Autonome Autos - Robotaxis ab 2025 – die Schweiz muss sich gedulden
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Autonome AutosRobotaxis ab 2025 – die Schweiz muss sich gedulden

Volkswagen will in Deutschland 2025 die ersten selbstfahrenden Shuttles einsetzen. China ist schon einen Schritt weiter. Doch bevor auch in der Schweiz autonome Autos auf die Strassen kommen, gilt es noch, einige Hürden zu überwinden.

von
Janine Gloor
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Der ID Buzz soll das erste Fahrzeug von Volkswagen sein, das autonom fahren kann.

Der ID Buzz soll das erste Fahrzeug von Volkswagen sein, das autonom fahren kann.

Volkswagen
Der Bus soll ab 2025 in Deutschland als Shuttle eingesetzt werden.

Der Bus soll ab 2025 in Deutschland als Shuttle eingesetzt werden.

imago images/Future Image
Aus Sicherheitsgründen müssen aber trotzdem zwei Fahrer im Bus anwesend sein.

Aus Sicherheitsgründen müssen aber trotzdem zwei Fahrer im Bus anwesend sein.

imago images / Manfred Segerer

Darum gehts

  • 2025 sollen selbstfahrende Shuttles Passagiere transportieren.

  • Es müssen aber noch Sicherheitsfahrer im Auto sein.

  • Die Technologie werde bald ausgereift sein, sagt ein Experte.

  • Doch die autonomen Autos müssen zuerst zugelassen werden.

Selbstfahrende Autos sind längst keine Science-Fiction-Vision mehr, sondern könnten in wenigen Jahren in Europa Realität werden: Volkswagen (VW) will ab 2025 autonom fahrende Shuttles auf die deutschen Strassen bringen, wie der Konzern mitteilt.

Die Technik für die selbstfahrenden Autos soll vom amerikanischen Spezialisten Argo AI kommen, an dem VW beteiligt ist. Volkswagen liefert für die autonomen Taxis aber nur die Hardware: Der ID Buzz, die elektrische Variante des VW-Busses, soll als selbstfahrendes Taxi eingesetzt werden.

Der Fahrdienst Moia, ein Unternehmen des VW-Konzerns, soll die Shuttles betreiben. Die Robotaxis sollen in Städten unterwegs sein und mehrere Personen transportieren können. Bis jetzt wurde das System von Argo AI nur in den USA getestet, ab diesem Sommer sollen in München Testfahrten durchgeführt werden.

Doch die Autos werden noch nicht ganz allein herumkurven: Noch werden zwei Sicherheitsfahrer an Bord sein. Sie werden eingreifen, falls das Auto einen Fehler macht.

Das Level 5 ist noch ausser Reichweite

Die Autoindustrie kennt für autonomes Fahren ein System mit fünf Stufen. Das Projekt von VW agiert auf Level 4. Hier kann das Auto zwar automatisiert fahren, es muss jedoch ein Mensch im Auto sein, der eingreifen kann. Auf Level 5 muss kein Sicherheitsfahrer mehr anwesend sein, die Passagiere bräuchten nicht einmal einen Führerausweis.

Wie lange wird es noch dauern, bis das Level 5 erreicht ist? Eine Prognose zu machen, sei schwierig, sagt der deutsche Verkehrswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer. «Ein Auto, das völlig autonom fährt, gibt es noch nicht», sagt er. Doch daran werde jetzt gearbeitet.

Um die Zukunft des autonomen Fahrens verstehen zu können, müsse man das westliche und das asiatische Modell kennen. «In der westlichen Welt funktioniert es so, dass das Auto selbst intelligent ist», sagt Dudenhöffer. Die anderen Fahrzeuge im Verkehr wissen davon nichts.

Das chinesische Modell könnte den Durchbruch früher erleben

«Im chinesischen Modell dagegen ist das autonome Auto Teil des gesamten Mobilitätssystems. Die Chinesen nennen das Intelligent Connected Vehicles (ICVs)», so Dudenhöffer. Über das Internet sind alle Fahrzeuge miteinander verbunden und reagieren aufeinander. «In Städten wie Shanghai etwa gibt es öffentliche Strassen von 560 Kilometern, auf denen vollautonomes Fahren getestet wird», sagt der Experte.

Dudenhöffer glaubt, dass das Level 5 mit dem asiatischen Modell schneller erreicht wird, weil ein ganzheitliches System angestrebt wird. Doch die Sache hat einen Haken: Für westliche Standards ist das ständige Überwachen und Positionieren der Fahrzeuge aus Datenschutzgründen problematisch.

Maschine gegen Mensch

Die ethische Frage

Neben den Datenschutzbestimmungen stellt sich beim autonomen Fahren auch die Frage nach der Ethik. Heute werden mehr als 90 Prozent aller Unfälle im Strassenverkehr durch menschliches Versagen verursacht. «Die Maschine ist deutlich sicherer», sagt Dudenhöffer. Doch auch sie mache Fehler, die den Tod von Menschen verursachen können. «Welche Macht darf man einer Maschine geben?», so Dudenhöffer. Diese Frage gelte es zu klären, bevor die Autos vollautonom auf den Strassen unterwegs sein dürfen.

Das autonome Fahren nach dem asiatischen Modell setzt eine schnelle Datenübertragung voraus. In China ist diese dank des 5G-Netzes von Huawei sichergestellt. Doch für das westliche Modell ist kein flächendeckendes 5G nötig. «Für das automatisierte Fahren eines einzelnen Autos, so wie es beispielsweise Tesla macht, braucht es nur eine Karte», sagt Dudenhöffer. Das wäre auch in der Schweiz möglich.

Das autonome Fahren auf Level 4 kommt auf die Strassen, da ist sich Dudenhöffer sicher. «Von der Technik her ist das kein Problem», sagt er. Er sieht beispielsweise im Güterverkehr auf der Autobahn Potential für autonomes Fahren, wo ein selbstfahrendes Lieferfahrzeug einem anderen Lastwagen folgen könnte.

Auch das Ziel von Volkswagen, ab 2025 automatisierte Shuttles einzusetzen, sieht er als realistisch. «Die Frage ist, ob diese Fahrzeuge zugelassen sind.» Dafür müsse genügend getestet werden.

Gesetze müssen angepasst werden

Mit einer Gesetzesänderung will Deutschland der erste Staat sein, der Autos ohne Fahrerin oder Fahrer auf die Strassen holt. Noch ist der Gesetzesentwurf nicht verabschiedet. Auch die Schweiz will das Strassenverkehrsrecht anpassen und damit die Grundlage für automatisiertes Fahren legen. Der Bundesrat hat im August 2020 ein entsprechendes Revisionspaket in die Vernehmlassung geschickt.

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