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Insta-Pranger «Rigozzi hat der Wirtin einen Gefallen gemacht»

Rigozzi ist wütend auf eine Walliser Beiz und rief via Instagram zum Boykott auf. Eine Überreaktion, wie Experten und Leser finden. Am Ende werde die Wirtin aber gewinnen.

von
kfi
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Christa Rigozzis Tisch-Reservation in einem Walliser Restaurant ging schief: Die Moderatorin meldete sich darauf wütend auf Instagram und forderte zum Boykott auf.

Christa Rigozzis Tisch-Reservation in einem Walliser Restaurant ging schief: Die Moderatorin meldete sich darauf wütend auf Instagram und forderte zum Boykott auf.

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Sie will sich bei der Wirtin nicht für ihren Internet-Pranger nicht entschuldigen. «Sie muss sich bei mir entschuldigen, sicher nicht ich mich bei ihr. Sie war so aggressiv und nicht im Recht.»

Sie will sich bei der Wirtin nicht für ihren Internet-Pranger nicht entschuldigen. «Sie muss sich bei mir entschuldigen, sicher nicht ich mich bei ihr. Sie war so aggressiv und nicht im Recht.»

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Familie Rigozzi-Marchese feierte den Jahreswechel und den Geburtstag der Zwillinge in Leukerbad VS.

Familie Rigozzi-Marchese feierte den Jahreswechel und den Geburtstag der Zwillinge in Leukerbad VS.

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Ihr geplanter Restaurant-Abend kurz vor Silvester fiel ins Wasser: Als Christa Rigozzi (36) wegen Babystühlen im Lokal in Leukerbad VS anrief, stellte sich heraus, dass die Beiz gar keine Reservation bekommen hat. Wütend stellte die Moderatorin einen Screenshot mit der vermeintlichen Buchungsbestätigung auf Instagram und forderte ihre Follower auf, die «Alpenrose» zu meiden. Man habe sie unfreundlich behandelt und übers Telefon angegriffen.

Wirtin Dubravka Gluscevic (55) erklärte daraufhin: Eine fremde Website habe die Reservation gemacht, ihr Lokal habe keine Internetseite und sei nur telefonisch erreichbar. Sie habe Rigozzi am Telefon gesagt, dass sie nichts von ihrer Buchung wisse und weiterarbeiten müsse, weil sie ein volles Haus habe.

Worauf Rigozzi nachlegte: Die Wirtin habe sie «von Anfang an angegriffen, gesagt, dass sie mir nie eine Bestätigung geschickt hat», sagte sie im «Blick». Rigozzi habe dann ruhig gefragt, was sie nun machen würden. «Sie hat geschrien, das sei mein Problem. Sie habe viel zu tun, sie hat mich angegriffen und das Telefon aufgehängt, ohne sich zu verabschieden. Ein solches Verhalten geht gar nicht.»

«Als öffentliche Person nicht angebracht»

Rigozzis Verhalten findet dagegen Fabian Plüss, Gründer der Influencer-Marketing-Agentur Kingfluencers, problematisch. «Social Blaming» nenne sich ihr Insta-Pranger, «als Person des öffentlichen Interesses sollte sie das unterlassen», sagt er zu 20 Minuten. Viel mehr solle Rigozzi über der Sache stehen und eigene Konsequenzen daraus ziehen – ohne das mit ihrer Community zu teilen. «Seine Machtposition negativ ausnützen ist nicht angebracht.»

Natürlich sei ihr grundsätzlich erlaubt, das Lokal via Social Media zu kritisieren, so Plüss weiter. «Wenn sie dem Restaurant damit aber schadet, kanns zu einer Schadenersatzklage kommen. Juristisch wäre das ein langer Weg, der selten Sinn macht.»

«Verständlich, aber unprofessionell»

PR-Experte Ferris Bühler zeigt Verständnis für Rigozzis Frust. Dass die Moderatorin via Insta die Koordinaten des Restaurants veröffentlicht habe, sei aber unprofessionell.

Das finden indes auch die Leser von 20 Minuten: Gemäss einer Umfrage, bei der bislang über 15'300 Personen teilgenommen haben (Stand Freitag, 15 Uhr), finden 72 Prozent, dass Rigozzi überreagiert hat. Nur 8 Prozent glauben, dass das Restaurant einen Imageschaden davon tragen werde.

Statt gleich zum Boykott aufzurufen, hätte sie besser ihrer Enttäuschung Ausdruck verliehen, so Experte Bühler. «Dann wäre vielleicht sogar ein anderes Lokal in die Bresche gesprungen und hätte sie gratis zum Essen eingeladen.»

Sowieso sieht er viel Potenzial im ganzen Knatsch. «Rigozzi als Gast und Testimonial, die «Alpenrose»-Betreiberin als Gastgeberin, Reservationsplattformen, Leukerbad Tourismus – würden nun alle Parteien zusammenkommen, gäbe es eine wunderbare Geschichte mit Happy End.»

«Wirtin hat die Sache mitgenommen»

Für Urs Zurbriggen, CEO der My Leukerbad AG, durchaus eine Option, wie er auf Anfrage sagt. «Ist der Wunsch von beiden Seiten da, werden wir da gerne vermitteln.» Er habe bislang weder mit der Wirtin noch mit Rigozzi, die sogar einmal Botschafterin des Ferienorts war, Kontakt gehabt. «Ich hätte mir gewünscht, dass Christa Rigozzi das direkte Gespräch mit uns sucht, statt via Social Media ihren Frust abzuladen.» In den nächsten Tagen – «wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist» – wolle er in der «Alpenrose» vorbeigehen, «die Wirtin hat die ganze Sache mitgenommen».

PR-Profi Bühler ist sich indes sicher: Rigozzi habe der Gastgeberin am Ende einen grossen Gefallen gemacht. «Die neuen Rezensionen sind alle positiv. Es werden künftig noch mehr Leute da essen gehen. Die Wirtin ist die Gewinnerin.» Und Rigozzi werde keinen Imageschaden davon ziehen. «Christa hat einen Vorteil: Sie war schon immer die temperamentvolle, emotionale Tessinerin, die sagt, wenn ihr etwas nicht passt. Ihren Wutausbruch wird man ihr verzeihen.»

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