Aktualisiert 06.09.2007 09:55

Roddick sehr gut - Federer besser

Roger Federer hat im US Open einmal mehr eine US-Party verhindert. Im Viertelfinal liess er Andy Roddick in 2:02 Stunden beim 7:6 (7:5), 7:6 (7:4), 6:2 mit ganz grossem Tennis keine Chance. Halbfinalgegner am Samstag ist Nikolai Dawydenko (Russ/4).

Die Vorentscheidung fiel beim letzten Punkt des ersten Satzes. Andy Roddick hatte gerade den ersten Satzball mit einem Backhand-Volley abgewehrt und lief anschliessend zurück an die Grundlinie. Dabei stachelte er das Publikum mit Gesten derart an, dass sich das Weiterspielen um fast eine halbe Minute verzögerte. Federers Reaktion? Ein Ass durch die Mitte zum Satzgewinn. «Ich habe gar nicht gesehen, was er gemacht hat. Ich konzentriere mich immer auf mein Spiel», so der coole «Party-Killer».

Dabei war alles bereit gewesen für eine Feier amerikanischen Zuschnitts. Die ganze Tennis-Nation hatte der Partie zwischen ihrem einzigen verbliebenen männlichen Starspieler und der Weltnummer 1 entgegengefiebert, das Arthur-Ashe-Stadium war für die «Night Session» mit 23 733 Zuschauern inklusive vieler Prominenter (von Boris Becker über Donald Trump zu Natalie Portman) restlos ausverkauft, und Venus Williams hatte mit einem Dreisatz-Sieg gegen Jelena Jankovic weitere patriotische Gefühle aufkommen lassen.

Und last but not least war Andy Roddick heiss. Sehr heiss sogar. Der Schützling von Jimmy Connors kam aufgeputscht aus den Startlöchern wie einst sein Mentor, riskierte von Anfang an sehr viel, servierte ausgezeichnet und hielt auch von der Grundlinie aus hervorragend mit dem Baselbieter mit, der ebenfalls von Anfang an stark aufspielte.

Zweite Tiebreak-Ohrfeige für Roddick

Durch den Verlust des ersten Satzes liess sich Roddick noch nicht aus dem Konzept bringen. Er hielt an seinem aggressiven Konzept fest und war bei 5:4 nur zwei Punkte vom Satz-Ausgleich entfernt. Letztlich ging es aber wieder ins Tiebreak - und wieder behielt Federer nach einem sensationell gespielten Ball die Oberhand: Bei 4:4 antizipierte er einen mit 224 Stundenkilometern geschlagenen Service Roddicks auf die Rückhand und schleuderte diesem buchstäblich den möglicherweise «schnellsten Ball aller Zeiten» entgegen.

Dies kam für den Amerikaner schallenden Ohrfeigen gleich. Federer weiss um diesen Effekt: «Ich bin mir schon bewusst, worum es in solchen Situationen geht. Die Gegner werden dann oft auch etwas nervös, währenddem ich eher angespornt werde.» Mit diesem Satzgewinn war der Widerstand von Roddick praktisch gebrochen. Auch das fanatische Publikum (Federer: «Gegen James Blake und Andre Agassi war es hier aber viel schlimmer») wurde zusehends ruhiger - dies nicht nur, weil die Geisterstunde mittlerweile überschritten war. Federer kam im dritten Satz zu den einzigen Breakbällen und nutzte diese zu zwei Servicedurchbrüchen.

Nach einer hochklassigen Begegnung mit beidseitig deutlich positivem Winner-Fehler-Verhältnis (Federer 48:18, Roddick 42:24) war sich der dreifache US-Open-Champion im Klaren, dass der 14. Sieg im 15. Vergleich gegen Roddick (mit einem totalen Satzverhältnis von 36:6) nicht selbstverständlich war: «Andy hat sehr gut gespielt. Ich hätte in den Sätzen auch 0:2 im Rückstand sein können.» Überhaupt sind die Amerikaner mittlerweile Federers Lieblingsopfer. In den letzten vier Jahren hat er alle 38 Duelle gegen sie gewonnen.

Für Roddick war Federers Erkenntnis ein schwacher Trost, obwohl er deutlich mehr Spielanteile hatte als noch im Januar bei der Demontage in Melbourne (4:6, 0:6, 2:6): «Ich habe diesmal den Platz nicht mit Fragen verlassen. Ich muss den Kopf nicht senken. Ich habe mir den Hintern aufgerissen heute Abend und richtig gespielt. Das hilft zwar, heisst aber nicht, dass es mich nicht extrem ärgert.»

Dawydenko noch ohne Satzverlust

Federer steht zum 14. Mal hintereinander im Halbfinal eines Grand-Slam-Turniers. Zwischen ihm und dem 10. Finaleinzug in Serie steht nur noch Nikolai Dawydenko. Der russische Vielspieler ist trotz einer Bilanz von 0:9 gegen Federer ein heisser Kunde; er hat im Turnier noch keinen Satz abgegeben und liess im Viertelfinal auch Tommy Haas beim 6:3, 6:3, 6:4 absolut keine Chance. «Ich werde aufpassen müssen, er spielt enorm gut», weiss Federer vor dem dritten Halbfinal-Duell gegen Dawydenko in den letzten fünf Majors.

New York. US Open. Grand-Slam-Turnier (22,3 Mio Dollar/Hart).

Männer. Viertelfinals:

Roger Federer (Sz/1) s. Andy Roddick (USA/5) 7:6 (7:5), 7:6 (7:4), 6:2.

Nikolai Dawydenko (Russ/4) s. Tommy Haas (De/10) 6:3, 6:3, 6:4.

Halbfinal-Tableau: Federer (1) - Dawydenko (4); Moya (17)/Djokovic (3) - Chela (20)/Ferrer (15).

Frauen. Letzter Viertelfinal:

Venus Williams (USA/12) s. Jelena Jankovic (Ser/3) 4:6, 6:1, 7:6 (7:4).

Halbfinal-Tableau: Henin (1) - Venus Williams (12); Kusnezowa (4) - Tschakwetadse (6).

Doppel. Halbfinals. Männer:

Lukas Dlouhy/Pavel Vizner (Tsch/9) s. Paul Hanley/Kevin Ullyett (Au/Sim/5) 6:4, 6:2.

Simon Aspelin/Julian Knowle (Sd/Ö/10) s. Julien Benneteau/Nicolas Mahut (Fr) 7:6 (7:2), 1:6, 6:3.

Frauen. Viertelfinals:

Nathalie Dechy/Dinara Safina (Fr/Russ/7) s. Katarina Srebotnik/Ai Sugiyama (Sln/Jap/3) 7:5, 6:3.

Kveta Peschke/Rennae Stubbs (Tsch/Au/6) s. Corina Morariu/Meghann Shaughnessy (USA/13) 6:2, 6:2.

(si)

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