The Script: Rockstars sind auch nur Kinder
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The ScriptRockstars sind auch nur Kinder

Wenn sie auf Tour sind, füllen The Script Stadien - zuhause benehmen sie sich trotzdem wie Schuljungs. 20 Minuten hat die irische Band in ihrem Proberaum besucht.

von
Neil Werndli

Auf den ersten Blick sind The Script gar nicht so anders als U2: irische Stadionrocker mit radiotauglichen Songs, die niemandem wehtun. Nur dass The Script im Gegensatz zu Bono und Co. noch als cool gelten.

Sind sie auch. Ihr neues Album «No Sound Without Silence» ist jedenfalls besser als der Virus, den U2 Apple-Kunden vergangene Woche aufdrückten. Der Sound mag wenig überraschend sein, aber Hymnen können The Script definitiv schreiben. Und trotz all der grossen Töne haben sie ihre Bescheidenheit und die aufrichtige Freude an der Musik nicht verloren.

«Was, wenn es den Leuten nicht gefällt?»

Der Proberaum, in den sich The Script für die Vorbereitungen zur «No Sound Without Silence»-Tour eingeschlossen haben, befindet sich in einem Londoner Industriegebiet. Hier sitzen die drei Iren gemütlich vor dem Studiokomplex und spielen mit einem ferngesteuerten Mini-Helikopter. Wie Schuljungs grinsen sie, reissen Witze und provozieren sich gegenseitig. An Rockstars denkt man kaum, wenn man die Freude sieht, die so ein Spielzeug den Herren - alle mittlerweile über 30 - noch bereitet.

Vielleicht dient die ausgelassene Stimmung nur dazu, die Nervosität zu überdecken. Auch wenn «No Sound Without Silence» bereits ihr vierter Langspieler ist, sind sich The Script ihres Erfolges nämlich nie sicher: «Man stellt sich schon all die Fragen: Was, wenn es den Leuten nicht gefällt? Was, wenn wir Gigs in Stadien buchen und es kommt niemand? Entspannt ist man da nicht», gibt Sänger Danny O'Donoghue zu. «Aber es ist eine gesunde Nervosität.»

Die grossen Bühnen wollen The Script nicht so schnell wieder aufgeben. Im Stadion fühlen sie sich wohl, deshalb entstand «No Sound Without Silence» auch auf Tour. Die Band hat sich ein mobiles Studio angeschafft und alle Songs im engen Van aufgenommen: «An einigen Stellen hört man sogar noch leise das Brummen des Motors», sagt Danny mit breitestem Lausbubengrinsen. «Wir wollten die Energie von der Bühne direkt aufs Album mitnehmen. Wenige Minuten nach dem letzten Song des Konzerts waren wir schon am Aufnehmen.»

Eine Rockband, die kaum rockt

Die Energie ist auch der sauberen, teuer klingenden Produktion zu verdanken. Die Songs sind aufs Radio zugeschnitten - für die Band kein Problem. «Es gibt niemals eine Hit-Garantie, aber man kann vor allem mit der Struktur der Songs bewirken, dass sie leichter hängen bleiben.» Dies geschehe durchaus bewusst: Einige Songs auf «No Sound Without Silence» seien auch nach der Aufnahme noch einmal zerstückelt und ins Hit-Schema gepresst worden.

Selten trifft man derart sympathische Rockstars. Vielleicht schon zu sympathisch: Ecken und Kanten sucht man auch auf «No Sound Without Silence» vergebens. Skandale oder immerhin kontroverse Äusserungen der Band gibt es kaum. Danny O'Donoghue ist dank seinem Job als «The Voice»-Juror zum Hausfrauen-Liebling geworden. Und während andere Rockstars mit Partyexzessen in den Schlagzeilen stehen, ist Danny stolz auf seinen Mundspray, mit dem er sich vor Gigs die Kehle befeuchtet. Ganz wie U2 sind sie noch nicht - wenn sie die Spielzeuge nicht bald weglegen, steht The Script aber ein ähnliches Schicksal bevor.

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