26.12.2014 23:34

Digital BankingRoboter ersetzen die Vermögensverwalter

Die Digitalisierung durchdringt die Finanzwelt immer mehr. Der neuste Trend: Roboter und Algorithmen ersetzen die klassischen Anlageberater aus Fleisch und Blut.

von
Kaspar Wolfensberger
Nicht nur E-Banking: Auch in der Vermögensverwaltung nimmt die Bedeutung des Internets zu.

Nicht nur E-Banking: Auch in der Vermögensverwaltung nimmt die Bedeutung des Internets zu.

Noch vor 15 Jahren war es normal, für eine Einzahlung an den Bankschalter zu gehen. Heute erledigen die Kunden Überweisungen dank E-Banking im Internet. Nun erfasst der Digitalisierungs-Trend einen weiteren Teil des Bankensektors: die Vermögensverwaltung. War der klassische Anlageberater eine Person aus Fleisch und Blut, wird jetzt die elektronische, computerbasierte Vermögensverwaltung immer wichtiger.

Beispiele für den Trend sind die Firmen Money on Toast aus Grossbritannien und Betterment aus den USA. Bei Money on Toast übernimmt der sogenannte Doughbot die Finanzberatung. Dabei handelt es sich um einen Roboter-Berater, im Englischen Robo-Advisor genannt. Er kann innert kürzester Zeit das Risiko-Profil eines Kunden erfassen, um ihm dann Anlagetipps zu geben. Bevor der Kunde ein Investment tätigen kann, fragt ihn der Doughbot deshalb nach seiner Verschuldung und seinem genauen Vermögen. Hat eine Person zu wenig Geld, sagt er ihr dies klar.

Ein weiterer grosser Player im Robo-Berater-Geschäft ist das US-Unternehmen Vanguard. Es verwaltet bereits 2000 Milliarden Dollar, Tendenz steigend. Allerdings setzt Vanguard nicht auf eine rein elektronische Vermögensverwaltung. Kunden erhalten zuerst per Telefon Instruktionen und Tipps. Danach können sie den sogenannten Robo-Advisor nach ihren Wünschen das Portfolio bewirtschaften lassen. Und die Gebühren für diese kombinierte Anlagelösung sind relativ tief. Laut Finews.ch betragen sie 0,3 Prozent.

Robo-Advisors hierzulande noch selten

Der Schweiz steht die Invasion der Robo-Berater allerdings noch bevor. Der Internet-Finanzunternehmer Marc P. Bernegger aus Zürich glaubt jedoch, dass die elektronische Vermögensverwaltung auch hierzulande ein grosses Potenzial hat. Es werde jedoch noch eine Weile dauern, bis damit eine kritische Grösse erreicht wird. «In der Schweiz stehen derzeit einige solcher Robo-Advisors in den Startlöchern und ich bin gespannt, wie sich diese entwickeln werden», erklärt er im Gespräch mit 20 Minuten.

Bei den Schweizer Grossbanken engagiert sich vor allem die UBS in der elektronischen Anlageberatung. Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat sie das Produkt UBS Advice eingeführt. Mit dem Einsatz digitaler Mittel überwacht die Bank dabei über Nacht gut 650'000 Portfolios und versucht Abweichungen von den definierten Anlagezielen zu identifizieren. Falls notwendig, kontaktieren die Berater der Bank die Kunden und bieten ihnen an, Anpassungen an der Anlagestrategie vorzunehmen. Dirk Klee, Chief Operating Officer von UBS Wealth Management erklärt, dass die Technologie dabei allerdings primär Mittel zum Zweck sei. «Ziel ist nicht, die persönliche Beraterbeziehung zu ersetzen, sondern sie zu optimieren.»

Privatbanken sind skeptisch

Ähnlich wie die UBS argumentieren auch die Schweizer Privatbanken. Im Gespräch mit 20 Minuten erklärt ein Zürcher Privatbankier, dass er das Potenzial der Robo-Beratung primär in der Suche nach Typ und Art passender Anlageprodukte sehe. Wenn es darum gehe, die gesamte Situation des Kunden in seine Investitionsentscheide miteinzubeziehen, stosse der Computer aber an seine Grenzen. Faktoren wie Diskretion, Vertrauen oder der persönliche Kontakt seien in der Vermögensverwaltung nämlich zentral und liessen sich nicht digital simulieren.

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