Bezirksgericht Zürich: «Robin Hood» des Zürcher Fleischmarktes muss hinter Gitter
Aktualisiert

Bezirksgericht Zürich«Robin Hood» des Zürcher Fleischmarktes muss hinter Gitter

Ein Chauffeur hat gleich zentnerweise Edelfleisch gestohlen und an diverse Zürcher Kebabstände verkauft. Am Freitag kassierte der geständige Langfinger zwei Jahre Knast. Zehn Monate davon soll er absitzen.

von
Attila Szenogrady

«Das Schöne war daran, dass viele einfache Zürcher Kebabstände sehr günstig hochwertiges Fleisch anbieten konnten», führte Verteidiger Franziskus Ott zu Beginn seines Plädoyers aus.

Der heute 35-jährige Angeklagte aus Tagelswangen hatte sich über eine halbes Jahr lang regelmässig als eigentlicher «Robin Hood» des Zürcher Fleischmarktes betätigt. So bestahl er die Reichen und verteilte es unter den Armen. Im Gegensatz zum englischen Freiheitshelden jedoch alles andere als selbstlos. Sondern mit einem eigenen fetten Gewinn.

Über eine Tonne Rindsfilets, Entrecôts und Kalbskoteletts gestohlen

Der ursprünglich aus der Türkei stammende Schweizer war ab Sommer 2006 bei der Zürcher Fleischfirma «Bell Gastro Service» als Chauffeur angestellt und hatte damit Zugang zum grossen Kühllager an der Turbinenstrasse. Die Staatsanwaltschaft schilderte, wie der Vater einer Tochter im September 2006 rund 100 Kilogramm Kalbfleisch für 2000 Franken heimlich entwendete und an einen Kebabladen im Zürcher Kreis 4 billig weiter verkaufte.

In der Folge schlug der Angestellte immer wieder zu und nahm jeweils mit einem Rollwagen grosse Mengen von Edelfleisch mit. In der Anklage war von hochwertigen Rindfilets, Entrecôts und Kalbskoteletts die Rede.

Aufgeflogen und geständig

Als der Angeklagte im März 2007 von seinen Vorgesetzten erwischt wurde, war der Schaden beträchtlich. Der geständige Dieb hatte über 1500 Kilogramm Edelfleisch für rund 75 000 Franken entwendet und damit diverse Kebabstände in Zürich beliefert. Ebenfalls profitiert hatte ein Zwischenhändler und Komplize des Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat lastete dem fristlos gekündigten Chauffeur nicht nur mehrfachen Diebstahl, sondern auch mehrfachen Hausfriedensbruch an. Der Antrag gegen den wegen Marihuana-Handels vorbestraften Chauffeurs lautete auf zwei Jahre Freiheitsstrafe. Davon sollte der Beschuldigte zehn Monate verbüssen.

Verteidiger unterlag

Der Verteidiger verlangte vor Gericht vergeblich eine milde Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Einerseits sah der Anwalt den Vorwurf des Hausfriedensbruchs nicht als erwiesen an. So sei sein Mandant ein Angestellter mit Hausrecht gewesen. Andererseits habe sich der Angeklagte in finanzieller Bedrängnis befunden, plädierte er.

Das Gericht kam zwar zu einem Teilfreispruch, indem es den Hausfriedensbruch als nicht erwiesen einstufte. Dennoch folgte es aufgrund des erheblichen Verschuldens bei der Strafzumessung antragsgemäss der Staatsanwaltschaft. Das bedeutete zwei Jahre Freiheitsstrafe teilbedingt. Wobei zehn Monate der Angeklagte verbüssen soll. Zudem wurde der Täter verpflichtet, der Firma einen Grossteil des finanziellen Schadens zurückzuzahlen.

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