Maskenpflicht  – Risikogruppen fordern einen Maskenwagen im Zug 

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Maskenpflicht Risikogruppen fordern einen Maskenwagen im Zug 

Am 1. April fällt voraussichtlich die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Viele fordern deshalb einen Wagen, in dem die Maskenpflicht weiterbesteht.

von
Lisa Horrer
Nicolas Meister
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Immer mehr Leute fordern ab dem 1. April «Maskenwagen» im öffentlichen Verkehr, in denen weiterhin eine Maske getragen werden muss.

Immer mehr Leute fordern ab dem 1. April «Maskenwagen» im öffentlichen Verkehr, in denen weiterhin eine Maske getragen werden muss.

20min/News-Scout
Denn der Bundesrat hebt voraussichtlich die Maskenpflicht per 1. April 2022 im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen auf.

Denn der Bundesrat hebt voraussichtlich die Maskenpflicht per 1. April 2022 im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen auf.

20min/Simon Glauser
Die SBB sieht jedoch keinen Bedarf für Maskenwagen.

Die SBB sieht jedoch keinen Bedarf für Maskenwagen.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts 

  • Auf Twitter fordern User eine Verlängerung der Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Maskenabteile. 

  • Die SBB sieht diesbezüglich keinen Handlungsbedarf. 

  • Während Grüne einen Maskenwagen denkbar fänden, spricht sich die SP gegen einen solchen aus.

In einer Woche hebt der Bundesrat die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitsinstitutionen wohl auf. Dies hat er so angekündigt, am 30. März fällt der definitive Entscheid. Ab dem 1. April muss also voraussichtlich nirgends mehr eine Maske getragen werden. Freude herrscht – jedoch nicht bei allen. 

Viele Twitter-User sorgen sich um ihre Gesundheit. «Wie soll ich als vulnerable Person so Zug fahren können, ohne mich dabei anzustecken?» Einige fordern deshalb einen «Maskenwagen», zum Beispiel im Zug.

So schreibt ein Twitter-User: «@sbbnews: Wagen mit Maskenobligatorium nach 1.4.?» Andere Twitter-User drohen sogar, ihr GA zu künden, sollte es weder Maskenpflicht noch Maskenwagen geben.

SBB sieht keinen Bedarf

Das Prinzip ist nicht neu. Bis 2005 gab es in den meisten SBB-Zügen Raucher- und Nichtraucherabteile, heute gibt es Ruhe- und Spielabteile. Wäre ein «Maskenabteil» dann nicht auch denkbar?

Nein, sagt Martin Meier, Mediensprecher der SBB. «Stand heute sind keine solchen Wagen vorgesehen.» Auch eine generelle Weiterführung der Maskenpflicht, wie es etwa Spitäler vorhaben, stehe nicht zur Debatte. «Die SBB und die ÖV-Betriebe setzen seit Beginn der Pandemie die Vorgaben des Bundes um.»

Risikopersonen brauchen Schutz 

Eveline Siegenthaler, Leiterin und Gründerin der IG Risikogruppe, die sich für Risikopersonen einsetzt, unterstützt hingegen die Forderungen nach einem Maskenwagen oder einer verlängerten Maskenpflicht: «Selbstverständlich ergibt es Sinn für Pendler, die nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten können, spezielle Wagen zu bestimmten Zeiten zu reservieren für die Maskenpflicht.» Das sei nicht nur für Risikopatienten sinnvoll, sondern für alle, die sich schützen wollen angesichts des Risikos und der hohen Inzidenzen, so Siegenthaler.

Generell findet sie, dass es noch nicht an der Zeit ist, die Massnahmen per Ende März zu streichen. Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und im Gesundheitswesen sollte ihrer Ansicht nach so lange beibehalten werden, bis die Anzahl positiv Getesteter während mindestens eines Monats unter das Niveau der Winterwelle 2020/2021 mit rund 10’000 Fällen pro Tag sinkt. 

Das sagen Passantinnen zu den Forderungen 

Die Befragten in einer 20-Minuten-Strassenumfrage sind unterschiedlicher Meinung. Die 15-jährige Schülerin Luisa hält nichts von der geforderten Verlängerung der Maskenpflicht und würde auch nicht freiwillig in ein Maskenabteil gehen. «Ich verstehe schon, dass sich manche schützen wollen. Für mich ist Corona schon vorbei, auch wenn das nicht so ist.» Die beiden 20-jährigen Studentinnen Nadja und Lisbeth sehen das anders. Sie finden, die Maskenpflicht im ÖV und auf Reisen soll bleiben. «Im ÖV ist man ja länger unterwegs, auch mal eine Stunde zum Beispiel. Wenn dann der Sitznachbar Corona hat und keine Maske trägt und ich auch nicht, ist das recht ungeil», sagt Nadja.

SP und Grüne wollen Maskenpflicht beibehalten 

Für die Grünen wären Maskenwagen durchaus eine Option, sagt ihr Präsident Balthasar Glättli. Man bevorzuge jedoch eine Weiterführung der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. «Solange das Virus derart stark zirkuliert, ist eine Maske im ÖV generell sinnvoll, da sich viele Leute auf sehr engem Raum aufhalten.» Zudem schütze man so vulnerable Personen besser, sagt Glättli.

Bei der SP findet der Maskenwagen wenig Anklang. Sie schliesst sich jedoch der Forderung der Grünen an: Die Maskenpflicht solle im öffentlichen Verkehr beibehalten werden, bis die Lage sich entspannt habe. Im Falle einer weiteren Verschlechterung fordert die SP eine Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen, sagt Colin Vollmer, Mediensprecher der SP.

Die massnahmenkritische Organisation «Freunde der Verfassung» war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Maskenwagen «nicht umsetzbar»

Auch Infektiologe Andreas Widmer steht einem Maskenwagen kritisch gegenüber. Es sei schlichtweg nicht umsetzbar. «Wichtig ist, dass die Maskenpflicht im ÖV beibehalten wird.» Die hohen Fallzahlen und die Positivitätsrate seien weniger ein medizinisches, als vielmehr ein wirtschaftliches Problem. «Es fallen zurzeit sehr viele Leute aus. Vor allem die Spitäler spüren das aktuell.»

Zudem würde eine vollständige Aufhebung der Maskenpflicht ein falsches, unter Umständen gefährliches Signal vermitteln, sagt Widmer. Nämlich dass die Pandemie vorbei sei. «Und das ist einfach nicht so!» Eine Aufhebung der Maskenpflicht kommt für Widmer erst bei 5000 täglichen Fallzahlen infrage. Aktuell wären Schwangere und Vulnerable öffentlich zu stark gefährdet.

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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