Unnatürlicher Feind: «Roboter-Rasenmäher sind Todesfallen für Igel»

Aktualisiert

Unnatürlicher Feind«Roboter-Rasenmäher sind Todesfallen für Igel»

Zürcher Igelschützer schlagen Alarm: Immer mehr der Tiere kommen unter den Roboter-Rasenmäher. Die Hersteller propagieren einen verantwortungsvollen Umgang.

von
som

Sie sind klein, leise und praktisch: Roboter, die selbstständig den Rasen mähen. Dass deren Preise in den letzten Jahren enorm gefallen sind, beunruhigt Erika Heller sehr: «Es kaufen deshalb immer mehr Leute einen Rasenroboter, der eine Todesfalle für Igel und andere Tiere ist.»

Heller leitet die Igelstation Winterthur. Allein im letzten Jahr wurden ihr 20 Fälle von Igeln gemeldet, die unter einen Roboter-Rasenmäher gekommen waren: «Viele Leute haben mir auch gesagt, dass sie auf ihren Rasen kleine Stachelhäufchen gefunden hätten.»

«Wenn es so weitergeht, gibt es bald keine Igel mehr»

Dies seien die Überreste von Jungtieren: «Die Kleinen werden von diesem Gerät regelrecht zerschnetzelt.» Aber auch ausgewachsene Tiere gehörten zu den Opfern. Heller würde die Roboter-Rasenmäher deshalb am liebsten verbieten: «Wenn es so weitergeht, gibt es irgendwann fast keine Igel mehr.»

So weit würde Bernhard Bader, Geschäftsleiter des Vereins Pro Igel, zwar nicht gehen: «Es kommen immer noch viel mehr Igel unter ein Auto.» Doch die sinkenden Preise der Rasenroboter machen auch ihm Sorgen: «Einen solchen Roboter sollte man nie unbeobachtet laufen lassen.» Aber da könne man genauso gut einen herkömmlichen Rasenmäher benutzen: «Da sieht man die Hindernisse viel besser.»

Wiese absuchen, bevor man Roboter benutzt

Laut Roger Thalmann, Produktmanager beim Rasenroboter-Distributeur iRobotics, würden zumindest dessen Geräte bei Hindernissen wie Tiere stoppen. Ganz ausschliessen, dass etwas passiere, könne er aber nicht: «Ein Auto ist schliesslich auch eine potenzielle Gefahr für Tiere.» Er appelliert deshalb an die Vernunft der Benutzer: «Bevor man einen Rasenroboter einsetzt, sollte man die Wiese absuchen. Auch ist es besser, ihn nicht nachts einzusetzen.»

Trotz dieser Vorkehrungen sind für Simon Steinemann, Geschäftsführer des Stadtzürcher Igelzentrums, die Rasenroboter noch immer eine potenzielle Gefahr: «Gerade Jungtiere betreten auch tagsüber eine Wiese.» Er glaubt auch, dass Schutzvorrichtungen an den Geräten nur bedingt nützen: «Kleine Igel sind etwa so gross wie eine Leberwurst – es ist gut möglich, dass der Roboter sie nicht als Hindernisse erkennt.»

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