Illegale Deals: Ritalin gibts auch auf dem Oerliker Marktplatz
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Illegale DealsRitalin gibts auch auf dem Oerliker Marktplatz

Auf dem Marktplatz in Zürich-Oerlikon sind nicht nur Früchte und Gemüse erhältlich: Der Handel mit rezeptpflichtigen Medikamenten wie etwa Ritalin und Valium soll dort blühen.

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20M
Ein kurzer Spaziergang auf dem Oeriker Marktplatz soll reichen und schon habe man die verschreibungspflichtigen Medis.

Ein kurzer Spaziergang auf dem Oeriker Marktplatz soll reichen und schon habe man die verschreibungspflichtigen Medis.

Wer rezeptpflichtige und unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Medikamente wie Dormicum, Rohypnol, Valium oder auch Ritalin sucht, wird auf dem Marktplatz in Zürich-Oerlikon offenbar problemlos fündig. Offensiv gedealt wird aber nicht. Es ist eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten, die hier laut «Limmattaler Zeitung» jeden Abend schwatz, trinkt, raucht – und dealt.

Haben sich Käufer und Verkäufer gefunden, vollziehen sie ihren Handel auf einem kleinen Rundgang. Die meisten anwesenden Dealer haben den Stoff nicht auf sich, sondern irgendwo gebunkert. Fremde werden gemäss Bericht «herzlich» aufgenommen – vorausgesetzt, ein Insider stellt sie vor. Eine Dealerin verkauft beispielsweise Dormicum für fünf Franken das Stück. «Ruf an, egal was und wie viel du brauchst», sagt sie Neukunden.

Deals mit Apotheken?

Die Pillen bekommen diese Leute alle vom Arzt für sich verschrieben. Von der Menge her jedoch viel zu viel, um alles selber konsumieren zu können. Das gibt dafür dann einen hübschen Nebenverdienst auf Rezept. Andere Händler behaupten im Bericht zudem, sie hätten einen Deal mit Apotheken, um an die Medikamente zu kommen.

Grundsätzlich braucht ein Arzt für die Verschreibung von Betäubungsmitteln zur Behandlung von abhängigen Personen eine Bewilligung des Kantons. Beantragt ein Arzt eine unsinnig hohe Menge, interveniert die Gesundheitsdirektion. Doch nicht jede Abgabe muss gemeldet werden. Wird jemandem, der Schlafprobleme hat, dem Zweck entsprechend etwa Dormicum abgegeben, brauchts weder Antrag noch Bewilligung. Bei Deals, in die Apotheken verstrickt sein sollen, sind dem Kanton die Hände gebunden. Dies weil sie nicht melden müssen, ob und wie viele Betäubungsmittel sie abgeben.

Kanton kann wenig tun

«Wenn jemand ein Medikament, das er vom Arzt verschrieben erhält, selber nicht nimmt und stattdessen verkauft, dann geschieht dies ausserhalb der Zugriffsmöglichkeit der Gesundheitsdirektion», sagt Daniel Winter, Sprecher der Gesundheitsdirektion. «Hier ist die Polizei gefragt.»

Ein Polizist, der laut dem Bericht der «Limmattaler Zeitung» unerkannt bleiben will, gibt zu, dass die Polizei sehr wohl von der Szene in Oerlikon wisse. «Die Leute von denen Sie da auf dem Markplatz sprechen, sind oft Konsumenten. Die wollen wir nicht noch weiter bestrafen.» Das seien arme Leute, die ums Überleben kämpften. «Unser Fokus liegt auf den organisierten Banden, die mit Heroin und Kokain in die Schweiz kommen.»

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