Aktualisiert 04.01.2014 09:30

Milliardengeschäft«Riskante Wette statt historischer Deal»

Fiat übernimmt den US-Autobauer Chrysler komplett. Doch neue Produkte dürften vorerst nicht anstehen, meint Experte Ferdinand Dudenhöffer. Das könnte Fiat einiges kosten.

von
laf
Chrysler und Fiat: Wette auf übermorgen?

Chrysler und Fiat: Wette auf übermorgen?

Einen neuen globalen Autobauer, der wirklich einzigartig ist, will Fiat-Chef Sergio Marchionne nun schaffen. Es sei ein historisches Ereignis für die Branche. Für 1,75 Milliarden Dollar übernimmt sein Konzern nun die verbleibenden 41,4 Prozent am US-Autobauer Chrysler. Dieser wird daher nun komplett italienisch, bereits zuvor hielt Fiat 58,5 Prozent. Doch davon werden die Konsumenten vorerst kaum profitieren, so Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zu 20 Minuten.

Der «Auto-Papst» doziert an der Universität Duisburg-Essen Automobilwirtschaft und leitet das «Center Automotive Research» (CAR). Seiner Meinung nach ist die Übernahme eine ziemlich riskante Wette. Statt die Autoindustrie zu revolutionieren, ist es für Fiat vor allem ein wirtschaftlich lohnendes Geschäft. Mit dem Geld werde er nicht etwa in neue Produkte investieren, sondern zunächst an der Kosteneffizienz arbeiten. «Der Marchionne-Deal ist eine Wette auf übermorgen», so der Professor. Doch das könnte in die Hose gehen. Denn neue Produkte, so Dudenhöffer, seien nämlich schon vorher fällig. Darauf werde verzichtet und der Versuch gemacht, zu einem späteren Zeitpunkt mit niedrigeren Kosten zu bauen.

Hohes Risiko

Marchionne nehme das Risiko in Kauf, in einem schwächeren europäischen Markt mit alten Produkten aufzufahren. Wie schwer sich die Produkte schon jetzt tun, zeige ein Blick auf die Rabatte. Ein Beispiel gibt Dudenhöffer auch: «Der Fiat Punto wird offiziell in einem Finanzierungsprogramm mit 36 Prozent Kundenvorteil gegenüber dem Listenpreis angeboten.»

Keiner gebe derzeit in Deutschland höhere Rabatte als Fiat. Trotzdem passiere bei Fiat nichts. Die Modelle von Fiat seien stark überaltert und seit einigen Jahren habe Marchionne konsequent die Investitionen ins Produkt zusammengestrichen. «Von daher ist der Deal eher eine historische Wette als ein historisches Ereignis für die Automobilindustrie», so Dudenhöffer.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.