Robin Cook gestorben
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Robin Cook gestorben

Der frühere britische Aussenminister Robin Cook ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Mit Bestürzung und Trauer reagierte die Regierung Blair auf den Tod des ehemaligen Aussenministers.

Der 59-jährige Cook hat nach Angaben der schottischen Polizei gemeinsam mit einer Wandergruppe am Samstag den Gipfel des Bergs Ben Stack nahe Sutherland in Schottland besteigen wollen. Kurz vor Erreichen des 721 Meter hohen Gipfels sei er zusammengebrochen.

Seine Mitwanderer hätten die Küstenwache alarmiert, die Cook mit einem Helikopter in ein Spital nach Inverness gebracht habe. Dort sei er fünf Minuten nach der Einlieferung in die Notaufnahme gestorben, wie die schottische Polizei mitteilte.

Trauer und Bestürzung

Der britische Premierminister Tony Blair würdigte Cook in einer Stellungnahme am Samstagabend als ein «hervorragendes, aussergewöhnliches Talent». Als Aussenminister habe er Grossbritanniens Position in Europa neu bestimmt und die britische Entwicklungshilfe- und Menschenrechtspolitik geprägt.

Der britische Aussenminister Jack Straw, der Cook 2001 im Amt ablöste, sagte der BBC, er sei «zutiefst bestürzt» über den Tod seines Parteikollegen. Er würdigte Cook als den «grössten Parlamentarier seiner Generation».

Politische Karriere

Cook war von 1997 bis 2001 Aussenminister der Regierung von Premier Blair. Danach wurde er Fraktionschef der Labour- Abgeordneten im Unterhaus. Im März 2003 trat er aus Protest gegen die Irak-Politik als Fraktionschef zurück. Trotz fundamentaler Meinungsverschiedenheiten blieb Cook ein Blair-Getreuer.

Ein Skandal in seinem Privatleben kostete ihn 1998 fast die Karriere. Eine Zeitung deckte auf, dass er in seiner Londoner Wohnung eine Liebhaberin versteckte, worauf ihm die Regierung ein Ultimatum setzte, um die Affäre mit Gaynor Regan zu beenden.

Daraufhin verliess er seine Frau nach 28 Jahren Ehe und heiratete Regan, die bei ihm war, als er Samstag in Schottland starb.

Geschliffene Rhetorik

Im Londoner Parlament wurde Cook als glänzender Debattenredner bewundert und gefürchtet. Mit seiner geschliffenen, mitunter auch scharfen Rhetorik drückte er vielen Sitzungen des Unterhauses seinen Stempel auf.

Zu seiner Rücktrittsentscheidung im Zusammenhang mit dem Irak- Krieg sagte Cook vor dem Unterhaus: «Einen Krieg ohne internationale Unterstützung und ohne Rückhalt im Inland kann ich nicht unterstützen.» Der Amtsverzicht trug ihm in Grossbritannien und im Ausland grossen Respekt ein.

Politik und Moral

In zahlreichen öffentlichen Äusserungen hatte sich Cook immer wieder über das Verhältnis von Politik und Moral Gedanken gemacht. Cook unterstützte 1999 den Kosovo-Krieg der NATO gegen Jugoslawien, um die Unterdrückung der Kosovoalbaner durch die serbische Führung zu beenden.

Trotz des Zerwürfnisses mit Blair kandidierte Cook bei der Parlamentswahl im vergangenen Mai erneut und verteidigte seinen Wahlkreis in Schottland klar. Seit seinem Rücktritt hatte sich Cook als gefragter Kommentator in den britischen Medien etabliert.

Beobachter sagten ihm Chancen auf eine Rückkehr in hohe Ämter voraus: Spekuliert wurde, dass der derzeitige Finanzminister Gordon Brown als möglicher Blair-Nachfolger den ehemaligen Aussenminister wieder in die Regierung berufen hätte.

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