Science-Fiction?: «Roboter machen Bürojobs bis 2018 überflüssig»
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Science-Fiction?«Roboter machen Bürojobs bis 2018 überflüssig»

In vier Jahren werden Roboter unsere Jobs erledigen, sagt ein Experte aus England. Eine Schweizer Trendforscherin widerspricht - zumindest dem ehrgeizigen Zeitplan.

von
tob

Sitzen neben uns im Büro bald schon Roboter und erledigen die Arbeit effizienter und schneller als wir? Davon ist zumindest der Engländer Andrew Anderson, CEO der Artificial Intelligence Company Celaton, überzeugt. Er sagt: «Bis 2018 könnten Bürojobs vollständig von Robotern übernommen werden.» Am meisten gefährdet sind laut Anderson die Arbeitskräfte im Verkauf, der Bildung und der IT-Branche.

Weiter ist er überzeugt, dass Computer bereits im Jahr 2025 lernfähig sind und sich selbst neu programmieren können. Grund für seine Prognose: Anderson sagt, dass der technische Fortschritt mittlerweile auf einer höheren Stufe sei, als ursprünglich angenommen.

Noch ist es Science-Fiction

Doch die Aussagen des Engländers sind mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. «Die Richtung seiner Prognosen stimmt, aber der Zeithorizont ist doch ein wenig zu ehrgeizig», sagt die Schweizer Trendforscherin Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institut (GDI). «Bis Roboter wirklich so weit sind und die Änderungen so radikal umgesetzt sind, wird es mindestens noch 20 Jahre dauern», sagt Frick. Mit Robotern meint die Forscherin nicht unbedingt intelligente humanoide Gebilde, sondern generell intelligente Maschinen.

Ein Roboter wie aus Fleisch und Blut

In Branchen mit einem hohen Kostendruck werden neue Technologien, die den Menschen ablösen sollen, viel schneller adaptiert. Als Beispiel nennt Frick den Check-in-Ablauf beim Fliegen. «Bei der Swiss etwa ist dieser Prozess schon weit fortgeschritten. Wer heute fliegt, muss an einer Maschine einchecken», so Frick. Vor zehn Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen.

Schweizer Roboter noch mitten in Entwicklung

Es sei aber nicht so, dass wir, wenn wir morgen aufwachen, von einer hochtechnisierten Science-Fiction-Welt umgeben sein werden. «Das ist ein Prozess, der sich über die nächsten Jahre erstrecken wird», sagt Frick. Wir werden also Schritt für Schritt in diese Welt hineinwachsen.

Vertrauen durch Vertrautheit

Bei dieser Entwicklung unterstützend wirke, dass das Vertrauen in Technologie generell gewachsen sei. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass uns immer mehr Technik zur Seite steht», sagt die Forscherin vom GDI. So ist heute etwa das Smartphone unser ständiger Begleiter. Für Leute, die mit Technik aufgewachsen sind, gehört dies zum Alltag. «Für meinen elfjährigen Sohn ist es ganz normal, etwas auf Google zu recherchieren, das er nicht weiss. Für ihn ist das nicht die Nutzung von Technik, sondern ein fast schon natürlicher Vorgang», sagt Frick.

Und die Akzeptanz gegenüber der Technik steige weiter. Der aktuelle Edelmann-Trust-Barometer zeigt, dass das Vertrauen in vielen Bereichen, etwa gegenüber Behörden oder Politik, rückläufig ist. Das Vertrauen in die Technik wachse hingegen weiterhin. Frick umschreibt diesen Vorgang mit «Vertrauen durch Vertrautheit». Was uns Technik heute bedeute, merkten wir spätestens, wenn wir einmal das Handy verlieren.

Kreativität ist noch rein menschlich

In ferner Zukunft sind vielfältige Einsatzgebiete für Roboter denkbar. Ein Paradebeispiel für künstliche Intelligenz von Maschinen ist etwa der Supercomputer Watson von IBM, der sich bei einer Quizsendung gegen zwei menschliche Gegner durchgesetzt hat. Mittlerweile fungiert die maschinelle Superintelligenz als Callcenter und nimmt Anrufe entgegen. Unbegrenzt sind die Einsatzmöglichkeiten für intelligente Maschinen aber nicht: «Dort, wo es soziale Intelligenz oder Kreativität braucht, sind weiterhin Menschen nötig, um die Arbeit zu erledigen», sagt Frick. Bis Maschinen und Roboter kreativ werden können, sei es noch ein langer Weg.

In anderen Gebieten, etwa in Pflegeberufen, könnten sich Roboter aber durchsetzen. «In Japan zum Beispiel sind heute schon Krankenpflegeroboter im Einsatz», sagt Frick. Dies seien aber eher intelligente Möbel als humanoide Roboter. So gibt es etwa bereits eine vollautomatische horizontale Dusche, eine Art Waschanlage für Menschen.

Was die Zukunft bringen könnte, zeigt der Film «Robot & Frank». In dem Streifen schliesst ein alternder Juwelendieb eine Freundschaft mit seinem Pflegeroboter und plant mit ihm schliesslich den letzten grossen Coup. So ein Roboter-Multitalent wie im Film ist (bisher) aber wirklich noch Science-Fiction.

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