12.11.2020 07:22

Christoph FranzRoche-Chef spricht sich für Impfzwang bei Coronavirus aus

Roche-Chef Christoph Franz befürwortet einen Impfzwang. Damit widerspricht er Gesundheitsminister Alain Berset und dem BAG, die stets betonten, in der Schweiz werde es auch beim Coronavirus keinen Impfzwang geben.

von
Lucas Orellano
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Im Gegensatz zu Alain Berset befürwortet Christoph Franz eine Impfflicht.

Im Gegensatz zu Alain Berset befürwortet Christoph Franz eine Impfflicht.

Keystone
Damit will der Präsident von Roche die Pandemie in der Schweiz eindämmen.

Damit will der Präsident von Roche die Pandemie in der Schweiz eindämmen.

Keystone
Mit einer Impfung schütze man nicht nur sich selber, sondern auch alle anderen.

Mit einer Impfung schütze man nicht nur sich selber, sondern auch alle anderen.

Keystone

Darum gehts

  • Roche ist im Rennen um einen Coronavirus-Impfstoff nicht dabei.

  • Trotzdem befürwortet Präsident Christoph Franz ein Impf-Obligatorium.

  • Es gehe vor allem darum, andere zu schützen, argumentiert er.

Einen Impfzwang für die Schweiz lehnt der Bundesrat klar ab. Dies machten Gesundheitsminister Alain Berset und seine Regierungskollegen bisher immer wieder klar. Auch das BAG stellte sich im Zusammenhang mit dem Coronavirus gegen eine Pflicht zur Impfung. Nun stellt sich ihnen ein prominenter Pharma-Vertreter entgegen. Christoph Franz, seines Zeichens Präsident von Roche, spricht sich in der «Handelszeitung» (Artikel hinter Bezahlschranke) für einen Impfzwang zur Eindämmung des Coronavirus aus.

«Ich persönlich bin für Impfobligatorien, ja. Obwohl ich weiss, dass das eine umstrittene Position ist», sagte Franz dem Branchenblatt. Es brauche letztlich braucht einen gesellschaftlichen Konsens. «Aber ich bin der Meinung, dass der Herdenschutz in einer Bevölkerung sehr wichtig ist. Eine Impfung ist nicht nur eine Schutzmassnahme für sich selber – auf die man allenfalls verzichten könnte. Mit einer Impfung trägt jeder, jede auch dazu bei, dass die ganze Bevölkerung geschützt ist und damit auf Einschränkungen verzichtet werden kann. Insofern schafft eine Impfpflicht Freiheiten an anderer Stelle.»

Die Nachricht der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer vom Montag, mit ihrer Impfung einen über 90-prozentigen Schutz zu erreichen, bezeichnete Franz als «Good News». Er warnte aber auch vor zu hohen Erwartungen. Man habe es mit Zwischendaten zu tun, noch gebe es nicht einmal eine Notfallgenehmigung. «Realistischerweise wird es zudem noch eine Weile dauern, bis der Impfstoff in der erforderlichen Menge verfügbar sein wird, auch in der Schweiz. Die Gesamtsituation wird sich erst Mitte nächsten Jahres tatsächlich verbessern», so Franz.

Roche macht im Impf-Rennen nicht mit

Roche selber gehört nicht zu den Unternehmen, die im Rennen um den Impfstoff gegen das Coronavirus mitmischen. Wie Christoph Franz gegenüber der «Handelszeitung» sagt, bekämpft der grösste Pharma-Konzern der Welt die Pandemie in erster Linie über Tests. «Ich bin überzeugt, dass wir damit noch länger eine Schlüsselrolle spielen werden», so Franz. Bisher habe Roche die Welt mit rund 180 Millionen Tests versorgt, davon 20 Millionen PCR-Tests pro Monat.

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