Indonesien: Riesenschildkröten statt Hindu-Götter
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IndonesienRiesenschildkröten statt Hindu-Götter

Eine beeindruckende Korallenwand und seltsame Unterwasser-Kreaturen: In Nordsulawesi liegt eines der schönsten Riffs der Welt.

von
daw
In Nordsulawesi in Indonesien kann man schnorcheln und tauchen – und stösst schnell auf Schildkröten.

In Nordsulawesi in Indonesien kann man schnorcheln und tauchen – und stösst schnell auf Schildkröten.

©Wonderful Indonesia
Sie sind in einem steil abfallenden Riff zu finden.

Sie sind in einem steil abfallenden Riff zu finden.

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Bunte Korallen ...

Bunte Korallen ...

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Über der nordindonesischen Stadt Manado thront mit ausgebreiteten Armen eine riesige Jesus-Statue – hier im Norden Sulawesis sind Christen in der Mehrheit und westliche Touristen noch eine Rarität. Welch ein Kontrast zum boomenden Bali, wo sich in den hinduistischen Tempelanlagen Reisende aus aller Herren Länder auf den Badeschlappen herumtrampeln!

Wer nun mit dem Boot auf die Insel Bunaken übersetzt, gelangt – nach Entrichtung eines Ablasses von 150'000 Rupien (umgerechnet 11 Franken) an der Pforte – direkt ins Unterwasserparadies. Im geschützten, zehn Kilometer langen Korallenriff hat Noah seine halbe Arche entladen: Entlang einer senkrecht abfallenden Wand aus bunten Korallen tummeln sich unzählige Fische, sodass man nicht mehr weiss, wo einem der Kopf steht. Riffhaie, Geisterpfeifenfische, Muränen oder Nasendoktorfische schwimmen um die Wette.

Riesige Schildkröten

Vor allem aber muss es gemäss den Einheimischen schon mit dem Teufel zu- und hergehen, wenn man hier keine Schildkröten sieht. Und tatsächlich: Kaum bin ich ins kristallklare Wasser gesprungen, steigt aus der Tiefe plötzlich eine Riesenschildkröte auf. Das majestätische Tier lässt sich von den Schnorchlern nicht irritieren, schwimmt ein Stück mit und taucht dann mit kräftigen Flossenstössen wieder ab. Ein ebenso erhabenes wie unvergessliches Schauspiel.

Das steil abfallende Riff ist aber vor allem auch für Taucher eine Attraktion. In der Tiefe lebt etwa der Manado-Quastenflosser, ein lebendes Fossil, das wie durch ein Wunder nicht schon in der Kreidezeit ausgestorben ist. Ein amerikanisches Ehepaar entdeckte den Urfisch vor 20 Jahren auf einem lokalen Markt.

Nach dem Schnorcheln oder Tauchen kann man sich in einem Restaurant in der Stadt stärken. Mein Favorit ist ein Klassiker der indonesischen Küche: Rendang, würziges geschmortes Rindfleisch, zu dem Reis serviert wird.

Die Pfade sind (noch) nicht ausgetreten

Im Vergleich mit dem überlaufenen Süden Balis ist die Infrastruktur im Norden der viel grösseren Insel Sulawesi noch bescheiden. Wer beispielsweise die nahegelegenen Vulkane besteigen will, sollte auf den schmalen Strässchen genügend Zeit einplanen. Auch die Zahl der angebotenen Unterkünfte ist überschaubar. Die Bleibe sollte sorgfältig ausgewählt werden, will man keine bösen Überraschungen erleben.

Das soll sich in den nächsten Jahren aber ändern. Denn die indonesische Regierung verfolgt ehrgeizige Pläne: Bis 2019 sollen schon 20 Millionen ausländische Touristen den Staat mit seinen 17'000 Inseln und seinen 250 Millionen Einwohnern besuchen. 2016 waren es erst 10,5 Millionen Gäste gewesen.

Zehn «neue Balis» auf dem Reissbrett

Tourismusminister Arief Yahya hat deshalb zehn Orte auserkoren, die er gezielt entwickeln will. Neben Nordsulawesi mit seiner faszinierenden Meereswelt findet sich auf der Liste beispielsweise Mandalika auf Balis muslimisch geprägter Schwesterinsel Lombok, die kürzlich von schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Zwar kehren bereits erste Touristen auf die Insel zurück, doch der Wiederaufbau wird noch Monate in Anspruch nehmen.

Der Ort Mandalika auf Lombok mit seinem wunderschönen weissen Strand ist ein Surfermekka und vor allem bei Backpackern beliebt. Von hier aus lassen sich auch Ausflüge auf kleine, unbewohnte Inseln (Gilis) machen. Nun sollen in Mandalika in drei Zonen Villen, Hotels und Läden entstehen.

Wer ein authentisches Indonesien erleben will, bevor die Bagger auffahren, muss sich also beeilen. Ob der Plan der Regierung aufgeht, zehn «neue Balis» auf dem Reissbrett zu entwickeln, wird sich weisen. Zumindest an der Schönheit der Natur wird es nicht scheitern.

Anreise

Mit Singapore Airlines im A380 nach Singapur, mit der Tochtergesellschaft Silk Air weiter nach Manado (Flughafen Sam Ratulangi). Möglich ist auch ein Abstecher nach Bali und von dort weiter mit Garuda Indonesia nach Mandado. Der Bericht entstand auf Einladung des indonesischen Tourismusministeriums.

Singaporeair.com

Allgemein: Indonesia.travel

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