Aktualisiert 17.01.2014 09:49

Nach TV-Auftritt

Rocchi wegen Antisemitismus angezeigt

Komiker Massimo Rocchi habe sich auf SRF antisemitisch geäussert, sagt ein Rechtsanwalt. Aufgrund seiner Anzeige wurde nun ein Verfahren eröffnet. Rocchi wurde gestern vernommen.

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loo/hal/tab
In der Sendung «Sternstunde Philosphie» vom 24. März 2013 hat sich der Kabarettist Massimo Rocchi laut einem Anwalt übelster antisemitischer Vorteile bedient. Er hat ihn angezeigt. Bild: Screenshot SRF

In der Sendung «Sternstunde Philosphie» vom 24. März 2013 hat sich der Kabarettist Massimo Rocchi laut einem Anwalt übelster antisemitischer Vorteile bedient. Er hat ihn angezeigt. Bild: Screenshot SRF

«Sternstunde Philosophie» auf SRF vom 23. März 2013: Massimo Rocchi macht für einmal keine Spässe, sondern führt mit Moderator Juri Steiner ein staubtrockenes Gespräch über das Wesen des Humors. Auf die Frage zur Psychologie des Humors im Unterbewusstsein nach Sigmund Freud kommt Rocchi unvermittelt auf die Juden und den jüdischen Humor zu sprechen (hier das Video): Anders als beim Komiker, der letztlich ein Opfer sei und bleibe und nicht gewinnen wolle, sei der jüdische Humor immer auf «Zinsen» aus. «Der Jude», führt der Träger zahlreicher Kulturpreise – darunter des renommierten Salzburger Stiers – weiter aus, wolle immer etwas verdienen, er mache auf Humor, um zu zeigen, dass er Jude sei und «nahe bei Gott» (exakter Wortlaut siehe Box).

«Stereotyper Antisemitismus»

Für den Zürcher Strafrechtler David Gibor sind Rocchis Äusserungen eine klare Verletzung der Strafnorm gegen Rassendiskriminierung: «Darin steckt das unausrottbare Stereotyp vom geldgierigen Juden.» Rocchi behaupte, «der Jude» wolle, selbst wenn er Witze mache, nicht einfach lustig sein, sondern strebe immer einen Gewinn an. «Offenkundig sieht Rocchi bereits im jüdischen Humor die Zinssucht der Juden angelegt», so Gibor. Diese seien also laut Rocchi immer nur auf ihre finanziellen Vorteile aus. Damit behaupte der Komiker «in geradezu klassisch rassendiskriminierender Weise eine menschliche bzw. soziale Minderwertigkeit, die direkt an die jüdische Herkunft» gekoppelt sei. «Wer in seiner Weltanschauung immer noch wesensfixierte Neigungen bei Juden erkennt und dies auch noch öffentlich verbreiten muss, dem sollte entschieden widersprochen werden, und zwar auch mit den Mitteln des Strafrechts», so Gibor.

Im Auftrag eines jüdischen Geschädigten hat Gibor entsprechend Strafanzeige gegen den Basler Komiker mit italienischen Wurzeln erstattet. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet und Rocchi wurde heute als Beschuldigter vernommen.

«Ich habe nie Menschen diskriminiert»

Massimo Rocchi war für 20 Minuten am Donnerstag nicht zu sprechen. Er sei bis Samstag komplett ausgebucht und für niemanden erreichbar, weil ein grosses Projekt vor der Tür stehe, liess sein Management ausrichten.

Anstatt persönlich Stellung zu nehmen, reagierte Rocchi am Donnerstag via eine Presseerklärung auf die Anzeige von David Gibor: «Ich bin betroffen vom Rassismusvorwurf, der aus der SRF-Sendung ‹Sternstunde Philosophie› vom 24. März 2013 abgeleitet wurde. Wer mich und meine Programme seit 1984 kennt, weiss, dass ich zu keinem Zeitpunkt Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft oder Religion herabgesetzt oder diskriminiert habe.»

Auch Tschäppät und Steinegger angezeigt

Er ist bereits der dritte Schweizer Komiker, der dieses Jahr mit Rassismusvorwürfen konfrontiert wird. Die Beschuldigungen lauten ähnlich: Der Basler Jurist Carlo Di Bisceglia hat vor wenigen Wochen den SP-Politiker und Komiker Alexander Tschäppät wegen Herabsetzung und Diskriminierung der Menschenwürde angezeigt – die Menschenwürde der Italiener in diesem Fall. Witze wie «Wissen Sie, warum die Italiener so klein sind? Weil ihnen ihre Mütter stets sagen: Wenn du mal gross bist, musst du arbeiten gehen» seien beleidigend und ein Beweis der Ignoranz gegenüber den Gefühlen eines Teils unserer Nation, sagte der Anwalt zu 20 Minuten.

Auch Birgit Steinegger hat sich in einer Satiresendung Ende 2013 zu weit aus dem Fenster gelehnt. Um das Täschligate von US-Talkmasterin Oprah Winfrey zu parodieren, liess sich die Komikerin dicke Lippen montieren und schwarze Farbe ins Gesicht pinseln. Kulturschaffende haben daraufhin gegen den Sketch protestiert und dem Schweizer Fernsehen mit einer Anzeige wegen Verletzung der Antirassismus-Strafnorm gedroht. «Wenn sich SRF nicht öffentlich für den TV-Sketch entschuldigt, werden wir die vorbereitete Strafanzeige einreichen», sagte Theater- und Filmproduzent Samuel Schwarz, einer der Initianten des Protests.

Rocchis Zitat im Wortlaut

Rocchis Zitat im Wortlaut

"Das ist also bei Freud sehr nah - ich entschuldige mich, aber ich sage das - an jüdische Humor gibt es immer Zinsen, die verdienen will. Der Jude macht auf Humor, um zu zeigen, dass er Jude ist und dass er Humor hat und dass er nahe bei Gott ist. Der Komiker nicht. Der Komiker will nicht gewinnen. Der Komiker ist Opfer. Der Komiker bleibt Opfer."

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