Hells vs. Jackets: Rocker kämpfen um Vorherrschaft im Milieu
Aktualisiert

Hells vs. JacketsRocker kämpfen um Vorherrschaft im Milieu

Hinter dem Rocker-Krieg steckt offenbar ein Verdrängungskampf: Die Black Jackets drängen in die Schweiz, die Hells Angels wehren sich gegen die Konkurrenz. Laut Insidern geht es um Geld aus dem Sex- und Türsteher-Milieu.

von
hal

Ein blutüberströmter Verletzter im Spital, ein Verhafteter, beschlagnahmte Waffen: In Oftringen AG haben sich Mitglieder der Hells Angels und der Black Jackets einen wüsten Kampf geliefert. Es ist bereits der dritte Vorfall innert weniger Tage, nachdem am Freitag 180 Hells Angels in Zürich gestoppt wurden und ein Kampfsportevent abgesagt werden musste.

Zuvor war es lange ruhig in der Schweizer Biker- und Türsteher-Szene. Dass der Rocker-Krieg jetzt offensichtlich eskaliert, lässt die Gerüchteküche brodeln: Es gehe um eine Rache für eine Schlägerei oder falsche Gesinnungen – die Hells sind überzeugte Schweizer, unter den Black Jackets sind vor allem Secondos und Ausländer. Laut Anwalt Valentin Landmann, der die Hells vertritt, stimmt nichts davon: «Die Hells Angels führen keinen Krieg gegen eine andere Gruppe.»

Fakt ist jedoch: Mit den Black Jackets haben die Hells Angels innert weniger Jahre einen nicht zu unterschätzenden Konkurrenten bekommen. Bisher war die Gruppierung eher in Süddeutschland aktiv. Doch dort tobt der Verteilkampf: Seit 2005 haben sich deutschlandweit die Mitgliederzahlen der Gangs verdoppelt. Gestiegen ist gleichzeitig die Gewalt. Sogar Handgranaten haben die Rockergruppen im Kampf gegeneinander schon eingesetzt, in den letzten Jahren waren regelmässig Tote zu beklagen, wie Thomas Jungbluth vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen sagt. Hintergrund sind Verteilkämpfe um das Geld aus dem Rotlichtmilieu und dem Türsteher-Business.

Während in Deutschland über ein halbes Dutzend Gruppierungen – Hells Angels, Bandidos, Outlaws, Satudarah, Black Jackets, Mongols und Gremium – um die Vorherrschaft in den Bundesländern kämpfen, war es in der Schweiz bisher ruhig. «Seit mehr als 25 Jahren haben wir hier in der Schweiz unser eigenes System und unsere eigenen Regeln», schreibt der Hells Angels MC Switzerland auf seiner Homepage. Und als Drohung: «Wir wollen und brauchen hier in der Schweiz keine anderen Zustände.» Landmann ergänzt: «Wenn jemand von aussen den Frieden der Biker-Szene in der Schweiz stört, würden sich die Hells Angels dagegen stemmen.»

Konkret wird ein Zürcher Polizist, der aus verständlichen Gründen anonym bleiben will: «Bald gehen die Sex-Boxen auf. Da geht es um viel Geld.» Von einem Krieg um die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu will Landmann aber nichts wissen. Und: «Kein einziger Hells Angel hat mit dem Sihlquai zu tun.» Marco Bisa, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, sagt nur: «Wenn wir Hinweise haben, gehen wir denen nach.»

Hemi, Präsident des Hells Angels MC Zurich, nimmt Stellung:

Wieso führen die Hells Krieg gegen die Black Jackets?

Wir führen und haben keinen Krieg mit den Black Jackets!

Gerüchte machen die Runde, dass es darum gehen soll, wer die Geschäfte in den Sexboxen übernimmt.

Stimmt nicht, reine Erfindung!

Ein anderes Gerücht besagt, dass der Streit ausgebrochen ist, weil ein Mitglied der Hells von den Black Jackets zusammengeschlagen worden sei. Stimmt das?

Es wurde noch nie ein Mitglied von uns von den Black Jackets zusammen geschlagen! Daher auch reine Erfindung!

Hat nun der Verdrängungs- kampf der Hells in der Schweiz gegen die Black Jackets begonnen?

Es findet kein Verdrängungs- kampf statt! Der Hells Angels MC ist ein Motorradclub und die Black Jackets eine Strassengang mit hauptsächlich türkisch-kurdisch- stämmigen Mitgliedern. Wir haben somit auch nichts gemeinsam oder miteinander zu tun!

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