Aktualisiert 26.10.2010 14:17

Biologie

Riesenvirus im Meer identifiziert

Das bislang grösste Virus im Meer - und das zweitgrösste überhaupt - wurde identifiziert. Wahrscheinlich spielt es eine Schlüsselrolle in der Nahrungskette.

Der Erreger mit dem Namen Cafeteria roenbergensis virus (CroV) wurde in Gewässern vor Texas gefunden und befällt eine Planktonart. Mit seinen 730'000 Erbgutbausteinen enthält er mehr Erbgut als manche Zellorganismen. Das Riesenvirus kurbelt nun die Diskussion darüber an, wo die Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben verläuft.

Viren gelten eigentlich nicht als Lebewesen, da sie keine eigene Zellhülle besitzen, sondern sich nur in Zellen von befallenen Pflanzen, Tieren oder Menschen vermehren können. CroV besitzt jedoch selbst Baupläne für Eiweisse, die sich Viren normalerweise von den Wirtszellen nehmen.

Damit verschwimme die Unterscheidung von Leben und Nicht-Leben, schreiben die Forscher um Curtis A. Suttle im Fachmagazin «PNAS». Suttle arbeitet in der Abteilung für Erd- und Meereswissenschaften an der Universität von British Columbia im kanadischen Vancouver.

Schon lange beschrieben

CroV wurde schon in den frühen 90er Jahren aus dem Meer gefischt. Die Wissenschaftler entdeckten aber erst jetzt, wie gross das Virus ist, und was für eine Bedeutung es haben könnte. Das Meeresvirus befällt einzellige Flagellaten, die sich unter anderem von Bakterien im Plankton ernähren.

Gemäss Suttle besetzt das Riesenvirus eine Schlüsselposition in der Nahrungskette und somit den Ökosystemen der Meere. Seine Gene enthalten Informationen, die von lebenden Zellen typischerweise zur Reparatur von Erbmaterial sowie zur Herstellung von Eiweissen und Zuckern verwendet werden.

Das grösste bislang bekannte Virus der Welt trägt den Namen Acanthamoeba polyphaga mimivirus. Es befällt Süsswasser-Amöben und enthält 1,2 Millionen Erbgutbausteine. Zum Vergleich: Das Bakterium Mycoplasma genitalium hat etwa 580'000 Grundbausteine und wird zu den Lebewesen mit den kleinsten Genomen gerechnet. (sda)

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