Aktualisiert 27.08.2012 06:30

US OpenRoger Federer greift nach 18. Grand-Slam-Titel

Erstmals seit dem French Open 2010 tritt Roger Federer am US Open in New York wieder als Nummer 1 der Welt zu einem Major-Turnier an. Er gilt nach dem «magischen Sommer» als Hauptfavorit.

Titelverteidiger Novak Djokovic und Olympiasieger Andy Murray sind in Absenz von Rafael Nadal einmal mehr die grössten Herausforderer von Roger Federer.

Mit dem 6:0, 7:6-Sieg am letzten Sonntag im Final von Cincinnati gegen Djokovic untermauerte Federer seine Favoritenstellung für das am Montag beginnende letzte Major-Turnier des Jahres in Flushing Meadows, an dem den beiden Einzel-Siegern je 1,9 Millionen Dollar an Preisgeld winken. Dem 31-jährigen Baselbieter gelang die Umstellung vom Rasen in Wimbledon auf die nordamerikanischen Hartplätze problemlos. «Trotzdem geht es in New York wieder bei Null los», so der 17-fache Major-Sieger, der in jedem Fall auch nach dem US Open das ATP-Ranking anführen wird. In der 1. Runde trifft Federer auf Donald Young (ATP 80). Der letztjährige Achtelfinalist (und Bezwinger von Stanislas Wawrinka) aus den USA verlor bis vor dieser Woche seine letzten 17 Partien. In Winston-Salem bezwang er nun immerhin den Argentinier Leonardo Mayer.

Djokovic und Murray in Form

Auch Djokovic, Federers erster Verfolger im Ranking, bereitete der Wechsel der Unterlage keine Probleme, gewann er doch vor Cincinnati das Turnier in Toronto. Noch nicht in Fahrt gekommen ist Andy Murray, der in Toronto verletzt aufgeben und in Cincinnati bereits in den Achtelfinals die Segel streichen musste. Der Schotte deutete aber in Wimbledon und bei Olympia - seinem ersten ganz grossen Turniersieg - an, dass sein erster Major-Titel bald Tatsache werden könnte.

Den dreien kommt zupass, dass Rafael Nadal (ATP 3) erstmals seit zehn Jahren im «Big Apple» fehlt. Der US-Open-Sieger von 2010 und letztjährige Finalist leidet am Hoffa-Kastert-Syndrom, einer Schwellung des Fettgewebes im Knie, und musste nach dem Olympia-Turnier in London auch für das vorletzte grosse Rendezvous der Saison Forfait erklären. Wann der Spanier, der als Einziger der Top 30 in New York fehlt, auf die Tour zurückkehrt, ist offen,. Im Idealfall wird Nadal bereits im Davis-Cup-Halbfinal Mitte September gegen die USA sein Comeback geben.

Ein fast perfektes Jahr

Vor knapp einem Jahr war Federer als grosser Geschlagener aus New York abgereist. Trotz eines 2:0-Satzvorsprungs und zweier Matchbälle war der Baselbieter im Halbfinal an Djokovic gescheitert. Der Serbe setzte mit dem anschliessenden Finalsieg gegen Nadal und dem Gewinn des dritten Grand-Slam-Titels 2011 seinem brillanten Jahr die Krone auf und war der Konkurrenz im Ranking weit enteilt. Doch Federer kam zurück - im Stile eines ganz grossen Champions und in einer Art, die ihm viele Experten nicht mehr zugetraut hatten.

Nach einer mehrwöchigen Auszeit setzte der Schweizer im letzten Herbst am Heimturnier in Basel zu einem Steigerungslauf an, der in diesem Sommer mit seinem siebten Wimbledon-Titel, der Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste und dem Gewinn der Olympia-Silbermedaille in London seinen Höhepunkt fand. 71 Einzel-Erfolge (bei nur 7 Niederlagen) und 9 Turniersiege - neben Wimbledon gewann Federer u.a. auch die ATP-WM in London sowie die Masters-1000-Turniere in Paris-Bercy, Indian Wells, Madrid und Cincinnati - lautet die eindrückliche Bilanz Federers in den letzten zehn Monaten. Nun will Federer das fast perfekte Jahr und seinen «magischen Sommer» mit einem weiteren Triumph in Flushing Meadows krönen.

