Entdeckt: Riesiges Waffenlager ausgehoben
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EntdecktRiesiges Waffenlager ausgehoben

Die türkische Polizei ist im Zuge der Ermittlungen gegen das rechtsgerichtete Netz Ergenekon in der Nähe von Ankara auf ein umfangreiches Waffenversteck gestossen. Das Netz soll einen Putschversuch geplant haben.

Im Haus eines früheren Polizeibeamten gefundene Skizzen führten die Polizei zu einem Waffenlager in einem Waldgebiet. Dort seien Raketenwerfer, Granaten, Rauchbomben, eine Leuchtrakete und Munition gefunden worden.

Medienberichten zufolge suchte die Polizei anhand der Skizzen nach weiteren geheimen Waffenlagern in mehreren Grünanlagen der Hauptstadt. Im Haus des früheren Polizisten in Istanbul wurden laut einem Bericht des Fernsehsenders CNN-Türk mehrere Schusswaffen beschlagnahmt.

86 Ergenekon-Mitglieder müssen sich derzeit in der Türkei vor Gericht verantworten. Sie sollen einen gewaltsamen Umsturzversuch gegen die Regierung geplant haben.

Laut Staatsanwaltschaft wollten sie mit Gewaltakten einen neuen Militärputsch in der Türkei provozieren, um Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aus dem Amt zu treiben.

Neue Verhaftungen

Erst am Mittwoch waren etwa 40 weitere Verdächtige, unter ihnen Generäle im Ruhestand, unter dem Verdacht festgenommen worden, in das mutmassliche Komplott verwickelt zu sein. Neun festgenommene Offiziere wurden laut Anadolu am Freitag der Staatsanwaltschaft überstellt.

Zur Erörterung der Lage war am Donnerstag der Generalstabschef Ilker Basbug mit Erdogan zusammengetroffen. In Medienberichten war die Rede von wachsenden Spannungen zwischen der Staatsführung und dem Militär, das sich in den vergangenen 50 Jahren vier Mal an die Macht geputscht hat.

Todesliste

Auf der Todesliste von Ergenekon soll unter anderem der türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk stehen. Zudem wird Ergenekon für Anschläge verantwortlich gemacht, darunter ein Attentat auf den Obersten Gerichtshof, bei dem ein Richter starb. Die Hauptangeklagten müssen mit lebenslangen Haftstrafen rechnen.

Regierungsnahe und liberale Kreise begrüssen, dass mit dem Prozess gegen Ergenekon erstmals entschieden gegen politisch-mafiöse Strukturen in der Türkei vorgegangen werde.

Anhänger einer strikten Trennung zwischen Staat und Religion werfen der islamisch-konservativen Regierung Erdogan dagegen vor, das Verfahren gegen die Gruppe für ihre eigenen politischen Zwecke auszunutzen und die Opposition zum Schweigen bringen zu wollen.

(sda)

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