Lüttich hat Grosses vor: Riese als Chance
Aktualisiert

Lüttich hat Grosses vorRiese als Chance

Im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Zürich vertraut Lüttich-Trainer José Riga auf einen Damm – Jelle van Damme.

von
Eva Tedesco
1,94-Meter geballte Kraft: Lüttich-Routinier Jelle van Damme überragt seine Mitspieler locker - und wohl nicht nur die. (Keystone/AP)

1,94-Meter geballte Kraft: Lüttich-Routinier Jelle van Damme überragt seine Mitspieler locker - und wohl nicht nur die. (Keystone/AP)

Er war der auffälligste Spieler im Hinspiel vor einer Woche in Lüttich. Viele Aktionen fanden bei Jelle van Damme den Ursprung und wurden auch von ihm abgeschlossen. Wohl nicht nur dem FCZ-Keeper in Erinnerung geblieben ist ein Kopfball (53.) des 1,94-Meter-Hünen aus kurzer Distanz, den Leoni grossartig entschärfte. Das Muskelpaket powerte sich durch die FCZ-Reihen. Wenn es sein musste, auch mit unzimperlichen Mitteln.

Der 27-jährige Linksfuss kann auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Seine Juniorenzeit verbrachte van Damme bei Beveren und Lokeren in der Heimat, ehe er via Germinal Beerschot 2002 zu Ajax kam und 2004 den ersten Meistertitel errang. Nach einem Abstecher zu Southampton wurde er im Winter 2005 für ein halbes Jahr an Werder Bremen ausgeliehen, und wechselte 2006 zu Anderlecht. Hier erlebte van Damme mit 110 Ligaspielen (17 Tore), zwei Meistertiteln (2007 und 2010) und zwei Pokalsiegen (2006 und 2007) die erfolgreichsten Jahre. Im letzten Sommer wagte er einen weiteren Ausflug auf die Insel. Diesmal zu den Wolverhampton Wanderers, wo er aber nicht glücklich wurde und sich trotz einem Vierjahresvertrag im Januar Standard Lüttich anschloss.

Humorloser Hüne

Es sei immer schon sein Wunsch gewesen, bei Lüttich zu spielen, sagt van Damme. Eine Herzensangelegenheit. Seine Loyalität bekam ein Fan in aller Deutlichkeit zu spüren. Beim ersten Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Verein hielt ihm ein Anhänger aus früheren Zeiten ein Anderlecht-Tenü für ein Autogramm hin. Van Damme verweigerte die Unterschrift mit den Worten: «Willst du mich provozieren?!» Van Damme verlor einen Fan – und das Spiel (0:2).

Bekanntheit hat van Damme in Belgien auch durch seine Heirat 2008 mit der ehemaligen Tennisspielerin Elke Clijsters, der Schwester von Kim Clijsters, erlangt. Mit ihr hat van Damme zwei Kinder: Söhnchen Cruz Leo kam 2009 auf die Welt; Töchterchen Cleo im November letzten Jahres. Die Familie Clijsters ist eng mit dem Fussball verbunden: Vater Leo (er starb im Januar 2009 an Lungenkrebs) war Innenverteidiger bei Waterschei und Mechelen. Seinen grössten Erfolg feierte er 1986 mit der belgischen Nationalmannschaft an der WM in Mexiko mit Platz 4.

Lüttich hat Lehrgeld bezahlt

Für das Rückspiel in Zürich hat sich van Damme viel vorgenommen. «Wir wollen unbedingt die nächste Runde erreichen. Das ist das Ziel jedes Spielers und des Vereins.» Der Saisonauftakt ist Lüttich am letzten Wochenende nicht nach Wunsch gelungen. Der zehnfache Meister kam trotz dem Treffer von van Damme gegen RAEC Mons nicht über ein 1:1-Remis hinaus. «Es ist klar, dass beim ersten Saisonspiel noch nicht alles perfekt läuft. Aber wir haben die Qualität, gegen den FC Zürich zu bestehen. Im Hinspiel haben wir Lehrgeld bezahlt, aber oft können kleine Details viel ausmachen.»

Die Zuversicht teilt er mit Trainer José Riga: «Der Teamgeist stimmt.» Den FCZ-Fehlstart in der Liga will der Standard-Trainer nicht überbewerten: «Ich habe zwei unterschiedliche Mannschaften gesehen. Europacup ist eine andere Geschichte. Die beiden Wettbewerbe sollte man nicht vergleichen.»

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