellt worden.

von
Elisabeth Rizzi
Ricola ist eine der beliebtesten Marken der Schweiz.

Ricola ist eine der beliebtesten Marken der Schweiz.

Adrian Kohler war 25 Jahre lang für den Bonbonhersteller Ricola tätig gewesen und genoss das volle Vertrauen der Besitzerfamilie Richterich. Doch nun hat er sich das Leben genommen; offenbar weil er Gelder veruntreut hat. «Überraschend ist die Reaktion auf diese Schmach nicht», so ein Insider. «Kohler wäre nach dem Auffliegen der Veruntreuung im kleinräumigen Laufental, in dem er sein ganzes Leben verbracht hatte, moralisch so erledigt gewesen, dass er hätte auswandern müssen.» Zu gross wären Schimpf und Schande vor Ort gegenüber Kohler und seiner Familie gewesen.

Offenbar ist jedoch der Bonbonhersteller nicht ganz unschuldig an der Veruntreuung: Er hat es seinem Chef leicht gemacht, Geld abzuzweigen. So stellen weitere Quellen Ricola keine gute Note aus: Man habe gewusst, dass der ehemalige Finanzchef Kohler ganz allein und unbehelligt gewisse Buchungen vorgenommen habe, heisst es aus dem Umfeld. Ein internes Kontrollsystem existiere nicht.

Ricola-Sprecher Bernhard Christen bestätigt: Es gebe zwar im Unternehmen eine Revisionsstelle und ein Controlling. «Aber als Geschäftsführer hatte Herr Kohler im finanziellen Bereich Kompetenzen und konnte tatsächlich Buchungen ohne Kontrolle tätigen.» Es habe sich jedoch «nicht um grosse Beträge» gehandelt. Die gesamte Deliktsumme belaufe sich auf «wenige 100 000 Franken». Aus Firmensicht sei das Vergehen gering. Zum Vergleich: Ricola hat im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 300 Millionen Franken gemacht.

Kohler war freigestllt

Am Montagnachmittag hat sich nun Ricola-Verwaltungsratspräsident Felix Richterich zu Wort gemeldet, um Spekulationen und Gerüchten entgegenzutreten. Adrian Kohler habe letzte Woche den Verwaltungsrat aus eigener Initiative über Unregelmässigkeiten in seiner persönlichen Geschäftsbesorgung orientiert, schreibt Richterich in einer Mittelung an die Medien. Daraufhin habe der Verwaltungsrat am Mittwoch beschlossen, Kohler bis auf weiteres freizustellen, um den genauen Sachverhalt abzuklären.

Man habe Kohler eine faire Vorgehensweise zugesichert und mit ihm für Donnerstagvormittag einen Termin abgemacht. Der Verwaltungsrat hätte mit dem Geschäftsführer die nächsten Schritte absprechen wollten. Dazu kam es nicht mehr. Adrian Kohler wählte den Freitod.

Ricola-Verwaltungsratspräsident Richterich betont, dass Kohler sich in all den Jahren, die er für Ricola tätig war, mit seinem Engagement und seinem Einsatz aussergewöhnliche Verdienste um das Unternehmen erworben hat. Kohler habe das Unternehmen mit grosser Umsicht und Sorgfalt erfolgreich geführt.

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