Aktualisiert 09.09.2013 09:29

KostenfalleRoaming-Gebühren fallen weg - aber nicht bei uns

EU-Bürger sind für einmal auf der Sonnenseite: In den Ferien im Ausland surfen und telefonieren sie viel günstiger in fremden Netzen als Schweizer - und das wird auch in Zukunft so bleiben.

von
Dino Nodari
Diese deutsche Touristin hat gut Lachen: Sie telefoniert und surft im Ausland günstiger als Schweizer.

Diese deutsche Touristin hat gut Lachen: Sie telefoniert und surft im Ausland günstiger als Schweizer.

Die Ferien können rasch ins Geld gehen. Wer es versäumt, das Datenroaming zu deaktivieren, muss zu Hause mit einer bösen Überraschung rechnen, wenn die Handyrechnung ins Haus flattert. Dies gilt aber nicht für EU-Bürger. Auf Druck der EU mussten die europäischen Mobilfunkanbieter ihre Roaming-Gebühren auf Montag stark senken, es wurde eine gesetzlich verankerte Preisobergrenze festgelegt. Und ab 2015 sollen die Roaming-Gebühren in der EU ganz wegfallen.

Derweil verdienen sich die Schweizer Mobilfunkanbieter mit dem Roaming noch immer eine goldene Nase. 845 Millionen Franken haben die Schweizer Anbieter 2011 mit Sprach-, SMS- und Datenroaming verdient, rechnet das Bundesamt für Kommunikation vor. «Die hohen Preise sind nicht gerechtfertigt», sagt etwa André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz. Noch deutlicher wird Telekomexperte Ralf Beyeler von Comparis.ch: «Die Schweizer Preise sind jenseits von Gut und Böse. Österreich-Urlauber beispielsweise erhalten bei Aldi ein Gigabyte für vier Euro. Würde man als Sunrise-Abokunde im selben Ausmass surfen, käme die Rechnung auf 15'000 Franken zu stehen.» Mit Roaming würden Swisscom, Sunrise und Orange gutes Geld verdienen, sind sich Beyeler und Bähler einig.

«Genug von der Abzockerei»

«Die EU hatte genug von der Abzockerei, und weil der Wettbewerb nicht gespielt hat, wurde reguliert», sagt Beyeler. Für Schweizer Kunden sieht der Telekomexperte jedoch schwarz. «Es wird noch lange gehen, bis wir von ähnlich günstigen Tarifen profitieren werden wie die EU-Bürger.»

Vor kurzem hat die Swisscom bekannt gegeben, dass sie die Roaming-Tarife stark senkt. Für Konsumentenschützer André Bähler ist klar: Allein das Beispiel der Swisscom, die ihre Roaming-Preise um 60 bis 70 Prozent gesenkt hat, zeige, was mit dem Geschäft verdient werden könne. «Denn auch nach der Preissenkung wird die Swisscom immer noch Gewinn machen», so André Bähler.

Höhere Einkaufspreise für Schweizer Anbieter

Da der Markt in der EU reguliert sei, würden EU-Mobilfunkanbieter von einem besseren Tarif profitieren. «Von diesen Einkaufspreisen profitieren wir in der Schweiz nicht», sagen Swisscom und Orange unisono zu 20 Minuten. Swisscom-Sprecher Olaf Schulze erklärt, dass es der Swisscom in den letzten Jahren gelungen sei, den Einkaufspreis runterzubringen und dies sei auch an die Kunden weitergegeben worden.

4G VS. 3G: Der Vergleich

Sunrise hält fest, dass der Evaluationsbericht des Bundesrates zeige, dass die Preise von Roamingdiensten für Länder ausserhalb der EU nicht höher seien. Zudem seien verschiedene Massnahmen eingeführt worden, wie beispielsweise ein Informations-SMS mit Tarifen beim Grenzübertritt oder ein Data-Alert, das die Kunden über Roamingkosten für mobiles Surfen informiert. «Seit der Einführung dieser Massnahmen haben sich die Kundenbeschwerden signifikant reduziert», sagt Sunrise-Pressesprecher Tobias Kistner.

Bei Orange ist man überzeugt, dass die Roaming-Tarife in Zukunft sinken werden, weil der Markt spiele, sagt Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons. Zudem würden neue Technologien das Roaming von Grund auf verändern.

So vermeiden Sie zu hohe Handykosten im Ausland

Um ein böses Erwachen nach den Ferien zu vermeiden gibt es ein paar Tipps. Die Stiftung Konsumentenschutz zeigt wie es geht. Mit diesen stellen Sie sicher, dass die Handyrechnung nicht ins Unermessliche steigt:

Drahtloses WLAN nutzen: Viele Hotels, Restaurants und Bars bieten kostenlos einen drahtlosen Internetzugang an. Nutzen Sie dies, für den Empfang oder das Versenden von E-Mails oder Bildern. Auch Skype oder Whatsapp kann so genutzt werden.

Datenroaming deaktivieren: Auch wenn Sie nicht aktiv im Internet surfen führen Apps automatische Aktualisierungen durch, wodurch Kosten entstehen. Indem Sie das Datenroaming im Ausland deaktivieren, können Sie das verhindern.

Auslandoption kaufen: Die Mobilfunkanbieter bieten Zusatzabos an, mit denen die Handynutzung im Ausland günstiger ist als der Normaltarif.

Combox ausschalten: Wenn Ihnen jemand auf die Combox anruft entstehen Kosten, ebenso, wenn Sie die Combox anrufen.

SIM-Karte eines lokalen Anbieters kaufen: Wer sich länger im Ausland aufhält, für den lohnt sich allenfalls eine SIM-Karte eines Mobilfunkanbieters im Reiseland zu kaufen. Damit profitieren Sie von den Tarifen der Einheimischen. Dies funktioniert aber nur, wenn ihr Handy keinen SIM-Lock hat, also entsperrt ist.

Strassenkarten offline nutzen: Das Smartphone ist auch ein Stadtplan, eine Strassenkarte oder ein Navigationsgerät. Nutzen Sie im Ausland Programme, die auch ohne Internetverbindung funktionieren.

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