«Diskriminierung»: Rigi-Extrazüge empören Chinesen
Aktualisiert

«Diskriminierung»Rigi-Extrazüge empören Chinesen

Eine Meldung über angebliche Extra-Züge für Asiaten auf die Rigi geht um die Welt – und sorgt für Wirbel. Jetzt krebsen die Rigi-Bahnen zurück.

von
G. Brönnimann
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Die «Daily Mail», grösstes Boulevardportal der Welt, schreibt: Separate Züge für Chinesen, weil Einheimische die Touristen beschuldigen, die Züge zu verstopfen und zu spucken.

Die «Daily Mail», grösstes Boulevardportal der Welt, schreibt: Separate Züge für Chinesen, weil Einheimische die Touristen beschuldigen, die Züge zu verstopfen und zu spucken.

Screenshot Daily Mail
Der «Independent» berichtete ebenfalls über separate Züge für Chinesen auf die Rigi: «Kulturelle Differenzen» hätten die Betreiber dazu veranlasst.

Der «Independent» berichtete ebenfalls über separate Züge für Chinesen auf die Rigi: «Kulturelle Differenzen» hätten die Betreiber dazu veranlasst.

Screenshot Independent
Auch die renommierte BBC berichtete: «Schweiz: Spezialzüge für chinesische Touristen». Bildunterschrift: «Spezialzüge wurden eingesetzt, um Leute nicht zu stören, die ihre Ruhe haben wollen.»

Auch die renommierte BBC berichtete: «Schweiz: Spezialzüge für chinesische Touristen». Bildunterschrift: «Spezialzüge wurden eingesetzt, um Leute nicht zu stören, die ihre Ruhe haben wollen.»

BBC, «Independent», «Daily Mail», «New York Daily News», «International Business Times» – und nicht zuletzt unzählige News-Portale in China und ganz Asien berichteten darüber: Die Nachricht von angeblichen Extra-Zügen für Asiaten nach Rigi-Kulm geht um die Welt (siehe Bildstrecke). Offenbar, so ist in all den Artikeln zu lesen, würden sich die asiatischen Touristen – allen voran die Chinesen – in der Schweiz, und insbesondere in den Bahnen der «Königin der Berge», dermassen schlecht benehmen, dass man wegen «kultureller Differenzen» zu dieser Lösung gezwungen sei.

In China, einem der wichtigsten Länder für den Schweizer Tourismus, kommt diese Nachricht sehr schlecht an. Womöglich deshalb, weil viele Portale «Extra-Züge für Chinesen» schreiben. «Diskriminierung» – darüber beklagen sich die potentiellen Schweiz-Fans auf den sozialen Netzwerken Chinas laut «The Standard» aus Hongkong und «Ming Pao Daily». Ein Shitstorm. Es könne doch nicht sein, dass es Extra-Züge für Chinesen brauche, wird ein User zitiert: «Um direkt zu sein – die wollen das Geld, und dann beschuldigen sie uns. Was ist denn das für eine Mentalität?»

«Die Extrazüge sind für alle internationalen Gruppen»

«Ich musste viel telefonieren», sagt Marcel Waldis, Vizedirektor der Rigi-Bahnen, zu 20 Minuten. Kein Wunder, bei dem internationalen Medienrummel. Dann sagt er: «Es stimmt nicht, dass es Extrakurse ausschliesslich für Asiaten gibt.» Das sagte Waldis am Montag auch der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Richtigstellung erscheint ebenfalls – sorgt aber für kleinere Schlagzeilen.

Die Extrazüge, sagt Waldis, seien für alle internationalen Reisegruppen gedacht. «Die meisten wollen direkt nach Rigi-Kulm.» Die Züge seien nicht nur für Asiaten vorgesehen, sondern für alle Gruppenreisenden. Und Asiaten dürften selbstverständlich mit den anderen Zügen fahren, sagt Waldis, der betont: «70 Prozent unserer Gäste auf der Rigi kommen aus der Schweiz, 30 Prozent kommen aus dem Ausland. Viele von ihnen sind Asiaten: «Wir müssen gottenfroh sein um sie.»

Das kommt dem Vizedirektor erst in den Sinn, nachdem schon etwas Porzellan zerschlagen worden ist: In der offiziellen Medienmitteilung von Ende Juni heisst es, man würde die Extrazüge «für asiatische Gruppengäste anbieten». Das haben Zeitungen, darunter etwa der «Blick», danach berichtet. Die Nachricht ging als «Extrazüge für Chinesen» um die Welt.

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