Wirtschaftsboss in Rage: Roche-Chef macht dem Bundesrat Dampf

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Wirtschaftsboss in RageRoche-Chef macht dem Bundesrat Dampf

Ein Wirtschaftsboss wettert: Der Chef des Pharmakonzerns Roche mahnt, dass die Zeit für die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative knapp wird.

von
Isabel Strassheim
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Roche-Chef Severin Schwan: «Roche ist seit 120 Jahren in der Schweiz, da werde ich nicht wegen ein paar Monaten völlig durchdrehen.»

Roche-Chef Severin Schwan: «Roche ist seit 120 Jahren in der Schweiz, da werde ich nicht wegen ein paar Monaten völlig durchdrehen.»

Keystone/Anthony Anex
Der Hauptsitz von Roche ist und bleibt in der Schweiz: Der neue Roche--Turm in Kleinbasel.

Der Hauptsitz von Roche ist und bleibt in der Schweiz: Der neue Roche--Turm in Kleinbasel.

Keystone/Christian Beutler
In Planung ist ein zweiter, noch höherer Turm: Mit der Verdichtung des historisch gewachsenen Konzernareals will Roche möglichst viele seiner insgesamt 9000 Arbeitsplätze in Basel an einem Standort konzentrieren.

In Planung ist ein zweiter, noch höherer Turm: Mit der Verdichtung des historisch gewachsenen Konzernareals will Roche möglichst viele seiner insgesamt 9000 Arbeitsplätze in Basel an einem Standort konzentrieren.

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Für die Schweizer Vorzeigebranche, die Pharmaindustrie, wird es eng: «Ich möchte mit allem Nachdruck betonen, dass die Zeit jetzt knapper wird», sagt Roche-Chef Severin Schwan mit Blick auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Er hoffe, dass der Bundesrat «mit Nachdruck» eine Lösung findet, mahnte Schwan am Donnerstag. Der gewöhnlich zurückhaltend-charmante Österreicher redete sich an der Medienkonferenz zu den Halbjahreszahlen fast in Rage: «Roche ist seit 120 Jahren in der Schweiz, da werde ich nicht wegen ein paar Monaten völlig durchdrehen.» Was beruhigend gemeint war und den Verbleib von Roche in der Schweiz zusichern sollte, geriet dabei zu einer halben Schimpfkanonade.

«Bei knapper Zeit wird der Nachdruck der Wirtschaft stärker», so Schwan. Im kommenden Februar läuft die Frist für die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative aus. Der Roche-Chef ist der erste Konzern-Chef, der nun öffentlich Druck macht, obwohl auch viele andere multinationale Konzerne wie Novartis oder Nestlé betroffen sind.

«Massiv auf Ausländer angewiesen»

Das Problem ist, dass die Firmen um ihre Fachkräfte aus dem Ausland fürchten. Nicht nur um diejenigen aus der EU, die die Masseneinwanderungsinitiative trifft, sondern auch aus Drittstaaten wie Indien oder den USA.

«Wir sind massiv auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen», erläutert Schwan. Forscher und Laboranten, die aus dem Ausland kommen, würden knapp. «Der, der das nicht versteht, den führe ich durch meine Abteilungen», sagt Schwan. Roche könne seine Aktivitäten in der Schweiz nur weiterverfolgen, wenn es genügend Arbeitskräfte gebe – eben auch ausländische.

Auch die Wirtschafts-Kantone klagen

Der Bundesrat hatte die Zuwanderung von Ausländern aus Drittstaaten 2014 zurückgefahren. Als Reaktion zur Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, für deren eigentliche Umsetzung die Gespräche mit der EU harzen. Schon im vergangenen Jahr hatte sich der Verband Swiss Holdings beschwert, dass multinationale Konzerne deswegen Probleme haben, die benötigten Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen. Vor allem in den Wirtschafts-Kantonen Basel Stadt und Zug sind die Jahres-Kontingente schon im März ausgeschöpft.

Medikamenten-Studien in Türkei laufen weiter

Der Pharmakonzern führt auch in der Türkei klinische Studien für seine Medikamentenforschung durch. »Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass wir weltweit die gleichen ethischen Voraussetzungen einhalten«, sagte Roche-Chef Severin Schwan. Die Studien seien durch die gefährdete Rechtsstaatlichkeit in dem Land nicht in Gefahr. Im ersten Halbjahr 2016 nahm der Konzernumsatz um sechs Prozent auf 25 Milliarden Franken zu, der Gewinn stieg um 4 Prozent auf 5,4 Milliarden Franken. ish

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