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Über 100 ToteRio versinkt im Schlamm

Nach den schweren Regenfällen im Grossraum der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro hat sich die Zahl der Überschwemmungstoten auf über 100 erhöht.

Die stärksten Regenfälle seit über vier Jahrzehnten haben Rio de Janeiro ins Chaos gestürzt und mehr als 100 Menschen das Leben gekostet. Die meisten starben bei Erdrutschen in den Armenvierteln der brasilianischen Metropole und umliegenden Orten.

Schlamm- und Geröllmassen rissen die oft provisorisch und illegal an Hängen errichteten Häuser und ihre Bewohner mit in die Tiefe. Zwar liess der Regen am Mittwoch nach. In der Stadt am Zuckerhut und benachbarten Orten wie Niterói und São Gonçalo herrschte aber höchste Alarmbereitschaft.

Tausende Feuerwehrleute waren im Einsatz, denn noch immer wurden Menschen vermisst. In einigen Stadtteilen Rios bot sich den Helfern ein Bild der Verwüstung.

Die Feuerwehr gab die Zahl der Todesopfer in Rio de Janeiro und umliegenden Orten in der Nacht zum Mittwoch mit 103 an. Die Zivilschutzbehörden sprachen dagegen zunächst von 98 Toten. Bürgermeister Eduardo Paes ordnete für Mittwoch (Ortszeit) die Schliessung der Schulen an und bat die Cariocas, die Einwohner Rios, nur absolut notwendige Fahrten zu unternehmen.

Dadurch sollten die Strassen für Rettungs- und Aufräumfahrzeuge freigehalten werden. Am Dienstag war der Verkehr in der Stadt völlig zusammengebrochen. Umgestürzte Bäume blockierten Strassen und Kreuzungen, Tunnel waren bis zur Decke überflutet und zahllose Autos standen bis zum Dach im Wasser.

Viele Menschen konnten sich nur mit Glück aus den hüfthohen braunen Wasserfluten retten. Einige verbrachten die Nacht in ihren Autos, weil sie fürchteten, dass die Fahrzeuge gestohlen werden könnten.

Heftigster Regen seit 1966

Nach Worten von Bürgermeister Paes wurde Rio vom heftigsten Regen seit 1966 heimgesucht. In nur 24 Stunden fielen 288 Liter Regen auf einen Quadratmeter; 1966 waren es 245 Liter. Leidtragende sind meist die Ärmsten der Armen, die ihre Häuser illegal und trotz Warnungen der Behörden an die Hänge bauen.

Die Stadtverwaltungen schätzt, dass in den Hunderten von Favelas in und um Rio de Janeiro etwa 10 000 Häuser in Risikozonen stehen. Es gibt bereits seit langer Zeit Pläne, diese Häuser abzureissen und die Bewohner umzusiedeln.

Die jüngsten Tragödien dürften diese Vorhaben beschleunigen. Allerdings müssen die Behörden mit Widerstand rechnen, denn viele Favelas sind fest in der Hand von Drogenbanden. Auf dem «Morro dos Prazeres» kam es selbst am Dienstag zu Schiessereien zwischen Polizisten und Drogenhändlern. (sda)

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