Röthlin gewinnt Zürich Marathon in Rekordzeit
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Röthlin gewinnt Zürich Marathon in Rekordzeit

Viktor Röthlin hat seine Rekord-Ankündigung eindrücklich umgesetzt. Der Obwaldner gewann den fünften Zürich Marathon in der europäischen Spitzenzeit von 2:08:19,2 Stunden und pulverisierte seine alte Bestzeit um 1:36 Minuten.

Der EM-Zweite von Göteborg 2006 lief den dritten starken Marathon in Folge. Im November 2005 hatte er sich in New York in einem international stark besetzten Feld als Siebenter behauptet, letzten August in Schweden musste er sich in einem taktischen Lauf bloss Olympiasieger Stefano Baldini (It) geschlagen geben und nun gelang ihm einer der hochkarätigsten Schweizer Rekorde. Die Bestmarke wird einzig von Kugelstösser Werner Günthör (22,75 m) und 800-m-Läufer André Bucher (1:42,55) getoppt und ist in der Kategorie von 400-m-Läufer Matthias Rusterholz (44,99) oder Anita Weyermann (1500 m 3:58,20) anzusiedeln.

In der momentan wenig aussagekräftigen Weltbestenliste figuriert der Schweizer derzeit auf Rang zwei hinter dem Südkoreaner Lee Bong- Ju (2:08:04). Die Tatsache, dass Röthlin in den letzten Jahren bei den Höhepunkten stets präsent war, lässt ihn auch an den WM in Osaka (Jap) Ende August zum erweiterten Favoritenkreis zählen.

Röthlin, der vor acht Jahren im Hamburg sein Debüt über die 42,195 km in 2:13:36 Stunden gegeben hatte, gelang am Sonntagmorgen ein Lauf nach Mass. Bei idealen Bedingungen setzte er sein Rekordvorhaben konsequent um und liess sich nicht durch Frontrunner Paul Lomol Lopio irritieren. Der Kenianer schlug ein horrendes Tempo an und passierte bei Halbzeit in 1:03:23. Der Schweizer hingegen erschien im Sog seiner vier afrikanischen Helfer wie vergesehen in 64 Minuten und neun Sekunden beim Wendepunkt. «Ich fühlte mich wie beim Morgenjogging», schilderte der 32-Jährige diese Rennphase.

Röthlin hielt das Tempo

Im Gegensatz zum Kenianer baute Röthlin nicht ab und legte die zweite Streckenhälfte fast auf die Sekunde genau gleich schnell zurück wie die ersten 21 km. Die Viertelmarathon-Abschnittszeiten von 31:50, 32:18, 32:15 und 31:54 beweisen, dass der Schweizer am Schluss sogar noch aufdrehen konnte. In jener Rennphase war er alleine unterwegs und wurde durch die Zuschauer in der Innenstadt getragen. Bei Kilometer 33 hatte Röthlins letzter Helfer abreissen und lassen und Lomol Lopio wurde vom Schweizer 7,5 km vor dem Ziel überholt.

«Die Emotionen sind gewaltig. Ich wusste, dass es einen Quantensprung geben wird und war mir ab Kilometer 35 sicher, dass ich nicht mehr einbrechen würde», schilderte Röthlin die entscheidende Phase seines Laufes. «Mit dieser Zeit habe ich mir die Türe zu den grossen Marathons aufgestossen.» Röthlin ist im boomenden Geschäft nun auch Rekordhalter im deutschsprachigen Raum. Die bisherige Bestleistung aus dem nördlichen Nachbarland unterbot er um 27 Sekunden.

«Jetzt muss ich mich wirklich gut erholen»

Röthlins Gedanken gelten derzeit allerdings nicht den WM 2007, dem Olympiamarathon 2008 oder den lukrativen Läufen in den Metropolen. «Jetzt muss ich mich wirklich gut erholen», erklärte er im Zielraum auf der Landiwiese und fügte an, «dass ich vor drei Jahren diesem Punkt zuwenig Beachtung geschenkt habe». Nach seinem ersten Zürich-Sieg 2004, als er in 2:09:56 zum ersten und bis am Sonntagmorgen zum einzigen Mal unter 2:10 Stunden geblieben war, wollte er zuviel und wurde in seiner Entwicklung prompt zurückgeworfen. «Ich muss jetzt von A bis Z ruhig und vernünftig bleiben. Ich will den gleichen Fehler nicht zweimal begehen.»

Vorjahressiegerin Tichonowa Zweite

Abgesehen von Röthlin kam in Zürich kein Eliteläufer mehr über das Mittelmass hinaus. Rang 2 ging an den Kenianer Sammy Kurgat (2:11:36), Schnellstarter Lomol Lopoi quälte sich als Dritter in 2:13:17 ins Ziel. Im Frauen-Rennen blieben die Russinnen Nina Podnebesnowa und Titelverteidigerin Elena Tichonowa unter 2:40 Stunden. Beste Schweizerin war die Bernerin Maja Neuenschwander (2:44:49).

Einen gelungenen Testlauf über die Halbmarathon-Distanz in 1:14:32 absolvierte Angéline Joly-Flückiger. Die Romande strebt Ende April in Hamburg die WM-Limite (2:33:00) an. Das Trio Röthlin, Joly-Flückiger und Christian Belz verfügt derzeit über das Potenzial, um sich für Titelkämpfe zu qualifizieren. Wechsel- Ambitionen auf die Marathonstrecke hegt auch Mittelstrecken- Läuferin Mirja Jenni, die Tochter des früheren Waffenläufers Albrecht Moser.

Zürich. 5. Zürich Marathon (4860 Starter/4645 Klassierte).

Männer:

1. Viktor Röthlin (Sz) 2:08:19,2 (Schweizer Rekord, bisher Röthlin 2:09:56 2004 in Zürich).

2. Sammy Kurgat (Ken) 2:11:36.

3. Paul Lomol Lopio (Ken) 2:13:16.

4. Lenar Chusnutdinow (Russ) 2:13:17.

5. Debel Teklemedhin Senbeta (Äth) 2:13:42.

6. Erastus Maina Thumbi (Ken) 2:14:52.

7. William Cheseret (Ken) 2:15:11.

8. Alexej Ribaltschenko (Ukr) 2:15:43.

9. Philip Muia (Ken) 2:15:51.

10. Nick Biwott (Ken) 2:16:05.

Ferner: 17. Michael Ott (Sz) 2:27:59. 20. Pascal Aymon (Sz) 2:29:19.

Frauen:

1. Nina Podnebesnowa (Russ) 2:37:00.

2. Elena Tichonowa (Russ) 2:38:13.

3. Susan Jepkorir (Ken) 2:42:07.

4. Maja Neuenschwander (Sz) 2:44:49. 5. Nadeschda Trilinskaja (Russ) 2:44:54. 6. Luzia Schmid (Homburg) 2:46:27. 7. Corinne Zeller (Weissenburg) 2:46:47. (si)

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