Federer fühlt sich wohl in der Metropole

Das Turnier im New Yorker Stadtteil Queens, das über 700'000 Zuschauer anzieht und das jährlich meistbesuchte Sportereignis ist, liegt Federer besonders. Nach seinen fünf Titelgewinnen in Folge (2004 bis 2008) scheiterte er 2009 erst im Final in fünf Sätzen an einem entfesselnd aufspielenden Juan Martin Del Potro. Die letzten zwei Jahre verlor Federer jeweils im Halbfinal gegen Djokovic, wobei der Schweizer in beiden Partien zwei Matchbälle nicht zu nutzen vermochte. Mit seinem sechsten Titel würde Federer zum alleinigen Rekordsieger der Tennis-Neuzeit avancieren und Jimmy Connors und Pete Sampras hinter sich lassen, die das Turnier ebenfalls je fünfmal gewannen. Die Amerikaner Richard Sears, William Larned und Bill Tilden hatten ihre je sieben Titel weit vor Beginn der Open Era 1968 errungen.

Mit Stanislas Wawrinka (ATP 19) findet sich neben Federer nur ein weiterer Schweizer im Haupttableau der Männer wieder, nachdem Marco Chiudinelli in der 1. Runde der Qualifikation aufgeben musste. Für Wawrinka geht es darum, den in Cincinnati angedeuteten Aufwärtstrend fortzusetzen. Nach einem schwachen Sommer bezwang der 27-jährige Romand am Masters-1000-Turnier in Ohio mit David Ferrer erstmals seit zwei Jahren wieder einen Spieler aus den Top 5. Erst der Halbfinal mit der Niederlage gegen Federer bedeuteten Endstation, womit Wawrinka erstmals seit Mai wieder in die Top 20 zurückkehrte.

Wawrinka könnte im Ranking weiter klettern

Auch die Schweizer Nummer 2, die das Turnier gegen Sergej Stachowski (ATP 96) beginnt, hat an New York gute Erinnerungen. Nachdem Wawrinka bereits 2007 und 2008 am US Open die Achtelfinals erreicht hatte, feierte er 2010 einen der grössten Erfolge in seiner Karriere. Der Romand zog unter anderem dank dem Sieg in der 3. Runde gegen Murray erstmals an einem Grand-Slam-Turnier in die Runde der letzten acht ein, wo er knapp in fünf Sätzen an Michail Juschni (Russ) scheiterte. In diesem Jahr bietet sich Wawrinka die Möglichkeit, im Ranking weiter nach oben zu klettern, nachdem er 2011 in der 2. Runde überraschend an Young gescheitert war.

Alle gegen Serena Williams

Bei den Frauen vertreten Romina Oprandi (WTA 56), Timea Bacsinszky (WTA 309) und Stefanie Vögele (WTA 137) die Farben der Schweiz. Oprandi hat in Flushing Meadows bisher im Hauptturnier erst eine Partie gewonnen (2011) und trifft in der 1. Runde auf die ehemalige Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic (De/WTA 43), die in dieser Woche nach langer Pause ihr Comeback gab. Besser meinte es das Los mit Bacsinszky, die zuletzt nur ITF-Turniere bestritten hat und aufgrund ihres geschützten Rankings Aufnahme ins Haupttableau fand. Die Lausannerin trifft auf die Wild-Card-Empfängerin Mallory Burdette (USA/WTA 251). Stefanie Vögele überstand nach 2008 zum zweiten Mal die Qualifikation am US Open und schaffte damit zum vierten Mal den Sprung ins Hauptfeld. Die Gegnerin der Aargauerin in der 1. Runde ist noch noch bekannt.

Die klare Favoritin auf den Titel heisst Serena Williams. Ist die 31-Jährige aus Florida im Vollbesitz ihrer Kräfte, ist sie nur schwer zu schlagen. Im Gegensatz zu Federer schaffte die letztjährige Finalistin das Double Wimbledon/Olympia und vervollständigte damit ihren «Karriere-Golden-Slam». Herausgefordert wird die zweifache US-Open-Siegerin (1999, 2009) vor allem von der Konkurrenz aus Osteuropa. Der Weltranglisten-Ersten Victoria Asarenka (WRuss), Agnieszka Radwanksa (Pol/WTA 2), Maria Scharapowa (Russ/WTA 3) und Petra Kvitova (Tsch/WTA 5), Siegerin des Turniers in Montreal, wird am ehesten zugetraut, die jüngere der beiden Williams-Schwestern an ihrem 14. Grand-Slam-Titel zu hindern. Aussenseiterchancen besitzt die Chinesin Li Na (WTA 9), die in Montreal den Final erreicht und das Turnier in Cincinnati gewonnen hat.

Noch nicht einmal als Aussenseiterin wird Samantha Stosur (WTA 7) gehandelt. Die Titelverteidigerin hat seit ihrer Finalniederlage am French Open von neun Partien nur vier gewonnen. Ihren letzten Auftritt auf der Tour hat in New York Kim Clijsters. Die 29-jährige Belgierin und ehemalige Nummer 1 tritt nach ihrem Lieblingsturnier, das sie 2005, 2009 und 2010 gewann, endgültig zurück. (si)

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