Genentech sagt Njet: Roche will die Geldmaschine ganz
Aktualisiert

Genentech sagt NjetRoche will die Geldmaschine ganz

Die US-Roche-Tochter Genentech probt den Aufstand. Das Management lehnte bisher alle Angebote ab. Roche hat das Unternehmen bereits einmal für 2,1 Milliarden gekauft und sich mit verschiedenen Transaktionen eine goldene Nase verdient.

Roche-Chef Franz Humer ist enttäuscht, dass Genentech sein Angebot über 89 Dollar je Aktie oder insgesamt 44 Milliarden Dollar vom vergangenen Sommer weiterhin ablehnt. Nun wendet sich Humer direkt an die Aktionäre, er offeriert diesen jedoch «nur» 86.50 Dollar je Aktie. Nach der Offerte im vergangenen Juni schnellte der Kurs von Genentech kurzfristig auf fast 100 Dollar, bröckelte dann wieder ab, weil die Genentech-Führung keine Anstalten machte, den Antrag aus Basel anzunehmen. Im Dezember war die Genentech-Aktie an der Börse noch 72 Dollar wert. Mit dem neuen Angebot zogen die Titel wieder auf 83.87 Dollar an.

Wer hat's erfunden?

Genentech, der erste und grösste Biotechnologie-Konzern der Welt, hat eine starke Verhandlungsposition. Grund sind die erstklassigen Forscher und die Produkte des Unternehmens mit Sitz in South San Francisco. Ein Kassenschlager ist das Krebsmedikament Avastin, das die Blutzufuhr zum Tumor unterbindet. Im Jahr 1985 brachte Genentech mit einem Wachstumshormon für Kinder als erstes Biotechnologieunternehmen ein eigenes Medikament auf den Markt.

Die Biotech-Firma wurde 1976 von einem Biochemiker und einem Investor gegründet. Genentech gelang es in einem Mikroorganismus Proteine für andere Organismen zu züchten. Ende der 70er -Jahre produzierte Genentech mit Hilfe von E-Coli-Bakterien menschliches Insulin. Die Firma, die in den 90er-Jahren auch mit Medikamenten gegen Leukämie und Hepatitis C Erfolg hatte, konzentriert sich mittlerweile auf den Kampf gegen Krebs. Im Jahr 2007 erzielte die US-Firma aus einem Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar.

Roche hat bereits das Sagen

Roche bestimmt seit Längerem den Kurs von Genentech und hat mit Börsentransaktionen und erfolgreichen Medikamenten viel verdient. Die Basler kauften 1990 das Biotechunternehmen für 2,1 Milliarden Dollar. Im Juli 1999 brachte Roche einen Minderheitsanteil an die Börse. 55,8% verblieben beim Pharmakonzern. Der Erlös aus dem Verkauf der 44,2 Prozent entsprach einem Mehrfachen des gesamten Kaufpreises.

Die Medikamente von Genentech, die Roche in Europa teilweise unter eigenem Namen vertreibt, rentieren für die Basler. Als Hauptaktionär erhält das Schweizer Familienunternehmen auch den Löwenanteil der übrigen Gewinne der US-Gesellschaft. Dass sich Roche diese Geldmaschine ganz sichern will, ist verständlich. Zu aggressiv darf Roche nicht vorgehen, sonst springen viele Genentech-Mitarbeiter ab - das Kapital des Unternehmens. Trotz anders lautender Mitteilungen kommt Roche gelegen, dass Genentech auf Zeit spielt. Im Moment hat es selbst ein solider Pharma-Konzern schwer, bei den Banken eine Finanzierung über 40 Milliarden zu erhalten.

(scc/wg)

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