Teures Augenmittel: Roche und Novartis sollen günstiges Medikament blockieren
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Teures AugenmittelRoche und Novartis sollen günstiges Medikament blockieren

Die Pharmakonzerne Roche und Novartis verhindern laut Kritikern den Verkauf eines günstigen Augenmittels. Das kostet die Prämienzahler 80 Millionen Franken im Jahr. Jetzt reagiert die Politik.

von
Barbara Scherer
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Im Kampf gegen eine Form von Altersblindheit namens AMD helfen zwei Medikamente.

Im Kampf gegen eine Form von Altersblindheit namens AMD helfen zwei Medikamente.

imago/Panthermedia
Avastin und Lucentis. Doch Lucentis kostet in der Schweiz über 13-mal mehr als Avastin.

Avastin und Lucentis. Doch Lucentis kostet in der Schweiz über 13-mal mehr als Avastin.

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Trotzdem ist in der Schweiz nur das deutlich teurere Medikamente Lucentis  ist in der Schweiz zugelassen.

Trotzdem ist in der Schweiz nur das deutlich teurere Medikamente Lucentis ist in der Schweiz zugelassen.

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Darum gehts

  • Gegen Altersblindheit helfen zwei Medikamente.
  • Doch nur das 13-mal teurere ist in der Schweiz zugelassen.
  • Die Mehrkosten tragen die Prämienzahler.
  • Politiker wollen das jetzt ändern.

Zwei Medikamente helfen gegen eine Form von Altersblindheit namens AMD: Avastin und Lucentis. Doch nur das deutlich teurere Medikament Lucentis ist in der Schweiz zugelassen. Schuld daran sollen laut einem Bericht der «Aargauer Zeitung» die Basler Pharmakonzerne Roche und Novartis sein.

Lucentis kostet in der Schweiz über 13-mal mehr als Avastin. Die Mehrkosten von rund 80 Millionen Franken bezahlen die Prämienzahler in der Schweiz. Trotzdem hat Roche bis heute keine Zulassung für das günstigere Medikament beantragt.

Politiker reichen Vorstoss ein

Während Roche die Zulassung des günstigeren Avastin in der Schweiz verhindern soll, vertreibt Novartis das teurere Medikament ausserhalb der USA und steht deshalb in der Kritik. Politiker haben bereits mehrfach versucht, den Einsatz von Avastin gegen die Altersblindheit zu fördern. Bisher sind alle Versuche gescheitert.

Nun versucht FDP-Nationalrat Philippe Nantermod es noch einmal. Er hat einen Vorstoss eingereicht: Die Arzneimittelbehörde Swissmedic soll die Zulassung eigenständig erweitern können. Bislang ist das nur möglich, wenn der Hersteller die Zulassung selber verlangt.

Krankenkasse soll ohne Zulassung zahlen

Einen anderen Ansatz hat die Genfer SP-Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle gewählt: Sie fordert in einer Motion, dass die Kosten für Avastin trotz der fehlenden Zulassung von den Krankenkassen übernommen werden sollen.

Der Bundesrat will aber von beiden Vorstössen nichts wissen. Im Parlament wurden sie noch nicht behandelt. Nantermods Vorstoss sei mit offenen Fragen und Schwierigkeiten verbunden, wie der Bundesrat schreibt. Bei Fehlmann Rielles Vorstoss will die Regierung einen Bericht zum Thema abwarten.

Anklage in Frankreich und Italien

In Frankreich hat die Wettbewerbs­behörde Roche und Novartis vergangenen Monat mit 444 Millionen Euro gebüsst. Der Vorwurf: Die Konzerne hätten die Marktposition von Lucentis gegen das günstigere Avastin mit missbräuchlichen Praktiken verteidigt. Beide Firmen haben Berufung eingelegt. 2014 hat bereits die italienische Wettbewerbsbehörde eine Busse in Höhe von 183 Millionen Euro von den Pharmakonzernen gefordert. Der Fall ist bis heute nicht abgeschlossen.

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